Tesla Model 3 im Test „Ein ganz neues Auto-Erlebnis“

Tesla hat die ersten 30 Exemplare seines Model 3 ausgeliefert. Doch wie schlägt sich das heiß erwartete Elektroauto auf der Straße? Ein Testbericht zeigt: Konkurrenten wie Mercedes und BMW sollten sich warm anziehen.
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Das Basismodell, das mit einer Aufladung rund 350 Kilometer weit fährt, kostet 35.000 Dollar kostet. Die größere Version kostet 44.000 Dollar und hat eine Reichweite von rund 500 Kilometern. Quelle: Reuters
Tesla Model 3

Das Basismodell, das mit einer Aufladung rund 350 Kilometer weit fährt, kostet 35.000 Dollar kostet. Die größere Version kostet 44.000 Dollar und hat eine Reichweite von rund 500 Kilometern.

(Foto: Reuters)

San FranciscoAm Freitag wurden in Kalifornien die ersten Model 3 von Tesla an ihre Besitzer übergeben. Bloomberg-Reporter Tom Randall gehörte zu den ersten Journalisten, die das mit Spannung erwartete Elektroauto getestet haben.

Wer jemals das Spitzenmodell von Tesla – das 140.000 Dollar teure Model S P100D – gefahren ist, hat eine unvergleichliche Art der Fahr-Power erlebt. Bei einer Beschleunigung von 0 auf 60 Meilen in der Stunde (97 km/h) in 2,3 Sekunden wird man in den Sitz gepresst, während der Magen Purzelbäume schlägt. Einige Leute leben für dieses Gefühl. Ich bin keiner davon.

Natürlich ist ein solches voll hochgerüstetes elektrisches Monster so aufregend wie die spektakulärste Achterbahn – aber das braucht nicht jeder auf dem täglichen Weg zur Arbeit. In der vergangenen Woche habe ich als einer der Ersten das neue Model 3 von Tesla getestet. Und dabei wurde mir klar, dass Firmenchef Elon Musk endlich ein Elektroauto für Pendler wie mich gebaut hat.

So feiern Tesla-Jünger die ersten Model 3-Fahrzeuge
Tesla-Chef Musk lässt sich bei der Übergabe des ersten Model 3 von Mitarbeitern feiern
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Elon Musk weiß, wie man einen Rockstar-Auftritt hinlegt. Zu lauter Musik rast der Tesla-Chef mit einem roten Exemplar seines ersten günstigeren Wagens Model 3, springt raus und lässt sich im Scheinwerferlicht von seinen Mitarbeitern feiern.

Der Anlass ist ein Meilenstein für Tesla: Die ersten 30 Model 3 werden nach einem Monat Serienproduktion an ihre Besitzer übergeben - allesamt Tesla-Beschäftigte. Die ersten 30 von mehr als einer halben Million Vorbestellungen, die Tesla erst einmal lange abarbeiten muss...

Vorstellung des Tesla Model 3
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Die Zeremonie am Tesla-Werk im kalifornischen Fremont läutet ein neues Kapitel in einem der spannendsten Duelle ein, die heute die Wirtschaft zu bieten hat: Tesla gegen den Rest der Autoindustrie. Eine Firma aus dem Silicon Valley, die früh komplett auf Elektromobilität setzte und von Autobossen zunächst als Exot mit mickrigen Produktionszahlen im für die weitaus meisten Menschen unerschwinglichen Luxussegment abgetan wurde. Doch inzwischen weht in der Branche ein anderer Wind...

Erste Wagen des günstigeren Tesla Model 3 auf dem Fabrikgelände in Fremont, bereit zur Übergabe an ihre Besitzer
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Inzwischen sagen viele Experten, dass dem Elektroantrieb die Zukunft gehöre, auch wenn es eine lange Übergangszeit geben werde. Für Tesla wird es also künftig nicht mehr darum gehen, mit einigen zehntausend Wagen im Jahr zahlungskräftige Enthusiasten zu begeistern, sondern gegen die geballten Kraft der Autoindustrie mit einer Vielzahl von Modellen, Designvarianten und der traditionellen Markenbindung von Kunden anzutreten...

Das Model 3 ist der Wagen, der Tesla in einen breiteren Markt bringen soll
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Und angesichts der Vorreiterrolle der Kalifornier dürfte auch der Fortschritt der Elektromobilität am Erfolg dieses Fahrzeugs gemessen werden. Milliarden steckte Musk in den Ausbau der Produktionsanlagen und der Batteriefertigung. Eine riesige Wette.

