Test: Kia Sportage 1.7 CRDi DCT GT Line Alles ist relativ

Vom Naturburschen zum Hipster: In fünf Generationen ist der Kia Sportage zum schicken und modernen Weltenbummler gereift. Trotz der Aufwertung: Preislich bleibt er unvermindert attraktiv.
  • Mario Hommen
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  • Spotpress
Mit dem 1,7-Liter-Diesel bietet der Kia Sportage einen erwachsenen Antrieb Quelle: Kia
Das Kompakt-SUV ist gut viereinhalb Meter lang

Mit dem 1,7-Liter-Diesel bietet der Sportage einen erwachsenen Antrieb

Seit über 20 Jahren und in der nunmehr fünften Generationen bietet Kia die Baureihe Sportage an. Ende des vergangenen Jahrtausends war der Koreaner noch ein kauziger Landmann mit Einfach-Technik und mäßiger Qualität, dafür aber extrem günstig. Vier Generationen später ist die SUV-Baureihe zur schicken Allzweckwaffe und zu einem Produkt gereift, das in vieler Hinsicht Fahrer und Insassen verwöhnen kann.

Bereits optisch vermittelt der Sportage seinen Reifeprozess. Die Zeiten unauffällig grauer Mäuse sind bei Kia schon seit einiger Zeit Geschichte. Ein gutes Beispiel für das im Vergleich zu früheren Zeiten nunmehr progressive statt biedere Design bietet auch der Sportage. Dank seines insgesamt stark modellierten Fahrzeugkörpers, hochgesetzten Scheinwerfern, einem markanter Kühlergrill und eiswürfelartigen LED-Nebelleuchten ist der Koreaner eine eigenständige Erscheinung.

Im Vergleich zur Außenhaut wirkt der Innenraum eher sachlich. Das Kompakt-SUV bietet ein zeitgemäßes Flair, schicke Materialien und ein übersichtliches Cockpit. Reinsetzen, wohlfühlen, losfahren. So einfach kann das sein.

Schick, solide, übersichtlich: Der zeitgemäße Arbeitsplatz im Kia Sportage Quelle: Kia
Schick, solide, übersichtlich

Der Arbeitsplatz im Sportage präsentiert sich zeitgemäß

Der 1,7-Liter-Diesel klingt eigentlich nach einem spröden Sparmotor mit wenig längsdynamischer Überzeugungskraft. Doch in seiner 104 kW/141 PS starken Ausbaustufe vermittelt der Vierzylinder eigentlich das Gefühl von mehr Hubraum. Zumindest im Zusammenspiel mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe wirkt das zwischen 1.750 und 2.500 U/min 340 Newtonmeter mobilisierende Aggregat erstaunlich erwachsen.

11,5 Sekunden für den 100-km/h-Sprint sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h sind keine Topwerte, doch untermotorisiert ist man keineswegs. Sonderlich sparsam fährt sich der 1,6-Tonner trotz einer gut funktionierenden Start-Stopp-Automatik allerdings nicht. Der Normverbrauch des frontgetriebenen SUVs wird mit 4,8 Litern angegeben, doch selbst bei gesitteter Fahrweise werden praktisch daraus um sieben Liter. Wer auf der Autobahn längere Strecken mit Tempo 160 abspult, kann den Spritkonsum auf neun Liter treiben.

Als flotter Autobahncruiser eignet sich der Sportage jedenfalls gut. Das Fahrwerk ist trotz der 19-Zoll-Räder recht kommod, zudem liegt der Wagen satt und sicher auf dem Asphalt. Auch das Geräuschniveau bleibt trotz des hohen Aufbaus angenehm niedrig. Zudem wird der Fahrer von einigen elektronischen Helfern wie etwa Spurhalteassistent, Totwinkelwarner, Verkehrszeichenerkennung und Tempomat unterstützt.

Rund 20.000 Euro kostet die Basisversion des Sportage, rund 35.000 Euro verlangen die Koreaner für die Version 1.7 CRDi DCT in der Ausstattung GT Line Quelle: Kia
Rund 20.000 Euro kostet die Basisversion des Sportage

Rund 35.000 Euro verlangen die Koreaner für die Version 1.7 CRDi DCT in der Ausstattung GT Line

Schade nur, das letzterer trotz eines Antikollisionssystems an Bord nicht mit einer automatischen Abstandhaltefunktion wie etwa beim Kia Optima kombiniert wird. Für sehr gute Sichtverhältnisse bei Nachtfahrten sorgt ein helles Xenon-Licht, von dem sich allerdings andere Verkehrsteilnehmer gelegentlich geblendet zu fühlen schienen.

