Saab und E-Mobil Think
Kein Platz in der Nische?

Die Autobranche steuert auf ein neues Rekordjahr zu – Saab und das E-Mobil "Think" stehen trotzdem vor dem Aus. Eine kritische Bestandsaufnahme von DIETMAR H. LAMPARTER.
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HamburgErst hielten Lieferanten ihre Teile zurück, weil ihre Rechnungen nicht bezahlt wurden. Wochenlang standen die Bänder bei Saab im schwedischen Trollhättan still. Investoren aus China und Russland sollten aus der finanziellen Klemme helfen. Dann war Ende vergangener Woche kein Geld mehr da, um die Löhne zu bezahlen. Die Pleite schien unausweichlich. Nun keimt wieder Hoffnung auf, weil ein chinesischer Kunde angeblich gut 500 Autos im Voraus bezahlt, damit genügend Geld für die Löhne der 3.500 Mitarbeiter da ist. Aber wie lange funktioniert so etwas?

Ebenfalls vergangene Woche meldete der norwegische Elektroautopionier Think Global Insolvenz an. Think ist einer der wenigen Produzenten eines alltagstauglichen batteriebetriebenen Stadtautos. Während große Konzerne wie Volkswagen oder Toyota immer noch E-Autos testen, konnte man den Think schon lange kaufen. Mehrfach standen die Norweger schon am finanziellen Abgrund. Jetzt ging auch hier wieder das Geld aus.

Derweil boomt das Autogeschäft. Der weltweite Absatz 2011 könnte sogar das bisherige Rekordjahr 2007 übertreffen. Für die Folgejahre wird weiteres Wachstum prophezeit. Dem Mobilitätsbedürfnis von Menschen in Ländern wie China, Indien, Brasilien, der Türkei oder Russland ist das zu verdanken.

Warum aber hat Saab, warum hat Think da offenbar keinen Platz?

So breit und neu wie gegenwärtig war die Saab-Modellpalette in der Geschichte der Marke noch nie. Im Jahr 1947 begann der gleichnamige Flugzeug- und Rüstungskonzern auch Autos zu bauen. Eine besonders aerodynamische Form hob die Autos aus Schweden von anderen Fabrikaten ab. Bald erregten die Originale aus Schweden auch in anderen Märkten Interesse. Einen Saab zu fahren galt immer als etwas Besonderes.

Mit kräftigen Turbomotoren konnte man auch unter der Haube etwas anderes bieten. In Deutschland standen in den achtziger und neunziger Jahren vor allem Werber, Zahnärzte und Architekten auf das Schwedenauto, in Kalifornien hoben sich Intellektuelle mit ihrem Saab gerne von der Masse ab. Das weltweite Potenzial schien längst nicht ausgeschöpft.

Saab war nicht mehr origineller als BMW, Audi oder Mercedes

Dann, im Jahr 1990, beschlossen die Bosse des Weltmarktführers General Motors (GM), ebendieses Potenzial der Schwedenmarke zu heben. Sie kauften die Hälfte der Saab-Anteile. Der Absatz stieg aber längst nicht so stark wie erhofft. Im Jahr 2000 übernahm GM dann die Anteile komplett, mit Technik von anderen Konzernmarken wie Opel sollte Saab Kosten sparen. Die Modellpalette vergrößerte sich im Laufe der Jahre: Zum klassischen Mittelklasse-Saab (heute: Modell 9-3), der auch traditionell als Cabrio zu haben ist, kam der größere 9-5 hinzu, zudem spendierte GM auch noch einen SUV. In Spitzenjahren wurden um die 100.000 Saab verkauft. Doch eines gelang den vielen von Amerikanern entsandten Saab-Chefs nie: nachhaltig mit der Marke Geld zu verdienen.

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Wo bleibt das Vertrauen in die Marke?

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