Oldtimer-Rallyes
Fahrspaß mit Zwischengas

Klimagefahr, Benzinpreise und E-Mobile: Eigentlich macht Autofahren nur bei Oldtimer-Rallyes noch richtig Spaß. Das nutzen besonders Automanager gerne aus - wie jüngst bei der "Silvretta Classic".

GASCHURN. Triumphierend streckt Andreas Renschler beide Arme in die Höhe. Dann tippt er leicht aufs Gaspedal. Die 235 Pferdestärken des 3,0-Liter-Reihensechszylinders im silbernen Mercedes 300 SLS, Baujahr 57, bringen ihn und seinen Navigator über die Ziellinie. Um 13.07 Uhr hat der Daimler-Vorstand die dritte und letzte Etappe der Oldtimer-Rallye "Silvretta Classic" absolviert.

Auf dem Parkplatz des Gasthauses Stern im österreichischen Touristenort Vandans schält sich der 1,93 Meter große Manager aus dem engen Roadster. Trotz der Mühsal schwärmt der Schwabe: "Das Auto lässt sich brutal gut fahren. Das ist ein ganz anderes Fahrgefühl als heute." Doch nun ist schon wieder Schluss - wie schade.

Gut anderthalb Stunden nach Renschler zischt Carl-Peter Forster in einem giftig gelben Opel Manta A Coupé durchs Ziel. "Der geht richtig", sagt Forster, der Europa-Chef von General Motors, als er aus dem Manta steigt. Anno 1974 wurde das von Irmscher Tuning aufgemotzte 200-PS-Sportcoupé gebaut. Ölkrise? Egal. In den 70er-Jahren galt Opel noch etwas im Rennsport - und Autofahren sollte Spaß machen. Für die Kameras lehnt sich Forster auch noch auf die ellenlange Motorhaube eines roten Opel Commodore und schwärmt leuchtenden Auges von all den "schönen, alten Autos".

Der Liter Sprit für 1,60 Euro, das nagende Öko-Gewissen wegen der CO2-Wölkchen, Tempolimits allerorten, der Sicherheitswahn der Behörden: Autofahren macht einfach keinen Spaß mehr. Allein auf Oldtimer-Rallyes kommt noch echte Freude am Fahren auf - an der sich besonders Automanager, nicht nur berufsbedingt, immer öfter laben. Und die sonst so spaßfeindliche Autowelt erlebt sogar einen kleinen Boom: am Markt für Oldtimer.

Daimler-Vorstand Renschler ist zum vierten Mal bei der "Silvretta" dabei, die Anfang Juli drei Tage lang durch Österreich, die Schweiz und Liechtenstein führte. Heute leitet er die LKW-Sparte. Bis 2004 versuchte er den Smart zu verkaufen, für viele noch so ein Antispaßauto. Nun ist der putzige Zweisitzer plötzlich mega angesagt - sogar in New York. Schön für Daimler, aber nach Herzenslust durch die Bergwelt von Vorarlberg, Tirol und Unterengadin zu brettern in einem vor mehr als 50 Jahren konstruierten Roadster, das ist noch viel schöner.

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