Prestige-Spektakel für Promis
„Mille Miglia“: Legendäre Rallye feiert 80. Geburtstag

dpa ROM. Tollkühne Männer, schnittige Sportwagen und schöne Landschaften: Das ist das Rezept der „Mille Miglia“, eines der berühmtesten Autorennen der Welt. Vom norditalienischen Brescia aus fahren die Teilnehmer in einer Art Schlaufe bis nach Rom und wieder zurück.

1 600 Kilometer lang ist die Strecke oder umgerechnet: 1 000 Meilen („Mille Miglia“). Die waghalsige Rallye quer durch Italien ist aber nicht nur dank herrlicher Flitzer und legendärer Namen wie Stirling Moss und Tazio Nuvolari in die Geschichte eingegangen, sondern auch durch katastrophale Unfälle, die im Laufe der Jahre rund zwei Dutzend Menschen das Leben gekostet haben. Mit der am Himmelfahrtstag startenden diesjährigen Edition feiert die Oldtimerwettfahrt mit großem Brimborium ihren 80. Geburtstag..

Es war der 26. März 1927. Viele Italiener waren noch mit Pferdekarren unterwegs, die Straßen waren holprig, Sicherheitsabsperrungen gab es nicht. Dennoch entschieden sich mehrere Adelige aus Brescia, ihre Stadt mit einem Autorennen ins Blicklicht Italiens zu rücken. 77 Teams begaben sich bei der ersten Ausgabe auf die Strecke, nur 55 schafften es bis zum Ziel. Die Sieger der ersten „Mille Miglia“ - Ferdinando Minoia und Giuseppe Morandi - gewannen in ihrem 2-Liter-OM-Sechszylinder in 21 Stunden und fünf Minuten: Dies entsprach einer für damalige Zeiten unvorstellbaren Durchschnittsgeschwindigkeit von 77,238 Kilometern pro Stunde.

In den Folgejahren feierte vor allem der Rennstall Alfa Romeo zahlreiche Erfolge bei der Rallye und mit ihm der „fliegende Mantuaner“ Tazio Nuvolari, der das Rennen gleich zwei Mal für sich entscheiden konnte (1930 und 1933). 1938 dann geschah das erste folgenschwere Unglück, bei dem zehn Menschen ums Leben kamen und viele verletzt wurden. Prompt verbot der damalige Machthaber Benito Mussolini Autorennen auf öffentlichen Straßen.

Doch die Rallye war nicht kleinzukriegen. Wenige Jahre später ging es wieder los, tollkühner und waghalsiger als je zuvor. Im Jahr 1954 konnte Alberto Ascari als erster Pilot ohne Beifahrer in seinem Lancia D24 den Sieg holen. Und nur ein Jahr später raste der damals erst 25-jährige Brite Stirling Moss mit der bis heute nicht übertroffenen Rekordzeit von zehn Stunden, sieben Minuten und 48 Sekunden ins Ziel - und ging damit in die Geschichte ein.

Das endgültige Aus als Autorennen ereilte die „Mille Miglia“ 1957 in dem Ort Guidizzolo in der Lombardei: Nachdem sich der Reifen eines Ferrari gelöst hatte, raste der Wagen in die Zuschauermenge. Bei dem tragischen Unfall kamen der spanische Ferrari-Pilot Alfonso de Portago, sein Beifahrer Edmund Nelson und zehn Zuschauer ums Leben, darunter fünf Kinder. Ferrari-Gründer Enzo Ferrari musste sich anschließend in einem mehrere Jahre dauernden Prozess vor Gericht verantworten.

Das daraufhin beschlossene strikte Verbot des Rennens hielt bis 1977, als die „Mille Miglia“ mit dem Namenszusatz „storica“ (historisch) als Oldtimerfahrt wieder auflebte. Seither orientiert sie sich an den Verläufen der früheren Rennen, aber aus der Hochgeschwindigkeitshatz ist eine Gleichmäßigkeitsrallye geworden. Und an den Start dürfen nur noch Modelle, die schon bei den Rennen zwischen 1927 und 1957 dabei waren.

Heute ist das verwegene Rennen zu einem Prestige-Spektakel für Promis und Millionäre geworden. Mittlerweile kurven die Teilnehmer in ihren teuren Schlitten in drei Tagesetappen durch Italien - aber der Mythos und Zauber der „Mille Miglia“ finden auch heute noch viele Anhänger. Unter anderem werden in diesem Jahr Altrocker Peter Kraus in einem Jaguar 100 aus dem Jahr 1936, Chopard-Präsident Karl-Friedrich Scheufele in einem Mercedes 300 SL von 1955 und Leopold Prinz von Bayern am Start sein. Und pünktlich zum runden Geburtstag hat auch der deutsche Filmemacher Philip Selkirk einen rund 90 Minuten langen Dokumentarfilm über die Geschichte der Rallye fertig gestellt. Titel des Epos: „Mille Miglia - Spirit of a Legend“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%