Wenn sie aufgeht, wird Tesla in Fremont jährlich eine halbe Million Model-3-Wagen und rund 100.000 der größeren und teureren bisherigen Fahrzeuge Model S und Model X bauen. In Arbeit ist auch ein Lastwagen, der noch dieses Jahr präsentiert werden soll. Anleger glauben an Musk: Tesla ist trotz überschaubarer Stückzahlen der wertvollste US-Autohersteller an der Börse...

Vorstellung des Tesla Model 3
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„Es war nie unser Ziel, teure Wagen zu bauen“, betont Musk. Das habe sich nur so ergeben, weil die Elektrowagen zunächst nicht günstiger zu produzieren gewesen seien. Und jetzt finanzierten die Käufer von Model S und Model X das günstigere neue Modell mit.

Die 35.000 Dollar als Grundpreis des Model 3 sind aber wie so oft in der Branche erst der Anfang. Bucht man alle Extras wie Fahrassistenz-Funktionen, eine bessere Innenausstattung und eine andere Farbe als Schwarz, kommen fast 60.000 Dollar zusammen...

Wer jetzt bestellt, muss bis Ende 2018 warten, sagt Musk. Nach Deutschland dürfte es kaum ein Model 3 vor dem kommenden Jahr schaffen.
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Das ist kein Schnäppchen mehr, entscheidend ist im Moment aber dennoch vor allem die Frage, ob Tesla den massiven Produktionssprung von rund 84 000 Fahrzeugen 2016 auf 500 000 im kommenden Jahr sauber hinbekommt.

„Die Nachfrage ist hier nicht das Problem“, merkt Musk trocken mit Blick auf die halbe Million Vorbestellungen für das Model 3 an. Im ersten Produktionsmonat Juli wurden 50 Fahrzeuge gebaut, 20 von ihnen behält Tesla für Tests ein. Im September sollen 1500 Wagen produziert werden, auch mit 20 000 Fahrzeugen im Monat zum Dezember wird es lange dauern, die Warteliste abzuarbeiten...

Blick in den aufgeräumt-sachlichen Innenraum des Model 3
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Um den Produktionsschub zu meistern, ließ Musk die Konstruktion des Model 3 drastisch vereinfachen - auch nachdem es bei vorherigen Wagen Probleme mit ausgeklügelten Design-Ideen wie den Flügeltüren des Model X gab. Selbst die Entwicklung der Rücksitze hatte damals die Produktion des SUV um Monate aufgehalten.

Das Model 3 hat trotzdem einiges zu bieten. Die verbesserte Version, die ich getestet habe, beschleunigte von null auf 60 Meilen in 5,1 Sekunden. Die Reichweite beträgt atemberaubende 310 Meilen (knapp 500 Kilometer). Es ist wendig, bequem und hat eine straffe Lenkung, die einen nur grinsen lässt. Die Sitze empfangen einen in einer sanften Umarmung, die sich besser für einen Roadtrip als für die Rennbahn eignet. Es ist ein abgespecktes Model S, weniger extravagant, aber dafür praktischer.

Und über die guten Sachen habe ich noch gar nichts gesagt.

Die Tatsache, dass dieses Auto wie ein Tesla aussieht, so fährt und sich auch so anfühlt, und das zu einem Startpreis von 35.000 Dollar (knapp 30.000 Euro), zeigt, wie weit der Autobauer aus dem Silicon Valley es gebracht hat. Für viele der größten Tesla-Fans ist das immer noch teuer, und viele verlockende Extras dürften den Preis für sie an die Schmerzgrenze treiben. Aber bei den aktuellen Batteriepreisen setzt Tesla einen neuen Standard für Elektroautos – und das war natürlich von Anfang an der Plan von Elon Musk.

Deswegen könnte das Model 3 zur Geld-Sackgasse werden

Deswegen könnte das Model 3 zur Geld-Sackgasse werden

In dem Moment, in dem man sich dem Model 3 nähert, versteht man, dass einem ein ganz neues Auto-Erlebnis bevorsteht. Die eleganten, eingelassenen Türgriffe drehen sich mit einem leichten Daumendruck. Das Auto hat keinen Schlüssel – stattdessen verbindet es sich über Bluetooth mit dem Smartphone und entriegelt sich automatisch, wenn man sich nähert. Wenn der Handyakku doch mal leer ist, gibt es als Reserve eine dünne Schlüsselkarte, die sich im Portemonnaie tragen lässt. Diese muss man einfach an die B-Säule halten und anschließend auf dem Armaturenbrett platzieren, und der Wagen startet.

