Onlineassistenten im Auto
Opel setzt auf die digitale Nanny

Ein Unfall, eine Panne oder einfach nur zu faul, das Navigationsziel einzutippen? Bei Opel reicht da künftig ein Knopfdruck. Dann meldet sich „OnStar“ und hilft dem Fahrer in allen Lebenslagen weiter. Den virtuellen Privatsekretär gibt es allerdings nicht zum Nulltarif.
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RüsselsheimOpel geht in die Online-Offensive. Im Vorgriff auf den von der Europäischen Union ab 2018 geforderten automatischen Notruf e-Call holen die Hessen den bei der Konzernmutter General Motors in Amerika seit fast 20 Jahren etablierten Telematik-Dienst „OnStar“ im Herbst wieder nach Europa. Damit erfüllen sie allerdings nicht nur die EU-Vorgaben für den automobilen Notfall, sondern bieten ihren Kunden als erster Volumenhersteller einen virtuellen Privatsekretär, wie man ihn bislang nur von den Concierge-Services der Premium-Hersteller kannte.

Technisches Herzstück ist ein LTE-Router, der mit der Fahrzeugelektronik vernetzt ist. So kann er Unfälle erkennen und die Fahrzeugposition übermitteln, aber auch die Diagnose- und Remote-Funktionen übernehmen. Außerdem arbeitet er als WLAN-Hotspot für bis zu sieben Endgeräte und macht den Opel zum mobilen Internetcafe. Den Service selbst übernimmt dann ein Callcenter, das den Kunden individuell oder automatisiert die entsprechende Unterstützung gibt: „Dort sind wie 365 Tage im Jahr rund um die Uhr erreichbar und betreuen die europäischen Kunden in ihrer Muttersprache“, sagt Sara Nicholson, die „OnStar“ in Europa mit aufbaut.

Die Mitarbeiter melden sich nicht nur automatisch bei einem Unfall oder wenn der Kunde selbst einen Notruf absetzt. Sie unterstützen den Fahrer auch bei deutlich profaneren Dingen. So muss niemand mehr im Navigationssystem Sonderziele suchen oder lange Adressen eintippen. Stattdessen kann man einfach den blauen OnStar-Knopf drücken und diese Arbeit seinem Adviser überlassen. Der sucht die passenden Daten zusammen und schickt sie direkt als Route zurück in den Wagen.

Ein weiterer Bestandteil des Systems ist ein App, mit der man von überall auf den Wagen zugreifen, Ölstand oder Reifendruck überprüfen, die Türen verriegeln oder auch einfach nur den Standort bestimmen kann, damit man sein Auto auf dem Parkplatz wiederfindet. Die Werkstatt kann über eine Fernabfrage die wichtigsten Diagnose-Daten abrufen. Wird der Wagen als gestohlen gemeldet, hilft das System der Polizei bei der Suche. Bei einer Panne schickt das Servicecenter auf Knopfdruck einen Helfer. Und wer seine Schlüssel verliert oder im Wagen einschließt, muss sich nur über das Handy identifizieren, schon entriegelt „OnStar“ die Türen.

Starten soll das System in Europa noch in diesem Herbst und es braucht nicht viel Phantasie für die Vermutung, dass die drei OnStar-Knöpfe am Innenspiegel zum ersten Mal im neuen Opel Astra zu sehen sein werden. Binnen Jahresfrist wollen die Hessen dann nahezu die gesamte Modellpalette mit dem Modul anbieten und dabei keine Klassenunterschiede machen: Egal ob Karl oder Insignia, im „Internet der Dinge“ sind alle Opel gleich, lautet das Credo von Firmenchef Karl-Thomas Neumann.

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