Passat Alltrack im Test: Ein Spießer auf Abwegen

Passat Alltrack im Test
Ein Spießer auf Abwegen

Mit dem Alltrack bietet VW einen höhergelegten Passat mit Allrad an. Ausflüge abseits der Straße sollen kein Problem sein. Aber hält der geländegängige Familienkombi wirklich, was er verspricht? Wir haben getestet.
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DüsseldorfPraktisch ist er, der Passat. Das weiß jeder, der Erfahrungen mit Großeinkäufen im Baumarkt hat. Ebenso gut wie Zementsäcke lassen sich Möbel transportieren. Eine Matratze passt in den Kombi, ohne dass die Heckklappe offen bleiben muss. Und weil der Wagen so zuverlässig ist, taugt er als Dienstwagen; für den Handwerker, genauso wie für das mittlere Management. Nur eines ist der Passat nicht: ein aufregendes Auto.

Praktisch ist eben immer auch eine höfliche Umschreibung für spießig. Das ist nicht weiter schlimm, und bislang hat sich darüber auch niemand beschwert. Den Passat Variant kann man eigentlich kaum besser machen. Nur der Hersteller selbst scheint sich gedacht zu haben, dass der Klassiker unter den Kombis irgendwie spannender, wilder, abenteuerlicher werden muss. Das Ergebnis ist der Passat Alltrack, eine höhergelegte, geländegängige Variante.

In der Werbung für den neuen Alltrack zeigt uns Volkswagen lauter Menschen, die sich im Auto umziehen. Sie tun das nicht, weil sie kein Zuhause haben. Sie kommen geradewegs aus der Natur, vom Strand oder aus dem Wald. Und sie wollen schnurstracks ins Büro. Raus aus den Sportklamotten, rein in den Bürodress. Ganz spontan. So geht das mit dem Alltrack. Das Auto bringt seinen Fahrer an die entlegensten Orte, und wenn es sein muss, rechtzeitig wieder zurück an den Arbeitsplatz. Das jedenfalls will uns die Reklame sagen.

Aber werden Büromenschen wirklich cool, nur weil sie eine um ein paar Zentimeter höher gelegten Kombi fahren?

Die Preise für den Alltrack beginnen bei 33.450 Euro. Zum Vergleich: den kleinsten Passat Variant gibt es schon für 25.800 Euro. Auf den ersten Blick unterscheidet sich der Alltrack gar nicht so sehr von seinem konventionellen Pendant. Etwas robuster wirkt er.

Das auffälligste Merkmal: größere Bodenfreiheit. Beim Alltrack sind 16,5 Zentimeter Platz unterm Bodenblech - drei mehr als beim normalen Modell. Das klingt nicht weltbewegend, wird aber optisch verstärkt durch wuchtigere Stoßfänger und weiter ausgestellte Kotflügel. Radkästen und Seitenschweller sind rundherum mit Plastik verkleidet - damit es nicht gleich Kratzer gibt, wenn das gute Stück mal abseits der Straße gefahren wird. Den Unterboden schützt ein Blech in Edelstahl-Optik.

Nicht so recht ins Bild passt die Front, genauer gesagt der wabenförmige Lufteinlass. Wo haben wir den schon mal gesehen? Richtig, bei Audi. Offensichtlich hat man sich an dieser Stelle im eigenen Konzern inspirieren. Es ist nur ein Detail, zeigt aber, dass der Alltrack zwar einerseits auf Offroad machen, anderseits aber nicht auf eine edle Anmutung verzichten will. So richtig entscheiden kann er sich nicht.

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  • "Nur der Winkel zum Automaten ist etwas ungünstig. Sie lösen den Anschnallgurt, um sich zum Ticketautomaten zu strecken." Sehr geil. Kein Kommentar. Dass die Funktion des Deaktivierens der Start-Stop-Automatk Sinn macht, ist ihnen wahrscheinlich während des Schreibens auch gekommen - sie wollten die Passage vermutlich nur nicht mehr entfernen.

    Ich liebe den wöchentlichen Test - Weiter so.

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