Testfahrt im Opel Ampera
Sparsam, aber sexy

Nach Ansicht vieler haben die deutschen Autobauer den Trend zu Elektroautos verschlafen. Der Opel Ampera, der gegen Ende des Jahres in den Handel kommt, will das ändern.
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HamburgVorab ein Bekenntnis: Ich leide unter Zwangsvorstellungen. Wenn ich in die Gelbe Tonne blicke, stelle ich mir vor, wie viel Kohle in Kraftwerken verbrannt werden musste, um die verknautschten Plastikverpackungen herzustellen. Wenn ich in ein Flugzeug steige, rechne ich unweigerlich den Kerosinverbrauch hoch. Ich bilde mir auf meine Neurose nichts ein, weil ich weiß, dass ich einer von vielen bin. Am Ende wollen wir nicht schuld sein, wenn aus Deutschland eine Steppe geworden ist, weil niemand seinen CO₂-Ausstoß nachgerechnet hat.

Der Opel Ampera, ein sachlicher Mittelklassewagen, geht auf die Bedürfnisse dieser neuen Zielgruppe vorbildlich ein. Der Ampera ist abgasarm, weil unter der Haube eine Lithium-Ionen-Batterie steckt, die man an der Steckdose aufladen kann und die den Wagen maximal 80 Kilometer lang elektrisch antreibt – anschließend schaltet sich ein kaum hörbarer Benzinmotor ein, der die Batterie über einen Generator mit neuem Strom füttert.

Auf diese kombinierte Antriebstechnik ist man im Opel-Werk sehr stolz. Die Ingenieure nennen sie ein "Einstiegskonzept ins Zeitalter der Elektromobilität", wären sie Politiker, hätten sie womöglich "Brückentechnologie" gesagt.

Sparsamkeits- statt Geschwindigkeitsrausch

Ebenso beglückend ist die digitale Fahranzeige des Opel Ampera: Sie dokumentiert mit der Präzision einer Schweizer Uhr und der Verspieltheit einer Apple-Grafik meinen Energieverbrauch. Da ist zum Beispiel dieser mit Laubblättern verzierte Ball auf dem Display, der Aufschluss über die Klimafreundlichkeit meines Fahrstils gibt. Beschleunige ich wie ein Gokart-Fahrer, springt der Ball nach oben und leuchtet rot auf. Bremse ich erst in letzter Sekunde vor einer Kreuzung ab, schießt der Ball nach unten und wird gelb. Beide Male habe ich Energie vergeudet. Fahre ich maßvoll, bleibt der Ball friedlich wie eine Buddha-Statue und strahlt in sattem Grün.

Fühlt sich gut an, wahrscheinlich ähnlich gut, wie es sich in den Siebzigern für Niki Lauda angefühlt hat, als er mit seinem Ferrari durch Monaco raste – damals, als Ressourcenverschwendung noch sexy war.

Der Opel Ampera steht für eine Zäsur: Sparsamkeits- statt Geschwindigkeitsrausch. Sein Fahrgeräusch stimmt übrigens eher nostalgisch. Es erinnert mich an das ferngesteuerte Auto, das ich als Grundschüler über den Garagenhof navigierte, schon damals emissionsfreundlich. Der Opel Ampera ist ab Ende des Jahres im Handel erhältlich.

Technische Daten

Motorbauart: Elektro-/Benzinmotor
Leistung: 111 kW (150 PS) / 63 kW (86 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 9 Sek.
Höchstgeschwindigkeit: 161 km/h
CO2-Emission: 40 g/km
Durchschnittsverbrauch: 1,6 Liter
Basispreis: 42.900 Euro

Ampera-Testfahrer Philipp Wurm ist Autor beim ZEITmagazin

Kommentare zu " Testfahrt im Opel Ampera: Sparsam, aber sexy "

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  • Der CO2 Ausstoß und die Umweltverschmutzung, um den Elektroauto zu bauen, dürfen nicht vernachlässigt werden. Meiner Meinung nach ist es umweltfreundlicher ein Auto möglichst lange zu fahren. Ein 2 Jahre altes Auto verkaufen, um den Opel zu kaufen halte ich für ökologisch nicht sinnvoll. Ich verstehe dabei nicht, warum der Autor darauf nicht eingeht, wo er doch im ersten Abschnitt das Beispiel mit den Plastikpackungen anbringt.

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