Platz da, jetzt komm ich!
Audi S6: Zu teuer, zu stark und viel zu durstig

Die Lust an der Leistung ist trotz Klimadebatte ungebrochen. Doch nicht jeder trägt sie offen zur Schau. Statt eines Sportwagens kaufen viele Besserverdiener potente Limousinen der Werkstuner, deren Kraft man erst auf den zweiten Blick sieht. Auf den Nachbarn wirken sie sozialverträglicher, und das eigene Gewissen beruhigen sie mit dem Argument, dass auch die Familie mitfahren kann.

dpa-infocom HAMBURG. Bei BMW ist das der M5, bei Mercedes der E 63 AMG und bei Audi der S6. Dieser Athlet im Anzug geht bei flüchtiger Betrachtung als gewöhnliches Familien- oder Firmenauto durch. Doch wer genau hinschaut, erkennt auf Anhieb den Sportler. Nicht umsonst blickt er mit seinem LED-Tagfahrlicht stechend in den Rückspiegel des Vordermanns und signalisiert unmissverständlich: „Platz da, jetzt komm ich!“ Zudem ist der Kühlergrill stärker betont, die Außenspiegel stecken in glänzend blanken Metallkappen, an der Gürtellinie prangen Seitenschweller, und wer vom S6 überholt wird, sieht einen kleinen Heckspoiler und die vier mächtigen Endrohre.

Auch innen haben die Bayern mit neuen Sportsitzen samt integrierten Kopfstützen, neuen Instrumenten und einer edleren Materialauswahl jene Distanz zur Serie geschaffen, die man bei einem Preisaufschlag von etwa 20 000 Euro erwarten darf. Doch auf Komfort muss deshalb niemand verzichten. Wo einem in echten Sportwagen bald der Rücken schmerzt, kann man auf den mit weichem Leder bezogenen Sesseln auch lange Autobahnetappen entspannt bewältigen.

Guter Kontakt zur Fahrbahn

Dazu passen auch Fahrwerk und Lenkung: Deutlich straffer abgestimmt als in der restlichen Baureihe vermitteln sie zwar stets einen sehr direkten Kontakt zur Fahrbahn, geben dem Fahrer eine zuverlässige Rückmeldung und erlauben eine präzise Spurführung. Doch spürt man nicht gleich jede Querfuge. Dafür wechselt die Tiptronic-Schaltung die Gänge etwas schneller. Der Quattro-Antrieb ist im Normalfall ein wenig hecklastig ausgelegt, so dass der S6 flotter um die Kurven fegt. Das ESP bremst den Spieltrieb bei Bedarf ein und stabilisiert den Wagen auf der Straße.

Im Zentrum der Kraft steht ein V10-Motor der Audi-Tochter Lamborghini, den die Ingolstädter gründlich überarbeitet haben. Mit Benzindirekteinspritzung bestückt und auf 5,2 Liter Hubraum erweitert, füllt er den knappen Platz unter der Haube wie ein trainierter Bizeps den Hemdsärmel. Zwar sinkt die Leistung um etwa 20 Prozent auf 320 kW/435 PS, aber auch das ist mehr als genug. Jedem sachten Tritt aufs Gaspedal folgt ein heftiger Tritt ins Kreuz, wenn der S6 wie vom Katapult geschossen voranstürmt.

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