Porsche 911 S 2.2 Targa
Der mit dem Silberkragen

Manchmal kann man seine Träume nachholen. Es dauert nur eben ein wenig länger. Jetzt, nach 50 Jahren, ist es soweit: Allein in einem Porsche 911 auf einer Landstraße.
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Fast 50 Jahre ist das nun her. Wir waren Jungs, wir standen um einen 911 und wir haben jede Menge Finger- und Nasenabdrücke auf den Seitenscheiben hinterlassen. Danach sind wir auf unseren Rädern nach Hause gefahren und haben uns vorgestellt wie sich das wohl anfühlt. Allein in einem Porsche 911 auf einer Landstraße. Jetzt, nach 50 Jahren, ist es soweit. Aus Phantasie wird Realität.

Ganz vorsichtig. Ganz behutsam. Die beiden Verriegelungen lösen, das Dachteil herausnehmen, zusammenklappen und unter der Fronthaube einlagern. Soweit war das schon mal in Ordnung. Der 911 S 2.2 Targa, Baujahr 1970 wohnt im Porsche Museum, manchmal wird er ausgeführt. Oldtimer-Rallyes mit Wertungsprüfungen sind seine Hauptbeschäftigung. Diesmal wird der Sportler ganz zivil im Stuttgarter Umfeld bewegt, ohne Zeitschlaufe oder Roadbook.

Der Bügel schimmert silbern. Und dann sind da noch die Felgen, Fuchsfelgen. Ohne die ist ein Urmodell nicht komplett. Urmodell, so heißt die erste Generation des Porsche 911. Am 12. September 1963 wurde der Nachfolger des Porsche 356 auf der IAA in Frankfurt präsentiert.

Ferdinand Alexander Porsche, genannt Butzi und Erwin Komenda haben ihn gezeichnet. Seine Hülle aus Stahlblech ist selbsttragend, der Motor sitzt hinter der Achse. Man kann aus diesem Porsche wunderbar hinausschauen und wenn man einen 356 daneben stellt, ist die Verwandtschaft nicht zu übersehen. Dies stand im Pflichtenheft und genau das wurde gebaut. Zunächst als 901 getauft, Peugeot hatte überzeugende Argumente gegen diese Bezeichnung und deshalb heißt der Porsche 911 oder einfach 911 oder ganz schlicht Elfer.

Unser Elfer für den Tag ist ein Sonnenschein. Das Museum hat geschlossen, die Schranke rechts neben dem Haupteingang hebt sich und der 46 Jahre alte Porsche rollt im ersten Gang zum Kreisverkehr. Dort beginnt die Tour.

Der erste Gang liegt Abseits, hinten links. Das Kupplungspedal sträubt sich nicht wirklich. Der Gegendruck ist auszuhalten, man rührt ein wenig. Zumindest am Anfang. Der 911 S 2.2 Targa hat eine mechanische Einspritzung, 180 PS, fünf Gänge, 15-Zoll-Räder und zwei obenliegende Nockenwellen. Mehr nicht und es reicht vollkommen aus. Heute nennt man das Klassik, damals nannte man das „Fahren in seiner schönsten Form“.

Den 2.2 würde man heute als Update des Urmodells bezeichnen. Die erste Reihe des 911 wurde mit zwei Litern Hubraum und 130 PS ausgeliefert. Der 911 S 2.2 ist da eine deutliche Spur stärker. Mehr Hubraum und höhere Verdichtung gleich mehr Leistung und auch mehr Drehmoment.

Dieser 911 ist schon im Stand eine Hommage an das Ursprüngliche, die Klarheit der Mechanik und die Kunst des Weglassens. Das Cockpit ist mit den fünf Uhren bestückt. In der Mitte der Drehzahlanzeiger, daneben der Tacho und ein paar Anzeigen für Öltemperatur, Öldruck, ganz rechts die Uhr und ganz links die Treibstoffanzeige.

Das winzige Radio spielt keine Rolle, die Sitze werden per Hebel entriegelt und dann nach hinten geschoben. Die Spiegel stellt man manuell ein. Die Kurbeln für die Türfenster werden später wichtig.

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Ein Gefühl echter Verbundenheit

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