Tesla-Gründer verklagt Testfahrer: Warum ging der E-Auto-Ikone der Saft aus?

Tesla-Gründer verklagt Testfahrer
Warum ging der E-Auto-Ikone der Saft aus?

Tesla baut schnelle Elektroautos. Aber wenn sie in den Medien nicht so wegkommen, wie Firmenchef Elon Musk sich das wünscht, wird er zur „rasenden Wildsau“. Ein Tester, der wagte, die Autos zu kritisieren, packt nun aus.

DüsseldorfElon Musk hat eine kurze Zündschnur, wenn es um seine Autos geht. Der kalifornische Milliardär und Gründer des Elektroauto-Pioniers Tesla verklagte 2011 die berühmteste Autosendung der Welt, Top Gear, und mit ihr die BBC. Zurzeit liegt er mit der altehrwürdigen New York Times im Clinch. Denn auch die hat, wie Top Gear, einen seiner Stromer nicht mit den gewünschten Ergebnissen getestet.

Was ist passiert? Autotester John Broder von der New York Times ist mit einem der kalifornischen Testwagen liegengeblieben, dem neuen „Tesla Model S“. Er strandete 40 Kilometer vor der nächsten Ladestation und musste abgeschleppt werden. Das entsprechende Bild des Wagens auf der Ladefläche eines Abschlepptrucks eröffnet auch seinen kritischen Testbericht.

Der Artikel bringt den Tesla-CEO gehörig auf die Palme. Der Test sei unfair. Musk beschuldigt Broder, den Stecker zu früh gezogen zu haben, obwohl er eine längere Fahrt plante. Broder ein Testfahrzeug zu überlassen sei von vornherein ein Fehler gewesen, aber man sei sich bei Tesla seiner "Geringschätzung für Elektroautos nicht bewusst gewesen", schreibt Musk in seinem Blog.

Und liefert dort auch gleich reihenweise Diagramme und Fakten, um dem Autotester einen fragwürdigen Umgang nicht nur mit dem Testwagen, sondern auch mit journalistischem Ethos nachzuweisen. Kurz: Er bezichtigt ihn der Lüge. Insgesamt listet Musk unter dem Titel "A most peculiar Test Drive" neun "key facts" auf, welche die mangelnde Seriosität von Broders Autotest-Artikel nachweisen sollen, und dazu eine Reihe von Diagrammen, die aus dem Datenspreicher des Testfahrzeugs stammen.

Broder selber sieht sich in der Berufsehre angegriffen und antwortet umfangreich und ebenfalls öffentlich auf Musks Einlassungen in einem weiteren Blog-Beitrag für die NYT.

Technologie-Websiten wie Quartz stürzen sich auf die Geschichte und vergleichen die Argumente beider Seiten. Der Ausgang des medialen Kleinkriegs ist bislang ungewiss.

Beide Kontrahenten werden jeweils von zahlreichen Kommentatoren für ihre Beweisführung und unnachgiebige Haltung beglückwünscht, man hat als Leser beider Seiten des Disputs den Eindruck, Elektro-Auto-Propheten beschimpfen Ungläubige und umgekehrt, "petrolheads" wollen die Fortschritte alternativer Antriebe nicht wahrhaben.

Was verwundert an der Geschichte? Hier kümmert sich der oberste Firmenboss persönlich darum, dass der Autotest eines seriösen Journalisten nachkontrolliert wird, in dem er die von der Testfahrt gespeicherten Daten selber veröffentlicht, als Gegendarstellung in eigener Sache, und entsprechend kommentiert. Bei Volkswagen und Mercedes undenkbar.

Und dabei ist Musk kein abgehobener Spinner. Der PayPal-Gründer und Chef des privaten Raumfahrt-Firma "SpaceX" ist unter anderem ein geschäftstüchtiger Weltraum-Unternehmer. Die von ihm entwickelte Rakete „Falcon 9“ versorgt die ISS mit Material und Nachschub. Im November 2012 verlieh ihm die britische "Royal Aeronautical Society" eine Goldmedaille für seine Leistungen und Innovationen.

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Klage gegen Top Gear scheiterte zweimal

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