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Porsche Boxster S: Der Porsche für mutige Männer

Der Porsche Boxster hat seinen Ruf weg – als Hausfrauen-Porsche. Mit der neuen Generation soll das alles anders werden. Breiter, länger, sportlicher ist er. Wie maskulin er sich wirklich fährt, klärt unser Test.

Optisch ist der neue Boxster maskuliner geworden – doch kann ihn auch ein Mann fahren? Quelle: Sebastian Schaal
Optisch ist der neue Boxster maskuliner geworden – doch kann ihn auch ein Mann fahren? Quelle: Sebastian Schaal

Düsseldorf„Warum denn den Frauen-Porsche?“ Diese Frage musste ich mir von Kollegen und Freunden erstaunlich oft anhören, als es um meinen neuen Testwagen ging. Ja, der Porsche Boxster und sein Ruf, oft als Wagen für die gut betuchte Hausfrau verspottet. Doch mit der neuesten Generation rückt der Mittelmotor-Sportwagen ein ganzes Stück näher an den 911er. Gilt das alte Klischee also noch? Oder ist der neue Boxster endlich ein Auto, dass auch ein Mann fahren kann?

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Auf den ersten Blick hat sich der Boxster anno 2012 von den rundlichen Formen seines Vorgängers größtenteils verabschiedet. Da der Wagen etwas breiter geworden ist und auch beim Radstand zugelegt hat, wirkt er mit den kurzen Überhängen richtig schön sportlich.

Stärken und Schwächen Der Boxster im Detail

  • Stärken und Schwächen: Der Boxster im Detail
  • Stärken und Schwächen: Der Boxster im Detail
  • Stärken und Schwächen: Der Boxster im Detail
  • Stärken und Schwächen: Der Boxster im Detail

Dass der Boxster keine Sänfte ist, zeigt sich auch beim Einsteigen. Die adaptiven Sportsitze lassen sich perfekt anpassen, kosten aber leider 3.600 Euro extra. Aufpreis-Phobiker sollten sich im Innenraum nicht allzu sehr umsehen - fast jedes Teil, das Spaß macht, kostet extra. Neben den bereits erwähnten Sportsitzen wären das unter anderem das Doppelkupplungsgetriebe (2.800 Euro), das Sport Chrono Paket - wichtig wegen der „Sport Plus“-Taste - für 1.600 Euro oder das Navi für 3.150 Euro.

Die entscheidenden Fragen zum Boxster S

  • Alltagstauglich?

    Ja. Das Fahrwerk hat ausreichend Restkomfort, mit dem Doppelkupplungsgetriebe lässt sich der Boxster für einen 315-PS-Roadster sparsam bewegen. Die beiden Ladeabteile fassen insgesamt 310 Liter - nur 40 Liter weniger als bei einem Golf. Damit sind die sachlichen Argumente abgedeckt. Dann kann die Landstraße kommen.

  • Das schönste Detail?

    Für den Puristen: das schnell öffnende Stoff-Verdeck. Für den Drehzahl-Junkie: die Sport-Plus-Taste. Für den Langstrecken-Fahrer: die hervorragenden Sitze.

  • Enttäuschend?

    Selbst gegen Aufpreis ist keine Rückfahr-Kamera erhältlich. Die könnte der Boxster mit seiner nach hinten unübersichtlichen Karosserie gut vertragen.

  • Ist er`s wert?

    Wer einen Roadster in dieser Preisklasse sucht, sollte auf jeden Fall einen Blick auf den Boxster S werfen. Der BMW Z4 sDrive 35is und der Audi TT RS sind stärker, haben aber keinen Mittelmotor. Und der hat bei der Gewichtsverteilung eindeutig Vorteile.

  • Sound?

    Er klingt ganz klar nach Porsche. Der Boxer-Sechszylinder hat seinen ganz eigenen Klang, vor allem bei hohen Drehzahlen. Eines muss hier auch erwähnt sein: Im „Normal“-Modus kuppelt das Getriebe aus, sobald man vom Gas geht. Dann sind bei 50 km/h die Windgeräusche lauter als der Motor, der im Leerlauf mit 700 Umdrehungen läuft.

  • Wie grün ist das Auto?

    Bei gleichmäßiger Geschwindigkeit auf der Autobahn ist ein Verbrauch von 7,4 Litern drin. Ansonsten waren es im Test 9,8 Liter – für einen Sportwagen mit 315 PS sehr gut. Wer allerdings das Drehzahlband regelmäßig ganz ausnutzt, kann noch einiges aufschlagen.

  • Vorbildlich?

