Parkhilfe im Test
Hände weg vom Lenkrad! – und entspannen

Beim Einparken hört für viele Autofahrer der Fahrspaß auf. Viel entspannter ist die Suche nach der Parklücke mit der "Park Assist". Die Einparkhilfe rangiert den Wagen automatisch in die Lücke und lässt den Fahrer gut aussehen.

Samstagnachmittag in der Bonner City. Vor dem Koblenzer Tor staut sich der Verkehr. Die Ursache ist der Fahrer eines Chrysler Voyager, der seinen knapp fünf Meter langen und entsprechend unübersichtlichen Van in eine Parklücke am Straßenrand zu bugsieren versucht. Seine Rangierkünste reichen offenbar nicht aus, nach drei vergeblichen Anläufen gibt er das Vorhaben auf.

Viel entspannter ist die Suche nach der Parklücke mit der "Park Assist" genannten halbautomatischen Einparkhilfe von Valeo, mit der mein Testwagen vom Typ VW Touran ausgestattet ist. Brauchen wir so etwas überhaupt? Meine Lebensgefährtin kann prima rückwärts einparken - selbst mit ihrem uralten Polo ohne Servolenkung. Auch ich brauchte bisher weder Parkpiepser noch Peilstäbe, um meinen Mini unfallfrei zu parken. Deshalb waren wir zunächst skeptisch, als wir den VW Touran mit dem Parkassistenten zum ersten Mal in einer ruhigen Nebenstraße ausprobierten.

Glücklicherweise erschließt sich die Bedienung auch technisch Unbedarften sehr schnell: Ein Knopf vor dem Schalthebel aktiviert das System. Mit maximal 30 Kilometern pro Stunde fährt man anschließend an den am Straßenrand, an den parallel zum Bordstein parkenden Autos vorbei. Erkennt der Parkassistent dabei mithilfe der Sensoren im Stoßfänger eine Parklücke, die wenigstens 1,40 Meter länger ist als das Fahrzeug, zeigt das Display im Armaturenbrett den potenziellen Stellplatz an. Ich fahre so weit vor, bis das Display mich auffordert, den Rückwärtsgang einzulegen. Ist der drin, übernimmt das Bordsystem die Lenkung des Fahrzeugs. Dann gilt: Hände weg vom Lenkrad! Nur Gas geben und Bremsen muss man selbst.

Das ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Denn das Lenkrad dreht sich plötzlich wie von Geisterhand so flott um seine Achse, dass man einen Schrecken bekommt. Sollte der Fahrer nun das Lenkrad berühren, würde der Parkassistent den Vorgang aus Sicherheitsgründen abbrechen. Gleiches gilt für den Fall, dass er aus Schock das Gaspedal bis zum Bodenblech durchtritt: Bei mehr als sieben Stundenkilometern stellt sich das System automatisch ab. Wie beruhigend.

Beim Test aber läuft alles wie am Schnürchen. Als der Parkassistent dauerhaft piept, ist es Zeit zum Bremsen - sonst könnte es zum Crash mit dem Hintermann kommen. Das Display fordert anschließend auf, den Vorwärtsgang einzulegen. Das System stellt dann das Lenkrad gerade und fährt wenige Zentimeter nach vorne. Der Touran ist nun perfekt geparkt.

Ich hätte es nicht besser gekonnt, wahrscheinlich auch nicht schneller: Der gesamte Vorgang dauerte vom Einlegen des Rückwärtsgangs bis zum Stillstand nur 16 Sekunden. Der Touran mit Park Assist schafft selbst schwierige Situationen wie das Einparken am linken Fahrbahnrand in einer Einbahnstraße.

Das System, das der französische Zulieferer Valeo zur Serienreife entwickelt hat, erwies sich während des Tests als absolut narrensicher. Und das Schöne daran: Die Technik ist bezahlbar. Der Touran braucht zusätzlich zum einfachen Parkpiloten nur zwei Ultraschallfühler an der linken und rechten Ecke der Stoßstange, um den Fahrbahnrand nach Parklücken abscannen zu können. VW verkauft das Komplettpaket aus Abstandradar und Park Assist für lediglich 660 Euro.

Zählen die piependen Abstandswarner bereits zur Serienausstattung (etwa in der Highline-Version des Touran) eines Neuwagens, dann beträgt der Aufpreis für den Park Assist nur 160 Euro. So fällt denn auch das Fazit sehr positiv aus: Der Park Assist ist ein praktischer Helfer. Und das gilt nicht nur für das Klischee von Frauen und älteren Autofahrern mit eingeschränkter Beweglichkeit.

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