Gut ist auch das Platzangebot für die Fahrgäste, die auf beiden Reihen viel Entfaltungsspielraum genießen. Dank eines nur flachen Kardantunnels taugt das SUV sogar als vollwertiger Fünfsitzer, allerdings kommt der Gurt für den mittleren Sitz etwas umständlich aus dem Dachhimmel und nicht aus der Rückbanklehne.

Angesichts der gut 4,50 Meter langen Karosserie fällt das Gepäckvolumen hingegen nicht ganz so üppig aus: Hinter der sich gegen Aufpreis elektrisch öffnenden und schließenden Heckklappe lassen sich 503 Liter verstauen.

Wer die Rückbanklehne vollständig nach vorne klappen will, muss dafür zu den hinteren Seitentüren jeweils und links und rechts Hebel betätigen. Der so erweiterte Kofferraum bietet Platz für rund 1.500 Liter Gepäck.

Etwas umständlich geht das Umlegen der Rückbanklehne von der Hand. Der gut 500 Liter große Kofferraum lässt sich auf fast 1.500 Liter erweitern  Quelle: Kia
Etwas umständlich geht das Umlegen der Rückbanklehne von der Hand

Der gut 500 Liter große Kofferraum lässt sich auf fast 1.500 Liter erweitern

Zum Vergleich: Beim VW Tiguan gehen 1.655 Liter rein. Ansonsten ist die Ladekante beim Sportage etwas hoch, der Laderaum dafür aber schön eben. Unter einem Zwischenboden ist zudem Platz für Kleinkram. Außerdem befindet sich im Unterbodenfach eine spezielle Aufnahme für das Gepäckraumrollo.

Auch wenn nicht alles perfekt ist: Der aktuelle Sportage bietet eine Vielzahl von Annehmlichkeiten und Technik, bei denen man bei der ersten Generation aus den 1990er-Jahren nicht zu träumen wagte. Mit dem Fortschritt ist Kia allerdings auch in gehobene Preisregionen vorgedrungen.

Ein Basispreis von 20.000 Euro klingt noch moderat. Doch der von uns getestete 1.7 CRDI DCT in der Ausstattung GT Line kostet bereits rund 35.000 Euro. Mit einigen Extras können daraus leicht auch 40.000 Euro werden. Das mag nach viel klingen, relativ gesehen ist aber selbst dieser Preis günstig. Für einen vergleichbar ausgestatteten VW Tiguan mit einer um drei auf fünf Jahre verlängerten Anschlussgarantie (Kia bietet grundsätzlich sieben Jahre) muss man knapp 12.000 Euro mehr hinblättern.

Im Fond bietet der Kia Sportage gute Platzverhältnisse und eine in der Neigung verstellbare Rückbanklehne Quelle: Kia
Im Fond bietet der Kia Sportage gute Platzverhältnisse

Die Neigung der Rückbanklehne ist verstellbar

Technische Daten: Länge: 4,48 Meter, Breite: 1,86 Meter, Höhe: 1,64 Meter, Radstand: 2,67 Meter, Kofferraumvolumen: 503 bis 1.492 Liter. Motor: 1,7-Liter-Vierzylinder-Diesel, 104 kW/141 PS, maximales Drehmoment: 340 Nm bei 1.750 – 2.500 U/min, Beschleunigung: 0 - 100 km/h: 11,5 Sek., Vmax: 185 km/h, Durchschnittsverbrauch: 4,8 Liter, CO2-Ausstoß: 127 g/km, Testverbrauch: 7,1 Liter, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: A, Preis: ab 29.740 Euro (Ausstattung Vision)

Kurzcharakteristik:
Warum kaufen? Weil das SUV in der neuen Generation in jeder Hinsicht deutlich gewonnen hat
Warum nicht? Weil man ein unauffälligeres Design bevorzugt
Was sonst? Hyundai Tucson, VW Tiguan, Nissan Qashqai

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