Test + Technik
Renault Grand Scénic: Platz für Sieben

Bei Minivans haben Langversionen eine noch kurze Tradition. Jüngstes Kind des wachsenden Größenkults ist der Renault Scénic mit Namenszusatz Grand. Grand steht für eine um 23 Zentimeter verlängerte Karosserie und fünf Zentimeter mehr Radstand.

dpa-infocom HAAR. Der so auf 4,49 Meter gewachsene Scénic bietet statt fünf nun sieben Sitzplätze und einen deutlich größeren Kofferraum. Der Aufpreis für das Plus an Scénic beträgt lediglich 1 200 Euro. Ob langes Elend oder großes Mirakel, erfahren Sie in unserem Fahrbericht mit dem 120 PS starken 1.9 dCi.

Mit aggressiv gezeichneten Scheinwerfern und dem eigenwillig geformten Heck mit Knick wirkt die zweite Scenic-Generation charaktervoll. Einen sehr positiven Eindruck hinterlässt auch der Innenraum. Das futuristisch und übersichtlich gestaltete Interieur wirkt dank geschmackvoll abgestimmter Beige- und Brauntöne warm und wohnlich. Materialanmutung und Verarbeitung in der Top-Ausstattung Privilège sind erstklassig.

Außerdem bietet der Grand insgesamt 19 große und kleine Staufächer mit zusammen 104 Litern Stauvolumen. Besonders groß ist die Box zwischen den Vordersitzen. Das um 30 Zentimeter in der Länge verschiebbare, so genannte Vario-Modul ist zudem als Mittelarmlehne nutzbar.

Im Kofferraumboden versteckt sich eine dritte Sitzreihe. Die zwei Minisitze lassen sich mit kurzem Handgriff einfach aufrichten. Dann findet theoretisch eine Großfamilie im Van Platz. In der zweiten Reihe sitzt man jedoch zu dritt bereits etwas beengt. Extrem knapp ist das Platzangebot in Reihe drei. Selbst kleine Kinder benötigen noch ein Mindestmaß an Kniefreiheit, welches wiederum den Passagieren in der mittleren Sitzbank genommen wird. Die Sitzkonfiguration "fünf plus zwei" eignet sich nur für Kurzstrecken.

Riesengroß, variabel und flexibel

Sehr üppig ist der Kofferraum des Grand. Selbst mit sieben Sitzen passen noch 200 Liter Gepäck hinein. Mit fünf Sitzen bleibt Platz für 550 bis 605 Liter Gepäck. Mit ausgebauter zweiter Sitzreihe werden daraus sogar bis zu 2015 Liter. Und mit umgeklappter Lehne des Beifahrersitzes kann man im Grand Scénic Gegenstände bis 2,75 Meter Länge transportieren. Der Innenraum ist also höchstvariabel, recht flexibel und vielseitig nutzbar.

Ansonsten begeistert der Scénic mit einigen attraktiven Komfort- Lösungen. Nicht einzigartig aber noch selten ist das serienmäßige Schlüssellos-System. Hier ersetzt eine Chipkarte den Schlüssel. Der Chip kann in der Hosentasche bleiben, während die Entriegelung automatisch erfolgt. Der Fahrer braucht den Wagen einfach nur öffnen und den Motor per Knopfdruck starten. Bedingt empfehlenswert ist hingegen das 1 080 Euro teure Navigationsgerät 5 000 unseres Testwagens. Der Prozessor rechnet langsam, es gibt nur ein CD-Laufwerk, wahlweise für den Audio- oder Navigationsbetrieb.

Der 120 PS starke 1,9 dCi gehört hingegen zu den besten Dieseln seiner Hubraumklasse. Mit noch dezenter Akustik überzeugt er mit sattem Durchzug aus dem Drehzahlkeller. Zwar nervt zunächst das unvermeidliche Turboloch. Doch bereits bei knapp über 1 500 Umdrehungen geht der Selbstzünder ordentlich zur Sache. Das Maximaldrehmoment von immerhin 300 Newtonmetern steht bei 2000 Umdrehungen zur Verfügung. Mit dieser Kraft aus dem Drehzahlkeller ist der 100-km/h-Sprint nach 12,7 Sekunden beendet. Hilfreich ist dabei die bemerkenswert gut abgestimmte Sechsgang-Schaltung mit einem hervorragend positionierten Schalthebel.

Schnell und sparsam

Bei schneller Fahrt bleibt der Motor dank lang übersetzter sechster Gangstufe und guter Isloierung akustisch im Hintergrund. Dafür nehmen die Windgeräusche deutlich zu, werden aber keineswegs übertrieben laut. Die Höchstgeschwindigkeit wird von Renault mit 188 km/h angegeben. Der Digitaltacho in den mittig platzierten Armaturen zeigte bergab und mit Rückenwind sogar 210 km/h an. Auf unseren Testfahrten lag der Spritkonsum zwischen sieben und maximal neun Litern auf meist sehr schnell gefahrenen Etappen. Insgesamt überzeugt der Motor mit guten Fahrleistungen bei noch geringem Verbrauch und hoher Kultiviertheit. Was dem 1.9 dCi jedoch fehlen, sind eine Euro- 4-Zertifizierung und ein Rußpartikelfilter.

Das stramme Fahrwerk des Scénic ist für einen Franzosen eher untypisch. Und trotz des sehr sicheren Fahrgefühls in Kurven bietet der Minivan ein hohes Komfortniveau. Selbst mit dem schweren Diesel sind Untersteuerungstendenzen und Wankbewegungen kaum spürbar. Die Bremsen können richtig gut zupacken. ESP und Antriebsschlupfregelung sorgen zusätzlich für sicheres Vorankommen. Ein sicheres Gefühl vermittelt die elektrohydraulische Servolenkung, die sich leichtgängig und bei hoher Geschwindigkeit sehr präzise anfühlt.

Fazit: Ein großzügiger Fünfsitzer, ein beengter Siebensitzer

Für den Grand Scénic 1.9 dCi werden in der von uns getesteten Top- Ausstattung Privilège 26 200 Euro fällig. Das sind 1 200 Euro mehr als in der vergleichbaren Kurzversion. Wer Wert auf zwei zusätzliche Notsitze und einen größeren Kofferraum legt, für den lohnt sich die Mehrinvestition allemal. Auch im Vergleich mit vielen Konkurrenten ist der Grand Scénic ein interessantes Angebot. Die Serienausstattung ist bereits sehr umfangreich und beinhaltet viele attraktive Extras und Sicherheitsfeatures. Weniger empfehlenswert ist hingegen das Navigationssystem 5 000 mit einem zu langsamen Prozessor und einem überalteten CD-Laufwerk.

Begeistern kann dafür der Dieselmotor 1.9 dCi: Sein kultiviertes, kraftvolles und sparsames Naturell verträgt sich sehr gut mit dem straffen und sicheren Fahrverhalten des langen Minivans. Dem Antrieb fehlen nur die Euro-4-Norm und ein Rußpartikelfilter.

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