    Mit den Verbrauchswerten zeigt Porsche, wie ein Sportwagen auch einigermaßen ökologisch vertretbar sein kann. Herausragend ist auch das Fahrwerk: Selbst in flott genommenen Kurven fährt der Boxster wie auf den sprichwörtlichen Schienen. Für den Alltag sind das gewaltige Sicherheitsreserven.

  • Was sagt der Nachbar?

    Sein Urteil fällt schnell: ein wunderschönes Auto. Nur würde er eine andere Farbe wählen – also wieder ein silbernes oder schwarzes Auto mehr auf dieser Welt.

  • Wer guckt?

    Mit dem „Racinggelb“ fällt unser Testwagen natürlich auf. Egal ob der Fahrer des Lieferwagens, der im Scherz an der Ampel zu einem kleinen Rennen auffordert, oder der Fahrer eines SLK auf dem Parkplatz: Man sollte schon den ein oder anderen Blick aushalten können. Kritische Kommentare gibt es wenige – die Faszination Porsche überwiegt.

  • Wie fährt er sich?

    Sehr leichtgängig, sehr sicher, sehr gut vorhersehbar. Auch nahe des Grenzbereiches wird der Mittelmotor-Sportler nicht zickig. Weil das Fahrwerk enorme Reserven hat, muss die Elektronik so gut wie nie eingreifen. Und wenn schon, dann auch zu Recht.

  • Wo gehört er hin?

    Der kompakte Boxster kommt auch in der Stadt gut zurecht, auch wenn er hierfür – freundlich ausgedrückt – übermotorisiert ist. Landstraßen und Autobahn sind da traditionell schon eher das Revier eines Porsche.

Selbst ein relativ unscheinbares Sport-Design-Lenkrad mit Alu-Optik statt schwarzem Kunststoff kostet mehr als 400 Euro. Ohne Multifunktionstasten. Dieses Lenkrad kostet nochmals einen Hunderter mehr.

Dazu kommen noch zunächst unsichtbare, aber für den Fahrspaß effektive Extras wie das Porsche Torque Vectoring, nochmals 1.300 Euro. Oder das einstellbare Fahrwerk PASM für 1.400 Euro. So lässt sich der Preis eines Boxster S mit 315 PS schnell von 59.000 Euro wie bei unserem Testwagen auf 86.000 Euro steigern. Spielereien wie die Keramik-Bremse für 7.300 Euro sind da noch nicht einmal angekreuzt.

Dieser Schriftzug wird von vielen 911er-Fahrern gerne belächelt. Doch auf der Landstraße sollten sie sich vor dem agilen Boxster in Acht nehmen. Quelle: Sebastian Schaal
Dieser Schriftzug wird von vielen 911er-Fahrern gerne belächelt. Doch auf der Landstraße sollten sie sich vor dem agilen Boxster in Acht nehmen. Quelle: Sebastian Schaal

Was aber auffällt: Die Verarbeitung im Innenraum ist im Gegensatz zu der des Vorgängers endlich der Preisklasse angemessen. Die Kunststoffe und das je nach gewählter Ausstattung großzügig verbaute Leder fassen sich sehr hochwertig an. Die Bedienung ist mit Ausnahme der Klimaanlage sehr gut.

Aber ist das alles sein Geld wert? Immerhin haben wir es ja laut der weit verbreiteten Meinung nicht mit einem echten Porsche zu tun - für Puristen zählt nur der 911er.

Ein Dreh am Zündschlüssel - bei den Stuttgartern gibt es keinen modernen Start-Knopf - und sofort ist das Porsche-Feeling da. Der 3,4 Liter große Boxermotor klingt im Stand fast wie sein großer Bruder. Nahe des Begrenzers bei 7.200 U/min ist der Motorensound im Boxster sogar präsenter als im 911. Klar, der Motor liegt direkt hinter dem Fahrer und wird nicht noch von zwei Notsitzen extra abgeschirmt.

Und er fährt auch fast so. Beim Spurt auf 100 km/h verliert der Boxster S auf das 350 PS starken 911 Carrera Cabrio gerade einmal 0,2 Sekunden. Den Unterschied merkt man in der Praxis nicht.

Wo sich der Boxster aber von dem über 40.000 Euro teureren Elfer ohne Dach abhebt, ist das Fahrwerk. Der allgemeine Trend, dass neue Autos immer größer und breiter werden, hat hier seine Vorteile. Dank breiterer Spur vorne und hinten und einem längeren Radstand liegt der Boxster richtig satt auf der Straße.