Als ich im Inneren des Model 3 saß, wurde mir klar, dass meine Erwartungen komplett falsch waren. Ich hatte schon einige Aufnahme von Prototypen im Internet gesehen, und die Ausstattung erschien da immer flach, spartanisch und leblos. Aber so ist es nicht. Dass es keine Anzeigen auf dem Armaturenbrett gibt, ist erfrischend. Der solide Streifen aus offenporigem Holz verbreitet Wärme, und durch das Glasdach fällt Licht in die Kabine. Der Blick nach vorn, nicht gestört durch Knöpfe, Lichter und Hebel, ist ausladend.

BMW und Mercedes sollten sich Sorgen machen.
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42 Kommentare zu "Tesla Model 3 im Test: „Ein ganz neues Auto-Erlebnis“"

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  • @Martin Bruch:
    Sie haben falsch zitiert bzw. übersetzt. Der Akku hat eine Garantie von 8 Jahren bzw. 160.000km (100.000 Meilen) und nicht 100.000km wie Sie geschrieben haben...
    Im Prinzip gebe ich Ihnen aber Recht, dass ein E-Auto beim derzeitigen Stand der Akku-Technik zumindest für Vielfahrer noch nicht alltagstauglich ist, sondern in erster Linie als Statussymbol für entsprechende Ideologen bzw. Populisten dient.

  • Warum gibt Tesla keine technischen Daten an, warum werden die ersten Autos nur an Mitarbeiter vergeben? Da muss man große Fragezeichen setzen. Offensichtlich gibt es viel zu verbergen und viel Unsicherheit. Was sollen Angaben über die Reichweite? "Bis zu" heißt, dass man dann auch bei viel weniger Entfernung liegen bleibt. Versuchen Sie mal, etwas Konkretes über das Auto zu erfahren, Auf der Tesla Seite ist das alles, was veröffentlicht wird (s. unten). Immerhin weiß man, dass nach 100.000 km eine neue Batterie für einen fünfstelligen Betrag fällig ist.
    Wer die Tesla Religion liebt kann kaufen, wer etwas Verstand hat, sollte gewarnt sein.

    Which features come standard with Model 3 for $35,000? Model 3 is designed to be the safest car in its class, with 220 miles of range, and zero to 60 mph acceleration in 5.6 seconds. Standard features also include full self-driving hardware, Supercharging capability, a rear glass roof, a 15” touchscreen display, Wi-Fi and LTE internet connectivity, free over-the air software updates, full LED lighting, and an 8-year, 100,000 mile battery warranty.

  • Wo bleibt eigentlich der Testbericht über den obligatorischen Crashtest des TESLA3. der hat schon schon so manche Träume platzen lassen. Warten wir mal ab. Die Euphorie wird sicherlich schnell durch die Realitäten des Marktes relativiert.

    Die Deutschen Hersteller sind entgegen der verbreiteten Meinung besser aufgestellt was die E-mobilität betrifft als behauptet wird. Die Problematik ist die mangelnde elektrotechnische Infrastruktur. Versuchen Sie mal in einem normalen Wohngebiet oder sogar in einer Großstadt tausende oder zehntausende Auto über Nacht aufzuladen. Die Netze brechen Ihnen sehr schnell zusammen und die Menschen können nicht mehr kochen oder heizen. Selbst die Ladestationen helfen da nicht. In USA hat es schon Streit um die Ladestationen gegeben. Was glauben Sie ist dann in der deutschen Presselandschaft los? Der Hebel muss anders angesetzt werden. Infrastruktur und E-mobilität muss sich harmonisch entwickeln und nicht durch populistisch gesteuerte Meinungsmache gegen Diesel oder Kartellvorwürfe. Grenzwerte in den Innenstädten sind willkürlich gesetzt und nicht wissenschaftlich bewiesen. Wie kommt es dann, das die Grenzwerte in Büroräumen um ein vielfaches höher sind. Dort halten wird uns in der Regel länger auf als auf der Straße.
    Populistische Meinungsmache gießt nur Öl ins Feuer und verblendet die Sicht.

    Nachdenken, strukturiert diskutieren, Lösungen finden, planen und entscheiden. Das zeichnet gute Ingenieure und gute Politik aus.

