Sonderfahrzeugbauer Carl Friederichs Bombensicher Fahren – für 350.000 Euro

Afrika oder Osteuropa: Carl Friederichs hat gute Kunden in Krisenregionen der Welt. Der Sonderfahrzeugbauer verbaut tonnenweise Panzerstahl. Ein VW-Touareg trotzt dann auch Gewehrsalven, Handgranaten und sogar Bomben.
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Umgebaut bringt das Modell rund 4,6 Tonnen auf die Waage. Quelle: Christian Schnell
„Angeschossener“ VW-Touareg

Umgebaut bringt das Modell rund 4,6 Tonnen auf die Waage.

FrankfurtDie Nacht war kurz für Henrik Schepler. Morgens um sieben stieg er aus dem Flieger aus Nigeria. Kurz eine Runde Joggen gegen die Müdigkeit, dann geht es zum ersten Pressegespräch seines Lebens. Geschäftsführer ist er gemeinsam mit seinem Kollegen Stephan Berger beim Frankfurter Sonderfahrzeugbauer Carl Friederichs. „Ein wichtiges Land für uns“, sagt er nur kurz zu Nigeria.

Er hätte auch hinzufügen könne: Wie so viele in Afrika. Oder im Nahen Osten. Oder in Osteuropa. Überall dort also, wo der Staat, Unternehmen oder gut betuchte Bürger bereit sind, viel Geld für bestens gesicherte Fahrzeuge auszugeben.

Ein Drittel des Umsatzes von insgesamt 18 Millionen Euro macht das mittlerweile 175 Jahre alte Unternehmen mit so genannten „Sonderschutzfahrzeugen“. Bis zu 95 Prozent des Geschäftes laufen außerhalb von Deutschland: Kleinserien von einem bis zu gewöhnlich zehn Fahrzeugen, deren Fertigung für Mercedes oder VW zu aufwändig ist, weshalb sie diese Aufträge an das Traditionsunternehmen aus dem Frankfurter Ostend weitergeben.

Die Einsätze, zu denen diese dann ausrücken müssen, verlangen denjenigen, die damit unterwegs sind, häufig das Äußerste ab. So wie den Experten der OSZE, die den Absturz des Fluges MH17 über der Ostukraine aufklären müssen und dafür heute noch mit einem der 14 in Frankfurt umgebauten VW-Touareg unterwegs sind. Vor allem niederländische Staatsbürger waren bei dem Absturz ums Leben gekommen, deswegen kommen aus dem Land auch die meisten Experten. Und die Autos, die die Friederichs GmbH für die niederländische Regierung gebaut hatte.

Mit einem serienmäßig bei Volkswagen in Bratislava gefertigten Touareg hat ein solches Fahrzeug freilich nur noch optisch etwas zu tun. Unter dem Blech ist so viel Panzerstahl verbaut, dass der gewöhnlich 2,3 Tonnen schwere SUV doppelt so viel Gewicht hat. Bis zu vier Zentimeter dick sind die Scheiben, am Dach ist eine Luke für den Ausstieg. Und die Spezialreifen laufen auch platt noch 80 Kilometer bei 80 Stundenkilometern.

Damit der Touareg im Falle eines Falles auch wirklich sicher ist, bedarf es einer besonderen staatlichen Überprüfung. Dafür sind in Deutschland die Beschussämter zuständig. Wer davon noch nie etwas gehört hat, dem sei gesagt, dass dort Waffen und Munition überprüft werden. Aber beispielsweise auch die Sicherheit von Sonderschutzfahrzeugen.

498 Schüsse haben sie dort einst auf den Prototypen, einen umgebauten Gebraucht-Touareg, abgefeuert. Jeder ist mit einer Nummer markiert. Zehn Handgranaten trafen ihn und eine 15-Kilo-Bombe. Reichlich lädiert steht er nun als Anschaffungsobjekt. Die Insassen jedoch – und das ist das wichtigste – hätten überlebt. Dafür sind die 350.000 Euro, die ein solches Fahrzeug kosten, gut investiert.

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