Die zweifarbig lackierten 20-Zoll-Räder kosten natürlich auch nochmals extra. Mehr als 2.000 Euro. Quelle: Sebastian Schaal
Die zweifarbig lackierten 20-Zoll-Räder kosten natürlich auch nochmals extra. Mehr als 2.000 Euro. Quelle: Sebastian Schaal

Übrigens: Dem Trend zu mehr Gewicht widersetzt sich der Porsche. Dank viel Aluminium und anderen intelligenten Lösungen - der Verzicht auf einen klassischen Verdeck-Kasten spart zum Beispiel zwölf Kilo - hat der intern 981 genannte Wagen sogar bis zu 30 Kilo abgespeckt.

Das alles spielt natürlich dem Fahrverhalten in die Karten - und wie. Als 2011 der neue 911 auf den Markt gekommen ist, kam er dem Boxster und seinem Schwestermodell Cayman in Sachen Agilität sehr nahe. Bis Porsche mit dem Boxster nachgelegt hat.

Das Fahrtenbuch

  • Erster Eintrag

    Auf dem Parkplatz für die Presse-Testwagen in Stuttgart-Zuffenhausen geht es recht eintönig zu. Der Großteil der Wagen ist schwarz, silber oder weiß lackiert. Mit zwei Ausnahmen: einem roten 911er und einem gelben Boxster. Da ich heute für den Boxster da bin, wird es wohl der Gelbe. Die Farbe polarisiert, ist aber eine willkommene Abwechslung.

  • Zweiter Eintrag

    Kurz danach die Begegnung mit einem SLK-Fahrer auf dem Supermarkt-Parkplatz. „Ist das schon der neue Boxster?“ „Ja.“ „Sehr schön. Wie viel PS hat der denn?“ „Keine Ahnung, ich habe ihn wegen der Farbe gekauft.“ Stille.

  • Dritter Eintrag

    An der Ampel rollt ein alter 7,5-Tonner neben mich. Der Fahrer fordert im Scherz ein kleines Rennen. Die Frage nach der Leistung beantworte ich dieses Mal wahrheitsgemäß. Die Zeit reicht nur noch für ein anerkennendes Nicken, denn die Ampel wird grün. Der Brummi-Fahrer ruft nur noch: „Bis zur nächsten Ampel!“ Und er hat Recht behalten. In der Stadt nützen auch 315 PS nichts.

  • Vierter Eintrag

    Heute habe ich den Wagen meiner Kollegin Jessica Springfeld überlassen. Das Ergebnis können Sie in unserem Test-Video "High Heels vs. Bleifuß" sehen. Ihre Meinung: Es sind mehr die Männer, die auf so einen Wagen achten, nicht die Frauen.

  • Fünfter Eintrag

    Auch auf der Autobahn macht das Auto einen sehr guten Eindruck. Er ist nicht zu hart und hat damit echte Langstrecken-Qualitäten. Und der Verbrauch ist bei gleichmäßiger Fahrt sehr angenehm niedrig.

  • 31.08.2013, 21:00 UhrAkuma_TDD1

    Joop. Mein Boxster S ist einfach nur Fett. Ich hab auch son Arme Leute Auto (75.000 €) Verdienen die meisten im halben Jahr :-). Achso ich hab übrigens das 911 s cabrio getestet. Ich erreiche nur die selben Werte von 0 auf 100 wie mit meinem. Frage wozu 50.000 € mehr ???

  • 24.08.2012, 23:43 UhrBlinse

    @911er und Ferrari
    Na da haben sich ja die 2 beiden richtigen getrefft : )

  • 24.08.2012, 02:15 Uhrwallibelli

    Als überzeugter Cayman S - Fahrer schicke ich Ihnen zwei
    Zitate von wirklichen Experten über das "Frauenauto mit festem Dach".

    Walter Röhrl, Porsches "Chefabstimmer" sagte anlässlich
    der Pressevorstellung im Sommer 2005 über den neuen Cayman S:
    "Das ist der Porsche zum Autofahren, aber wer kauft schon einen Porsche, um Auto zu fahren."
    Erschienen in der ÖS-Automobilrevue 8 oder 9/2005

    Und Gerd Hack (damaliger Cheftester der AMS) schloß seinen ausführlichen Testbericht über neuen Cayman S im Oktober 2005 mit dem Satz: " Für viele gilt er als Porsche für Arme, in Wahrheit ist er der Porsche für Kenner. "

    Boxster und Cayman haben vs. Carrera das modernere Technik-Konzept. Die Heck-Mittelmotor-Anordung in flacher Boxerauslegung ermöglicht einen optimalen, tief zentrierten Schwerpunkt. Zum Schutz der "Ikone" müssen deshalb die "jüngeren Wilden" immer einen gewissen Leistungsabstand einhalten.

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