  • Herr Karl-Werner Bluhm 01.08.2017, 09:55 Uhr
    <<Das Auto mit E-Antrieb wird den Otto- bzw. Dieselmotor ablösen, kein Zweifel.>>

    Kein Zweifel? Der Diesel ist tot, daran habe auch ich keinen Zweifel. Aber das heißt nicht, dass er durch ein ebenso untaugliches System abgelöst wird. Und was die Brennstoffzelle angeht (die bei Ihnen offenbar auch unter "E-Antrieb" eingeordnet wird): Sie ist die Energie der Zukunft - und wird es auch bleiben! Diese Weisheit stammt übrigens noch aus der Zeit des "Neuen Marktes" 1999/2000.

    <<Wer E-Autos mit Batterie kauft macht m.E. nach einen Fehler - es sei denn Geld spielt keine Rolle.>>

    Der Satz hat mir wirklich gefallen! Was glauben Sie denn, könnte es sonst noch für eine Gruppe geben, die solche Autos kauft?

  • @Herr Karl-Werner Bluhm 01.08.2017, 09:55 Uhr
    Eine Wasserstofftankstelle kostet ca. 1Mio €. "Umrüsten" können sie maximal den Verkaufsraum. Dazu die ganze Logistik mit LKW. Wasserstoff macht für mich nur Sinn als Stromspeicher, also Power-to-Gas.
    Sie gehen von der heutigen Batterietechnologie aus. Toyota hat für 2022 die Feststoffbatterie angekündigt. Das bedeutet 3x mehr Leitungsdichte (also Fahrzeuge mit über 1000km Reichweite), schnellere Ladung und keinerlei Probleme mehr mit Temperatur. Wer braucht da noch Wasserstoff im Auto? Und ich sehe keinen Grund, warum man bspw. die Batterie bei alten Autos nicht tauschen könnte. Bei den Reichweiten können auch sehr viele Fahrzeuge ausschließlich an der heimischen Solaranlage geladen werden.

  • Herr Grutte Pier - 01.08.2017, 08:11 Uhr

    Ich habe einen besseren und effektiveren Vorschlag:

    Wir Würdige bauen ein Energieversorgungssystem auf Basis Erneuerbarer Energien auf und für Sie als Unwürdiger kommt der Strom weiterhin aus der Steckdose. Genießen Sie doch einfach, dass Strom mit immer weniger Umweltbelastung bereit gestellt wird.

  • @Herr Karl-Werner Bluhm 01.08.2017, 09:55 Uhr

    danke für Ihren realistischen, faktenbasierten Beitrag - genaus so sieht's nämlich aus..........

  • Das Auto mit E-Antrieb wird den Otto- bzw. Dieselmotor ablösen, kein Zweifel. Ob die Batterie der richtige Speicher für die Antriebsenergie ist glaube ich nicht. Zu viele Probleme stehen dem entgegen. Ein Problem ist die Ladeinfrastruktur. Hierfür wird ein Mittelspannungsnetz für die Aufladung nötig sein. Um ein solches "Tankstellen"-Netz flächendeckend zu errichten brauchen wir heute in Deutschland 10 - 20 Jahre. Man denke an den Netzausbau für die Off-Shore-Windkraft. Vernünftiger und wirtschaftlicher wäre das E-Auto mit Brennstoffzelle. Die Infrastruktur könnte relativ einfach durch Umrüstung bestehender Tankstellen erfolgen und der überflüssige Windstrom könnte zur Wasserstoffproduktion benutzt werden. Wasserstoff kann man auch zwischenlagern. Das Brennstoffzellenauto ist in 2-3 Jahren marktfähig - also besser die Füße ruhig halten und abwarten. Wer E-Autos mit Batterie kauft macht m.E. nach einen Fehler - es sei denn Geld spielt keine Rolle.Übrigens, auch die Angaben der E-Auto-Hersteller in puncto Verbrauch sind geschönt. Mit dem Tesla kommt man im warmen Kalifornien vielleicht weit aber nicht im winterlich kalten Deutschland.

  • Kartelle zu bilden heisst doch nichts anderes, als sich einzumauern und abzuschotten. Zu Lasten der Käufer, aber auch zu Lasten der eigenen Entwicklung.

    Die offene Auseinandersetzung mit dem Markt und den technischen Entwicklungen ist unterblieben. Das wird sich aufs Bitterste rächen. Asien und die USA werden die Spitzenposition der künftigen Individual-Mobilität markieren.

  • @Herr Marcel Europaeer 31.07.2017, 17:26 Uhr

    offensichtlich halten Sie den heiligen Gral der Energiewende, den Schlüssel zur Klima- und Weltenrettung schon in Händen.

    Bitte lassen Sie uns Unwürdige an IHREN phänomenalen Erkenntnissen und techn. Quantensprüngen auch teilhaben.
    Warum kann man davon nichts in den Qualitätsmedien lesen?

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