Ssangyong XLV im Test
Ein aufgeblasener Typ aus Fernost

Ssangyong stellt sich im Kompakt-Segment breiter auf. Nach dem 2015 vorgestellten Tivoli folgt jetzt der XLV, der vor allem mit einer Extraportion Platz für wenig Geld punkten will. Doch wie gut gelingt ihm das?
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„Aufgeblasener Typ“ – das ist wohl kaum ein Kompliment. Im Fall des Ssangyong XLV steckt dahinter allerdings etwas ziemlich Erfreuliches: Ein mächtiges Heck, welches gehobene Raumträume ab 17.000 Euro wahr werden lässt. Der XLV bietet nicht nur XL-mäßig viel Platz, sondern auch einen 94 kW/128 PS starken Benzinmotor, dem wir anlässlich seiner momentanen Markteinführung etwas genauer auf den Zahn gefühlt haben.

Beim XLV handelt es sich um die größere Karosserievariante des 2015 eingeführten Ssangyong Tivoli. Während der XLV-Vorderwagen noch ähnlich kompakt wie beim Tivoli ausfällt, bietet der Hintern etwas plumpe Kardashian-Dimensionen. Das ist nur bedingt schick.

Immerhin weckt er mit seiner Figur entfernt Erinnerungen an den Talbot-Matra Rancho (1977 – 1983), der ja als einer der SUV-Urväter gilt. Doch anders als der Rancho kommt der Tivoli weniger wie ein kauziger Discovery daher, sondern mimt einen stylish-urbanen Typen. Fesche 18-Zoll- Felgen, eine optionale Zweifarblackierung oder die LED-Tagfahrleuchten sorgen jedenfalls mehr für Asphalt- als für Macho-Flair.

Auch innen gibt sich der XLV schick und modern. Zumindest in der von uns getesteten Ausstattung Sapphire, die mit Klavierlackoberflächen, etwas Chromzierrat oder mit farblich variabel und frisch leuchtenden Analog-Rundinstrumenten die Insassen recht positiv einstimmt. Das kann sich sehen lassen.

Und wenn man den Startknopf rechts vom Lenkrad drückt, schwenken die Zeiger der Rundinstrumente zudem einmal kurz nach rechts, um umgehend wieder in die Ausgangsstellung zurückzukehren. Gleichzeitig kündigt der 1,6-Liter-Vierzylinder kernig von seiner Fahrbereitschaft.

Beim Anfahren ist etwas Feingefühl beim Gas- und Kupplungsspiel gefragt. Die Testfahrt führt uns auf hügelige Landstraßen ins Bergische Land, die offenbaren: Ein Temperamentbolzen ist der 1,6er nicht. Klar, es handelt sich um einen klassischen Saugmotor, der Drehzahlen braucht, aber letztlich lässt der Motor angesichts der Leistungsansage etwas Verve vermissen. Dafür zerren die lediglich 160 Newtonmeter aber auch nicht nervig an den Vorderrädern.

Akustisch ist der Benziner dafür recht aufdringlich. Erst bei Autobahntempo bleibt der Vierzylinder im Hintergrund. Vortriebstechnisch an Steigungen auch, weshalb man hier oftmals vom sechsten in den fünften Gang schaltet. Auf ebener Strecke kann der gut 1,4 Tonnen schwere Koreaner aber durchaus mithalten und liegt selbst bei den maximal möglichen 180 km/h angenehm ruhig auf dem Asphalt.

Der XLV ist somit gewiss nicht untermotorisiert, aber in einen Geschwindigkeitsrausch versetzt diese Motorisierung eben auch nicht. Das ist vielleicht auch besser so, denn schon der Versuch einer sportlichen Fahrweise treibt den Verbrauch auf über 10 Liter, normalerweise kommt man mit 7 Litern davon. Wer betont sparsam fährt, kann auch mit 6 Litern hinkommen. Sicherlich gibt es bessere Motoren am Markt, doch angesichts der attraktiven Einpreisung lässt sich darüber locker hinwegsehen.

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