Sensor-Chip misst Luftdruck und Temperatur und fordert zum Reifenwechsel auf
Intelligente Reifen machen Autos sicherer

Die Reifendruck-Überwachung im Auto hat Hochkonjunktur. Immer mehr PKW-Hersteller rüsten ihre Modelle mit einem Kontrollsystem aus, um Reifenpannen und Unfällen vorzubeugen.

DÜSSELDORF. Der Automobilzulieferer Siemens VDO und Reifenhersteller Goodyear haben ein Reifendruck-Kontrollsystem für PKW und LKW entwickelt, mit dem nicht nur vor einem zu geringem Luftdruck in den Reifen gewarnt wird, zusätzlich gespeicherte Informationen über den Reifen könnten dazu beitragen, dass die elektronischen Fahrwerkregelsysteme weiter optimiert werden.

Bei dem "Tire IQ System" befinden sich der Sensor - ein winziger Chip - sowie eine Antenne direkt im Reifenmaterial. Über einen Funkempfänger in den Radkästen gelangen die Messdaten in ein Steuergerät oder direkt ins Datennetz des Fahrzeugs. Da die Sensorik fester Bestandteil des Reifens ist, lassen sich zusätzlich Kenndaten speichern - zum Beispiel, ob es sich um einen Sommer- oder Winterreifen handelt - und zusätzlich als Information an die Fahrzeugelektronik senden.

Mit einer spezielle Auswertungssoftware, die den Beladungszustand, die Reifen- und Außentemperatur und die Geschwindigkeit des Fahrzeugs berücksichtigt, könnten dann die Fahrwerkregelsysteme wie das Anti-Blockiersystem (ABS), elektronische Stabilisierungsprogramm (ESP) oder der Bremsassistent in ihrer Wirkung weiter optimiert werden.

Die derzeit eingesetzten Reifendruck-Kontrollsysteme überwachen den Reifendruck entweder direkt oder indirekt. Die kostengünstigeren, indirekten Mess-Systeme nutzten dafür ABS-Sensoren und bestimmen einen Druckverlust aus unterschiedlichen Raddrehzahlen. Wesentlich genauer arbeiten die direkten Überwachungs-Systeme mit Sensoren am Ventilsitz oder im Felgenbett. Ihr Nachteil: Die Sensoren brauchen eine eigenen Stromversorgung, sind nicht mit allen Felgen kompatibel und bei einem Radwechsel müssen sie auf die neue Felge bzw. den Reifen übertragen und kalibriert werden.

Vor allem Nutzfahrzeuge, bei denen der Einsatz von Reifendruck- Kontrollsystemen noch ganz am Anfang steht, soll das neue System sicherer machen. Bei schweren LKW und Lastzügen können ein schleichender Druckverlust in den Reifen und ein daraus resultierender Reifenplatzer besonders gravierende Folgen haben. 85 Prozent aller Reifenschäden könnten sich laut Siemens VDO mit dem "Tire IQ System" in Zukunft verhindern lassen. Und das nicht nur auf Grund der Luftdruckkontrolle. Weil der Chip auch die Laufleistung des Reifens und die Anzahl der gefahrenen Kilometer speichern kann, wird der Fahrer informiert, wenn ein alter Reifen ausgewechselt werden sollte.

Das erleichtert nicht nur die Verwaltung von geleasten Reifen, sondern macht den Einsatz von Super- Single-Reifen sicherer. Diese besonders breiten LKW-Reifen sind im Vergleich zu Zwillingsreifen besonders wirtschaftlich. In drei bis vier Jahren könnte das "Tire IQ System" in Serie gehen, sowohl beim PKW als auch bei LKW. Derzeit ist Siemens VDO mit mehreren Fahrzeug- und Reifenherstellern im Gespräch. Dabei hofft das Unternehmen, das möglichst viele Reifenhersteller das System übernehmen.

In wie weit das gelingen wird, muss sich zeigen. Auf der IAA Nutzfahrzeuge Anfang Oktober 2004 vereinbarten die Reifenhersteller Continental und Bridgestone die Entwicklung eines Reifendruck- Überwachungssystems für Nutzfahrzeuge, das ähnlich wie das "Tire IQ System" funktionieren soll. Ein erster Prototyp wurde auf der Tokyo Motor Show für leichte und schwere Nutzfahrzeuge präsentiert. Die Reifenhersteller streben eine Serienproduktion im Jahre 2007 an und wollen damit auch einen weltweiten Standard setzen.

Ein einheitlicher Standard wäre vor allem für den amerikanischen Markt von Interesse. Denn die Autohersteller müssen bis spätestens Ende 2008 alle in den USA verkauften Fahrzeuge - egal ob PKW oder LKW - mit Reifendruck-Kontrollsystemen ausrüsten. Bereits 2006 muss jeder Hersteller 50 Prozent seiner Neufahrzeuge umgerüstet haben, 2007 sollen es schon 90 Prozent sein, so die Vorgabe US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA (National Highway Transportation Safety Agency).

Die Richtlinien waren nach dem Firestone-Skandal im August 2000 beschlossen worden. Wegen fehlerhafter Reifen hatte es in den USA eine Unfallserie gegeben. Aktuell werden etwa 10 Prozent der Neuwagen in den USA mit entsprechenden Kontroll-Systemen ausgeliefert. Für die Umsetzung der Richtlinie veranschlagt die NHTSA ein Marktvolumen für Reifendruck-Kontrollsysteme zwischen 800 Millionen bis 1,2 Milliarden US-Dollar.

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