„Precision Farming “
Mähdrescher und Traktoren ernten Daten

Auf dem Feld verläuft neuerdings alles in genau geordneten Bahnen: Ohne Eingreifen des Fahrers, ziehen Traktoren ihre Pflüge schnurgerade und weichen keine zwei Zentimeter mehr von der vorgegebenen Ackerlinie ab. Möglich macht diese automatisierte Maßarbeit eine Kombination aus GPS mit einem Referenzsender auf dem Hof. Das sogenannte „Precision Farming“ bietet einige Vorteile.

DÜSSELDORF. „Precision Framing stellt sicher, dass kein Saatgut, keine Düngemittel und keine Pestizide verschwendet werden“, sagt Ralf Kalmar, Geschäftsbereichsleiter am Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering in Kaiserslautern.

Nicht nur Landmaschinen, auch andere Nutzfahrzeuge wie Lastkraftwagen und Busse sind längst zu rollenden High-Tech-Geräten geworden. „In einem durchschnittlichen LKW arbeiten 30 bis 35 Steuergeräte“, sagt Hans Welfers, Leiter Elektronik-Entwicklung bei MAN Nutzfahrzeuge. „Das ist vergleichbar mit einem Mittelklasse-PKW.“

Bei der Entwicklung der Programme müssen die Hersteller allerdings auf hohe Effizienz achten – denn einerseits sind die verkauften Stückzahlen deutlich geringer als im PKW-Bereich, und andererseits gibt es bei den Nutzfahrzeugen eine höhere Variantenvielfalt.

Die Entwicklung der Software folgt klaren Vorgaben. Zu Beginn werden die Anforderungen an das Programm erfasst und präzise beschrieben. Nach einer Simulation des Verhaltens und ausgiebigen Tests auf dem Prüfstand übernimmt dann der Computer die eigentliche Programmierung. Experten nennen dieses Verfahren „Autocode-Generierung“. „Wir vermeiden möglichst menschliche Interaktion“, sagt Welfers. „Dadurch senken wir die Kosten und vermeiden Fehler.“

Auch beim Landmaschinenhersteller John Deere spielt die Effizienz der Softwareentwicklung eine große Rolle. „Unser Markt ist winzig im Vergleich zum PKW-Markt“, sagt Thomas Engel, Geschäftsführer bei John Deere in Zweibrücken. „Darum achten wir bei der Software auf einen modularen Aufbau, so dass wir Teile beispielsweise in unseren Traktoren und Mähdreschern verwenden können.“

Auf die Entwickler dürfte in Zukunft eine Menge Arbeit zukommen, denn Landmaschinen übernehmen immer mehr Aufgaben. So nutzen die Bauern sie zum Teil auch als rollende Datensammler, die protokollieren, wie ertragreich die Erde ist.

Damit die Programme den steigenden Anforderungen gerecht werden, wurde 2007 die Gemeinschaft „Digitale Nutzfahrzeugtechnologie“ gegründet, zu dem unter anderem zwei Fraunhofer-Institute sowie Industrieunternehmen gehören. Für den akademischen Nachwuchs sorgt die Technische Universität Kaiserslautern mit dem neuen Master-Studiengang „Commercial Vehicle Technology“. Ab dem Wintersemester lernen die Studenten darin, Informatik, Elektrotechnik und Maschinenbau integriert zu betrachten.

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