Richtig gemütlich wurde es erst im Topmodell
30 Jahre Ford Fiesta

Ob es etwas mit Rex Gildo zu tun hat? Auf jeden Fall dürften die ersten Ideen für die Namensgebung in der Zeit entstanden sein, als aus nahezu allen Radio- und Fernsehgeräten regelmäßig Gildos Schlager-Kracher von 1972 schallte - „Fiesta Mexicana“.

HB KÖLN. Vielleicht war es wirklich die Feierlaune, die zur Folge hatte, dass der Neue den spanischen Begriff für das Wort Fest als Namen erhielt - Fiesta. Am Anfang stand jedoch kein Fest, sondern eine Lücke im Modellprogramm des Weltkonzerns: Ein richtiger Kleinwagen modernen Zuschnitts fehlte. Ende der sechziger Jahre machte sich ein Ford-Team an die Arbeit. Es wurde über Heck- und Frontantrieb diskutiert, jedes Wenn und Aber besprochen. Am Ende entschied sich die Arbeitsgruppe für ein Gesamtpaket, wie es bis heute in dieser Fahrzeugklasse Standard ist: kurz gesagt einen Kleinwagen mit Frontantrieb.

In der Gerüchteküche der Fachpresse wurde zwar schon lange vor der endgültigen Vorstellung des Autos über einen neuen Kleinwagen von Ford spekuliert - vermutet wurde, dass der den Namen Bobcat bekommen sollte. Am 18. Dezember 1975 erklärte Firmen-Chef Henry Ford II, dass es in der Modellfamilie künftig einen neuen Namen geben würde, Fiesta sollte der neue Kleinwagen nun offiziell heißen.

Als der Wagen dann im Sommer 1976 zu haben war, dürfte kaum ein Interessent geahnt haben, wie viele Ideen, Mühen und auch Investitionen damit verbunden waren. Die Entwicklung kostete 112 Mill. Mark. Wer den Wagen näher inspizierte, wird selten die vielen kleinen Details entdeckt haben, die sich in der Gesamtkonstruktion verbargen. Zum Beispiel das Kühlergrill mit Tragflächenprinzip - verantwortlich für den niedrigen Luftwiderstand.

Wie bei allen anderen Herstellern bildete den Einstieg in die Fiesta-Welt ein recht karg ausgestattetes Basismodell - auch wenn hervorgehoben wurde, dass es Ausstattungsdetails wie eine beheizbare Heckscheibe und Automatik-Sicherheitsgurte vorn ab Werk gab. Mit der nächsten Ausstattungsstufe „L“ zog dann ein wenig Wohnlichkeit ein - wobei „L“ nicht wirklich Luxus bedeutete. Immerhin gab es aber auf dem Boden einen Teppich, die Sitze hatten bessere Bezüge, und die Rückenlehne des Beifahrersitzes ließ sich verstellen.

Richtig gemütlich wurde es erst im Topmodell, das seinerzeit bei Ford in allen Modellfamilien als „Ghia“ firmierte. Hier nahmen die Insassen auf Kaschmirbezügen Platz, blickten auf Dekor mit Holzmaserung und konnten sich sogar über eine Intervallschaltung für den Scheibenwischer freuen. Bei den Motoren konnte zunächst zwischen 40, 45 und 53 PS gewählt werden - später gab es auch sportliche Ausführungen des ersten Fiesta mit bis zu 84 PS.

Schnell zeigte sich, dass sich die Mühen und Investitionen für Ford gelohnt hatten - der Fiesta war nicht mehr nur Hoffnungsträger, sondern bald schon echtes Erfolgsmodell. Bereits im Januar 1979 konnte man eine Gesamtproduktionszahl von einer Million Exemplaren des Kleinwagens vermelden, und heute ist der einstige Neuling nach diversen Modellwechseln immer noch eine feste Größe im Ford-Programm.

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