Roboterautos
Herausforderung Fußgänger und Radler

Autos, die ganz von alleine fahren, sind keine reine Science Fiction mehr. Autokonzerne arbeiten seit Jahren an solchen Technologien. Jetzt ist bekannt geworden, dass auch der Internet-Riese Google derartige Pläne schmiedet. Das wirft auch rechtliche Fragen auf.
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HB DÜSSELDORF. Deutsche und amerikanische Forscher testen zurzeit intensiv von Computern gesteuerte Roboterautos, die ohne aktiven Fahrer untwegs sind. Zwar wird es nach Einschätzung der beteiligten Google-Ingenieure noch mindestens acht Jahre dauern, bis solche Autos mit Autopilot marktreif sein können, wie die New York Times kürzlich berichtete. Bis dahin muss die Technik noch reifen, aber auch das Regelwerk zum Straßenverkehr ist auf solche Technologie überhaupt nicht vorbereitet.

Wer ist zum Beispiel verantwortlich, wenn es zu einem Unfall kommt, während der Roboter fährt? Der Besitzer des Fahrzeugs oder der Hersteller der Computer-Software? Eventuell sogar der Programmierer? Der Insasse, Fahrer ist er ja keiner mehr, macht ja nichts, mag der Laie denken. Braucht man in ferner Zukunft vielleicht sogar keine Fahrerlaubnis mehr, wenn man nicht mehr selber fährt?

Es bleibt bei der Haftung des Fahrers

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV) schiebt solchen Gedankenspielen schnell einen Riegel vor: "Bislang haftet gemäß der international geltenden Vorgaben des Wiener Abkommens von 1968 (Verlinkung folgt) der Fahrer des Fahrzeugs, und das wird auf absehbare Zeit auch so bleiben."

Die heutige Straßenverkehrsordnung sowie die derzeitigen Haftungsregeln, so erläutert der Experte aus Berlin, gingen davon aus, dass letztlich ein Mensch die "Souveränität des Fahrens" ausübt. Auch die Google-Tests waren nur möglich, weil am Steuer Menschen saßen, die jederzeit manuell in das Geschehen hätten eingreifen können.

Wir brauchen also im Moment kein neues Verkehrsrecht, selbst wenn der Computer mehr übernimmt als nur den Rückwärts-Einparkvorgang oder die automatische Vollbremsung. Beides wird jetzt schon in aktuellen Modellen angeboten.

Verlagerung zur Produkthaftung?

Die Versicherungswirtschaft gehe davon aus, sagt Brockmann, dass der Fahrer mittels einer körperlichen Berührung die letztlich handelnde Instanz darstellt: Er betätigt das Bremspedal, er lenkt, er setzt den Blinker. Und ist damit im rechtlichen Sinne für die fahrtechnischen Folgen verantwortlich. Assistenzsysteme seien also unproblematisch, solange der Fahrer noch eine realistische Chance habe, das System zu übersteuern oder der Systemeingriff, beispielsweise kurz vor einer nicht mehr vermeidbaren Kollision, den Fahrerwillen eindeutig widerspiegelt. .

Bei der Unfallforschung der Versicherer sieht man eine eventuelle Marktreife von autonomen Fahrzeugen zwar in noch weiterer Ferne als die von Google genannten acht Jahre. Aber schon jetzt, so sagt Brockmann, würden die von Forschern und Herstellern gezeigten Entwicklungen eine mögliche Verlagerung von Haftungsfragen andeuten, da sie darauf abzielen, den Fahrer aus dem Regelkreis auszuschließen.



Der Unfallexperte sieht die wichtigsten noch zu lösenden Probleme des autonomen Fahrens trotz immer besserer Technik im menschlichen Faktor: "Das Problem ist gar nicht die Verständigung der Autos untereinander, sagt Brockmann. "Die schwierigste Aufgabe sind Radfahrer und Fußgänger im Straßenverkehr." Deren Bewegungen und spontanen Richtungsänderungen könnten die bisherigen Systeme nur schwer antizipieren, noch seien sie überfordert mit einem Zweirad auf Schlingerkurs oder Fußgängern, die beim Überqueren der Straße plötzlich umdrehen.

Links zu Thema:

Unfallforschung der Versicherer: www.udv.de

Wiener Abkommen:

Erläuterung: http://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Stra%C3%9Fenverkehrskonvention

und Originaltext: http://www.unece.org/trans/conventn/crt1968e.pdf

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