Oldtimer-Reise
Und es bewegt sich doch!

Egal ob durch die jordanische Wüste, das argentinische Hinterland oder wie jetzt über die Alpen von Bayern nach Verona: Bei den Jewel-Events sind stets automobile Köstlichkeiten der vergangenen hundert Jahre am Start.
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BerlinAls der weinrote Bentley Mulsanne mit deutlich höherer Geschwindigkeit auf den Sportwagen aufschließt,  der nicht zur forschen Reisegruppe gehört, sagt Jonathon Lyons ungläubig: "Is it a Ferrari? Does it move?" (Ist das ein Ferrari, bewegt er sich?) und schon hat der schwere Wagen mit einer Leichtigkeit den F40 überholt, die man seinem Gewicht von 3,5 Tonnen nicht zutraut. Die illustre Reisegesellschaft, die dieses Mal viele wertvolle Aston Martin, Bentley, und Mercedes sowie einen Datsun 240 Z im Rallye-Trimm umfasst, hat schon viele Ziele auf eigener Achse bereist.

Mit fünf (!) Bentley-Continental hat man die jordanische Wüste und die Weiten Argentiniens durchquert,  das sind immerhin 2 Prozent der gesamten Produktion dieses 185 km/h schnellen Sportwagens aus den 50iger Jahren, von dem nur etwas mehr als 200 Exemplare gebaut wurden. Jonathon, der die  für seine Freunde gemeinsam mit dem seinem Marketing-Manager, dem jungen Brasilianer  Leandro Albuquerque organisiert, pilotiert sonst sein eigenes Exemplar dieses Typs und ist für seinen zügigen Fahrstil unter den ebenfalls sportlich fahrenden Freunden berüchtigt. Man hält sich nur prinzipiell an Geschwindigkeitsbegrenzungen und bringt den Meilentacho mit dem Speedlimit in Einklang. Hier 100 km/h auf dem Schild, da schon mal 100 Meilen pro Stunde auf dem Tacho.

Dieses Mal reist man auf den Spuren König Ludwigs und hat sich nach dem Start in Schloß Fuschl für drei Nächte standesgemäß auf Schloss Elmau niedergelassen. Das Fünf-Sterne-Plus Hotel liegt fast alleine in jenem Tal, in dem der extravagante König die Pferde tauschte, bevor er mit der Kutsche sein auf 1866 m liegendes Jagdschloss Schachen besuchte. Während manche sich nicht nehmen liessen, auch das vierte Bauwerk des "Kini" zu besuchen (neben Hohenchiemsee, Neuschwanstein und Linderhof), genossen andere das weitläufige Spa des Hotels, auf dessen Dach der Swimming-Pool den Eindruck vermittelt, der Schwimmer würde direkt an die mehr als 2000 Meter hohe Wetterstein-Wand stoßen.

Doug Hill kämpft auf dem Weg von Elmau nach Neuschwanstein mit dem Unwillen der Benzinpumpe.  Der Chefingenieur des britischen National Motor Museum hat einen 1914er Rolls Royce mitgebracht. Nach ein paar Minuten versierter Schrauberei unter der Motorhaube und an der Hinterachse nimmt der  fensterlose Wagen im Nieselregen bei 9 Grad wieder Fahrt auf.  Die Passagiere schützt nur ein luftiges Stoffdach.  Der Vorgänger des viertürigen Sportwagens hatte einst die Strecke London-Edinburg und zurück vollständig im vierten Gang bestritten und eine Verbrauchsfahrt gewonnen.

Wer Doug am Lenkrad des "Alpine Eagle" auf dem Fernpass-Reutte beobachtet, dem wird klar, dass der deutsche Reichstag 1900 gar nicht so falsch lag: Damals beschloss man, auf den Bau von Autobahnen zu verzichten, weil sich nicht mehr als 5.000 Familien einen Chauffeur leisten konnten. Das 97 Jahre alte Auto durch die Bergwelt zu bewegen, ist Schwerstarbeit.

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