Renault und Peugeot
Frühstart mit Elektroautos

Auf dem Pariser Automobilsalon beziffern einige Hersteller erstmals, was die Kleinwagen mit Batterieantrieb in Zukunft konkret kosten werden. Vor allem die Batterien gehen ins Geld, ohne die bei den Stromern nichts läuft.
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PARIS. Carlos Ghosn hat die Präsentation zur Chefsache gemacht. Höchstpersönlich fuhr der Boss von Renault und Nissan Journalisten in einem neuen Elektroauto durch Paris. Botschaft: E-Autos des Konzerns sind startklar.

Vor allem die französische Autoindustrie bläst zur Elektro-Offensive. Renault-Nissan und Peugeot-Citroën mit seinem japanischen Partner Mitsubishi werden noch dieses Jahr Wagen mit Stromantrieb in Serie bringen, als Erste in Europa. Doch die Konkurrenz gibt sich skeptisch: „In den nächsten zwei Jahren wird das Elektroauto kein großer Markt sein“, sagte Daimler-Boss Dieter Zetsche in Paris. Noch seien die Fahrzeuge zu teuer. Und Toyotas Europapräsident Didier Leroy lästert: „Die Franzosen machen viel Lärm, aber warten wir die Realität ab.“

In Paris beziffern einige Hersteller erstmals, was die Kleinwagen mit Batterieantrieb in Zukunft konkret kosten werden. Vor allem die Batterien gehen ins Geld, ohne die bei den Stromern nichts läuft. So verlangt Mitsubishi für sein Modell I-MieV in Japan einen Preis von umgerechnet 34 000 Euro. Auch Opel sieht den Preis für seinen Ampera auf dem Niveau eines gut ausgestatteten Zafira-Diesels mit Automatikgetriebe, also rund 35 000 Euro.

Da der Festpreis wenig attraktiv ist, setzen die französischen Hersteller auf andere Konzepte. Peugeot wird Elektroautos über das Mobilitätsangebot Mu verleihen und bietet das Auto zunächst nur als Leasingwagen an – zu einer Monatsrate von 499 Euro. Auch Renault will die teure Batterie nur verleasen, um den Fluence ZA für 21 300 Euros anbieten zu können.

Im Gegensatz zu den deutschen Herstellern können die Franzosen dabei auf den Rückhalt der Regierung setzen. Staatspräsident Nicolas Sarkozy versüßt den Umstieg mit einer Förderung von 5000 Euro pro Auto. Im Frühjahr bestellte eine Gruppe von 20 Unternehmen gleich 50 000 Fahrzeuge.

Es geht bald Schlag auf Schlag

Doch Stefan Bratzel von der Fachhochschule Bergisch Gladbach sieht im Vorsprung des Nachbarn nicht nur Nachteile für Deutschland. Von den Problemen der anderen zu lernen, sei auch eine erfolgversprechende Strategie. Noch sei der Rückstand aufholbar, da die Entwicklung nicht in den nächsten zwei bis drei Jahren entschieden werde.

Von einem Massenphänomen sind die Elektroautos schließlich noch weit entfernt. Eine Zahl sagt dabei alles: Unter den rund 3,8 Mio. Neuzulassungen in Deutschland 2009 waren genau 162 Stromer. Dennoch setzt Renault alles auf eine Karte und will als einziger Hersteller die Hybridtechnologie einfach überspringen. „Wir hoffen, schnell mit Elektroautos Geld zu verdienen“, betont Patrick Pelata, der die operativen Geschäfte von Renault führt. Bis Ende 2012 sollen bereits vier Modelle auf dem Markt sein. Konzernchef Ghosn glaubt, dass Stromautos im Jahr 2020 einen Anteil von zehn Prozent aller verkauften Neuwagen haben werden. Philippe Varin, Vorstandschef des Konkurrenten PSA Peugeot Citroën, ist da vorsichtiger, er rechnet eher mit fünf Prozent.

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  • Der zukünftige Marktführer Renault-Nissan hat die denkbar beste Position auf dem Markt.
    ihm fließen Aufträge (better Place, EDF, usw.) ideen, Mitarbeiter, Kapital, Lieferantenzugeständnisse, Kooperationsangebote eher zu als den weniger innovativen Konkurrenten. Der innovative genießt Anerkennung, Popularität, die Gunst der Strombranche, der Stadtwerke, den Anbietern von Mobilitäslösungen während der Zauderer nicht mehr beachtet wird.

  • "...Für Peter bosch von der Unternehmensberatung Oliver Wyman kommt der Hype ums Elektroauto in Paris verfrüht..."
    Dieser Mann hat scheinbar hellseherische Fähigkeiten. ich frage mich warum er sich noch bei einer Unternehmensberatung verdingen muß. Mit einer solchen Weitsicht hätte er auch voraussehen müssen, dass Apple mit dem iPhone und dem iPad innerhalb von wenigen Jahren einen spektakulären Erfolg haben wird.
    ich vertraue daher mehr auf die Einschätzung von Carlos Ghosn, dass die Elektromobile sehr viel schneller von den Verbrauchern angenommen werden, als viele momentan für möglich halten (oder haben wollen). Warten wir es ab...

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