Skoda Octavia RS
Ein sportlicher Frauenversteher

Heike Faller, Redakteurin beim ZEITmagazin, hat den Škoda Octavia RS Combi 2.0 TSI gefahren. Ihre Bekannten waren begeistert.
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Meine Autotheorie: Jahrelang waren Autos ein Produkt für Männer, wenn man mal vom Typus frisch geschiedener Vamp um die vierzig absieht, emanzipiert, aber sexuell aufgeschlossen, der Mitte/Ende der Achtziger plötzlich gehäuft in bunten Cabrios in der Bodenseegegend auftrat, also da, wo die Männer mit den Segelbooten waren.

Von diesem Ausreißer abgesehen, kauften wir Frauen unsere Autos ohne Leidenschaft, ohne Gefühl. Am Ende des Tages (wie SUV-Fahrerinnen gerne in schlecht übersetztem Englisch sagen) war die Wahl das Ergebnis einer Abwägung aus Kennzahlen, Preis, Optik. Es gab nichts, was eine Frau zu einem bestimmten Auto hinzog, so wie es einen eben zu Apple oder Moleskine hinzieht.

Die Kaufkraft von Frauen hat zugenommen, deshalb müssen sich jetzt auch Autos für sie interessant machen. Es begann vor zehn Jahren mit den SUVs. Nicht gerade hübsch, nicht gerade umweltfreundlich, aber ich kenne tatsächlich Frauen, die sich in jener Zeit ein solches Auto gekauft haben, weil sie sich dabei fühlen konnten wie in einer im September zwischen Greenwich Village und Connecticut spielenden Romantic Comedy mit Drew Barrymore (was an so bleiernen Orten wie München-Schwabing oder Hamburg-Eppendorf ein erstrebenswertes Gefühl ist).

Irgendwann war klar, dass man über SUV-Fahrerinnen bald so denken wird wie heute über rauchende Schwangere; seitdem zieht es Frauen (aber natürlich auch die wachsende Zahl künstlerisch angehauchter, womöglich linkshändiger Männer) zu Retrodesignmarken wie Mini oder Fiat, deren kindlich dreinblickende Autos man so schwer ignorieren kann wie ein Baby, das einem in der Tram einen Apfel entgegenstreckt.

Dieser Škoda, dachte ich, wird bei den Frauen so beliebt sein wie Arnold Schwarzenegger in diesem Sommer in Hyannis Port. Aber nein: Alle Frauen, die ihn sahen, waren begeistert. Gelobt wurde unter anderem, dass ein Kombi so vertrauenerweckend wirkt wie ein SUV, ohne die Nachteile.

Dass er von der ehemaligen Ostblockmarke Škoda ist, schadet da gar nicht. In einer Welt des Überdesigns ist er ein Understatement, ein Auto, das so tut, als sei es wirklich nur wegen der Fahreigenschaften gekauft worden. Zu den Fahreigenschaften kann ich als Frau naturgemäß wenig sagen. Ein Mann meinte, dass er "sehr sportlich" sei und das Fahrgestell von Audi besitze. Was gut sei.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 147 kW (200 PS)
Beschleunigung (0 - 100 km/h): 7,3 s
Höchstgeschwindigkeit: 239 km/h
CO2-Emission: 175 g/km
Durchschnittsverbrauch: 7,5 Liter
Basispreis: 28.790 Euro

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