Selbstverpflichtung der Industrie zum Klimaschutz war ein Fehlschlag
Spritschlucker bringen Autobauer in Erklärungsnot

Manager der deutschen Automobilindustrie müssen sich in diesen Tagen einiges anhören. Von allen Seiten hagelt es Vorwürfe, die Branche unternehme nicht genug, um den Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid (CO2) zu verringern.

DÜSSELDORF. Dabei hatte man sich gemeinsam mit dem europäischen Automobilverband (ACEA) in einer Selbstverpflichtung einiges vorgenommen: Auf durchschnittlich noch 140 Gramm pro gefahrenen Kilometer sollten die Emissionen bis 2008 gesenkt werden. Es scheint jedoch sicher, dass die deutschen Unternehmen dieses selbst formulierte Ziel nicht erreichen werden, während Fiat, Citroën, Renault und Ford die Selbstverpflichtung erfüllt haben.

Die Umweltorganisation BUND nennt in einer Studie fünf Gründe dafür: Erstens werde verstärkt Dieseltechnik eingesetzt, um schwere Luxus- und Spaßautos anzutreiben, zweitens nehme das Leergewicht der Fahrzeuge seit 2001 stetig zu (bei VW und Audi um 130 Kilo und bei Porsche um 300 Kilo), drittens werde auch die Motorleistung ständig erhört, viertens gehe der Trend zu groß dimensionierten Dienstwagen – und nicht zuletzt hätten vor allem die Firmen VW und Audi seit 2001 einen besonders negativen Emissionstrend zu vermelden. Dies alles sei umso bedeutsamer als die deutschen Neuwagen in Europa immerhin rund ein Viertel der Emissionen ausmachen.

Besonders hart geht deshalb die Deutsche Umwelthilfe (DUH) mit den deutschen Autobauern ins Gericht. „Ignorant“ nennt deren Chef Jürgen Resch das Verhalten des Firmen. Beim Genfer Autosalon im März habe Daimler-Chrysler stolz seinen SLR mit 626 PS präsentiert, der in der Spitze 334 Stundenkilometer fährt, dabei im Schnitt 14,5 Liter Sprit verbraucht und 348 Gramm CO2 pro Kilometer in die Luft bläst. „Das ist eine Kriegserklärung an den Klimaschutz“, findet Resch. Genauso wie der Porsche Cayenne. Auch VW und BMW bauten Autos mit einer Motorleistung, die so groß ist, dass sie bei der Formel 1 nicht zugelassen würden. „Doch auf den Straßen sollen sie fahren“, empört sich der Umweltschützer und fragt sich, wofür die Autoindustrie ihre Kunden gewinnen wolle, wenn der VW-Chef Martin Winterkorn den neuen Audi R8 mit einer Spitzenleistung von 301 Stundenkilometern als „Auto zum Brötchenholen“ bezeichne. Aus dem Bau kleiner, sparsamer Modelle habe man sich dagegen zurückgezogen.

Was die Selbstverpflichtung des ACEA von 1998 angeht, sieht sich VW dagegen auf einem guten Weg: „Insgesamt 32 Modelle des Konzerns erzeugen bereits heute 140 Gramm oder weniger CO2. Deutschlands meistgekauftes Auto, der Golf 1,9l TDI, erreicht einen CO2-Wert von 132 Gramm“, teilt das Unternehmen mit. Mit den aktuellen „Blue-Motion-Modellen“ setze Volkswagen in weiteren Fahrzeugklassen Maßstäbe: „Der Passat Blue-Motion hat einen CO2-Wert von 136 Gramm, der Polo Blue-Motion von nur 102 Gramm.“ Die Gewichtszunahme von Fahrzeugen, so VW, sei auch auf gesetzliche Regelungen wie Fußgängerschutz und aufwendigere Abgasnachbehandlungssysteme zurückzuführen. Außerdem verlangten die Kunden vermehrt größere und besser ausgestattete Fahrzeuge – mit Klimaanlage und elektrischen Sitzverstellungen.

Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) schiebt den Schwarzen Peter beiseite: Nach seinen Zahlen liegen die deutschen Autofirmen im internationalen Vergleich bei den CO2-Emissionen gar nicht so schlecht. Von 1998 bis 2005 habe man schon 12 Prozent einsparen können und jedes zweite verkaufte Auto verbrauche weniger als 6,5 Liter.

Alles nicht genug, meinen die Klimaschützer und fordern ein Tempolimit sowie eine CO2-basierte KFZ-Steuer, die Sparanreize setze. Außerdem sollten die Steuervergünstigungen für Dienstwagen abgeschafft werden, denn 85 Prozent aller großen Autos seien Firmenwagen. Die Autoindustrie solle sich auch um Hybridtechnik bemühen, und den Japanern das Feld nicht alleine überlassen.

Die EU will nun wohl den Druck erhöhen und plant einen CO2-Grenzwert von 130 Gramm. Die Bundesregierung will eine CO2-Steuer für Neuwagen einführen und zahlt für Dienstfahrten eine Klimaabgabe – rund drei bis vier Mill. Euro im Jahr.

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