Renault Race Truck
Ein eiliger Elefant geht auf Tuchfühlung

Von wegen lahmer Elefant: Wenn Markus Oestreich seinen Renault Race Truck beim Truck-Grand-Prix über den Nürburgring prügelt, dürften sogar eingefleischte Sportwagenfahrer blass werden.
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BerlinWenn Markus Oestreich die üblichen Vorurteile über Lastwagen hört, kann er nur lachen. Dass sich Trucks bei leidigen Elefantenrennen auf der Autobahn im Kriechgang eine Steigung hinauf quälen - das mag stimmen. Aber Oestreichs Laster ist anders. Ganz anders. Denn der Hesse ist Rennfahrer im europäischen Truck-Grand-Prix., der vom 8. bis 10. Juli 2011 auch in der Eifel gastiert. Er sitzt seit fast 20 Jahren am Steuer eines Lastwagens, der die Elefantenrennen im Eiltempo für sich entscheiden könnte. Beim Truck-Grand-Prix auf dem Nürburgring nimmt er in seinen vom tschechischen Rennstall MKR eingesetzten Renault Premium Platz.

Schneller als mancher Sportwagen

Obwohl der Truck 5,5 Tonnen schwer ist, beschleunigt sein 2,6 Meter hohes Gebirge aus Stahl in 2,8 Sekunden von Null auf Tempo 100. Er könnte rein theoretisch eine Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h erreichen. Allerdings gibt es für den Motor ein paar technische Einschränkungen im Reglement. Und mit Rücksicht auf die Strecken ist das Tempo auf 160 km/h limitiert.

Um den Truck so flott zu machen, muss Konstrukteur Mario Kress tief in die Trickkiste greifen. "Eigentlich dürfen wir nur Serienteile verwenden. Aber natürlich gibt es da einen gewissen Interpretationsspielraum", sagt der oberste Techniker im Team mit einem verschmitzen Grinsen. So hat er die Leistung des 12,8 Liter großen Diesels von 500 auf gewaltige 1.140 PS gesteigert und könnte ohne den vorgeschriebenen Luftmassenbegrenzer sogar bis zu 1.700 Pferdestärken aus dem Sechszylinder holen.

Schon diese Zahl lässt selbst den 1.001 PS starken Bugatti Veyron blass aussehen. Doch noch imposanter ist das maximale Drehmoment: Wenn Oestreich Gas gibt, reißt der Race Truck mit mehr als 6.000 Newtonmetern am Asphalt. Zum Vergleich: Ein normaler VW Golf erreicht nicht einmal ein Zwanzigstel dieser Anzugskraft.

Bremsen brauchen Wasserkühlung

Nicht nur für die Beschleunigung ist ein immenser Aufwand nötig, sondern auch für die Bremsen. Weil Bremsscheiben aus Keramik nie auf die richtige Temperatur kämen und konventionelle Technik nach wenigen Runden verglüht wäre, fahren die Race Trucks mit einer Wasserkühlung. Bei jedem Bremsmanöver spritzen deshalb zahlreiche Düsen einen feinen Wassernebel auf Scheiben und Beläge. So wird die Temperatur gesenkt. Deshalb braucht Oestreichs Truck bei den etwa halbstündigen Rennen nicht nur 120 Liter Biodiesel, sondern auch bis zu 280 Liter Wasser.

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