Super-Benzin E10 Umstrittener Biosprit kommt später

Das neue, etwas umweltfreundlichere Benzingemisch mit zehn Prozent Biosprit-Anteil sollte zum Jahreswechsel in Deutschland erhältlich sein. Doch die Einführung verzögert sich.
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Wer sich nicht sicher ist, ob sein Fahrzeug die neue Spritsorte E10 verträgt, kann bis zum Jahr 2013 auch weiterhin Super tanken. Quelle: ap

Wer sich nicht sicher ist, ob sein Fahrzeug die neue Spritsorte E10 verträgt, kann bis zum Jahr 2013 auch weiterhin Super tanken.

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HB/dpa/ap DÜSSELDORF. Eigentlich sollte es schon in den kommenden Tagen an den Tankstellen in Deutschland erhältlich sein: Ein neues Benzin mit zehn Prozent Biosprit-Anteil, genannt E10. Doch der Aufwand für die Umstellung an den Tankstellen ist hoch. "Frühestens im Februar" soll das neue Gemisch nun erhältlich sein, sagte der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes, Klaus Picard. Marktführer Aral geht davon aus, dass sein Netz mit 2.500 Tankstellen ab Ende Januar für das Bioethanol-Gemisch ausgestattet wird, bei Shell soll dies „im Laufe des ersten Quartals“ geschehen.

Von der Umstellung auf den neuen Kraftstoff sind nicht nur die Herstellung in den Raffinerien betroffen. Die Tankstellen müssen ihre Kassen und Preismasten dafür vorbereiten. Und erst seit dem Bundesratsbeschluss im Dezember konnten die Vorbereitungen dafür konkret anlaufen. „Wir werden das nicht über Nacht schaffen“, betont Aral/BP-Sprecher Detlef Brandenburg.

Das neue Gemisch hat auch Auswirkungen auf die Benzinpreise. "Für den Autofahrer wird es auf jeden Fall teurer", sagte ein Sprecher des Mineralölkonzerns BP. Bio-Ethanol ist herkömmlichem Benzin jetzt schon verpflichtend zu fünf Prozent beigemischt, in Zukunft sollen es zehn Prozent sein.

Bio-Ethanol kostet derzeit 50 Prozent mehr, als herkömmlicher Sprit, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Angaben aus der Mineralölbranche. Zudem ist der Energiegehalt von Ethanol niedriger, als von Benzin, was den Verbrauch erhöhen wird.

Die Bundesregierung setzt mit dem neuen Kraftstoff Vorgaben der EU zur Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes von Autos um. Rund 3,5 bis vier Millionen Fahrzeuge dürften, nach Angaben des Bundesumweltministeriums, den Kraftstoff allerdings nicht vertragen, weil er Bauteile angreift. Für diese Fahrzeuge soll es auch weiter den bisherigen Sprit mit nur fünf Prozent Bio-Anteil geben. 90 Prozent der Autos können E10 tanken - in der Regel alle Autos ab Baujahr 1990, bei Marken wie Audi, Ford, Opel, VW oder BMW sind fast alle Modelle E10-tauglich. Bei Mercedes fast alle nach 1985 produzierten Wagen. Im Zweifelsfall fragt man am besten beim Hersteller direkt nach.

Welche Fahrzeuge E10 vertragen und welche nicht, geht aus einer Liste hervor, die die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) und der ADAC im Internet veröffentlicht haben. Der Download des PDF-Dokuments ist kostenlos.

"Wer nicht ganz sicher ist, sollte weiterhin das normale, mit fünf Prozent Bioethanol versetzte Benzin tanken", empfiehlt Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Bis 2013 ist dieser herkömmliche Sprit weiterhin erhältlich.

Was bringt der neue Biosprit?

Ob mit E10 allerdings die Klimaziele zu erreichen sind, bleibt fraglich. "Die Förderung des Biosprits hat Hungerkrawalle mitverursacht", sagt etwa der Chef des Münchener Ifo-Instituts, der Ökonom Hans-Werner Sinn. So sei durch den hohen Mais-Bedarf auch die Tortilla-Krise 2007 in Mexiko entstanden. Biosprit sei ein teurer Irrweg, wettert Sinn.

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