Testfahrt in einer Offroad-Ikone
Schottland umpflügen mit dem Landy

Wer einen Weg finden muss, wo es keinen gibt, setzt auf den unverwüstlichen Defender von Land Rover. Der bekannteste aller echten Geländewagen ist für 2012 ein bisschen feiner geworden. Die alten Stärken sind geblieben.
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Nur die Harten kommen in den Garten und die ganz Harten fahren Land Rover Defender. Nicht, dass ich etwa dazu zählte, aber von einigen kurzen Begegnungen abgesehen, hatte ich jetzt einmal Gelegenheit, halb Schottland mit einem Defender des Modelljahrgangs 2012 umzupflügen – bei Tag und bei Nacht, erfolgreich und von der Winde aus dem Dreck gezogen.

Mir lag sehr an der Begegnung mit dem alten Herren, schließlich ist unser Baujahr fast identisch. Er erblickte 1948 das Licht der Autowelt, ich 1947 eine kalte Winterwelt. Unsere erste Bekanntschaft hatten wir nur wenige Jahre später. Wenn ich seine laut brüllenden Geländereifen hörte, lief ich an die Straße, um meine erste englische Vokabel lauthals anzuwenden: „Chewing gum, chewing gum!“ So grüßten wir Jungs in der britisch besetzten Zone die Defender-Fahrer.

Die britischen und die Soldaten anderer Nationen leben auch heute noch mit dem alten Herren, allerdings in aufgefrischter Technik, aber in alter Optik. Im kommenden Jahr wird der zweimillionste Defender vom Band laufen, vermutlich werden die wenigsten davon im militärischen Outfit daherkommen. Längst haben Landwirte, Rettungsorganisationen und andere, die einen Weg finden müssen, wo es keinen gibt, den Land Rover Defender entdeckt.

Inzwischen stellt sich sogar die Frage, ob nicht sogar die Privatfahrer die Oberhand gewonnen haben. Schließlich laufen zwei Drittel aller jemals gebauten Defender heute noch, die alten vermutlich in den Händen von Sammlern. Es sind aber nicht nur die Oldtimer-Freunde, die sich zum knorrigen, kantigen und gänzlich unschönen Land Rover hingezogen fühlen. Die Gemeinde der unerschütterlichen Defender-Gläubigen scheint sogar noch zu wachsen.


Nach ein paar Meilen durch schottische Wälder, Matschlöcher, Bäche und tiefe Wiesen, wird uns langsam klar, wo diese irrationale Begeisterung ihren Ursprung hat. Hier wird Autofahren noch von Hand gemacht, am liebsten in einem Defender mit Rechtslenkung, den Schaltknüppel links.

Um den ersten Gang einzulegen, braucht man lange Arme, viel Kraft und auch ein bisschen Glück, um die weit auseinander liegenden Schaltgassen zu treffen und den langen Schaltweg in angemessener Zeit zurückzulegen. Auch der Umgang mit der Geländeuntersetzung und den Sperren verlangt manchmal Geduld.

Hat’s geklappt, wundert man sich, dass dies in einem ganz modernen Rundinstrumente im eckigen Armaturenbrett angezeigt wird. Soviel moderne Technik vermutet man gar nicht unter dem altbackenen und altbekannten Blech. Ist alles geregelt, sind Gang und Sperren eingelegt, kann kommen, was will.

Mein Beifahrer und ich ließen uns von ihm durch so tiefes Wasser tauchen, dass die Scheinwerfer verschwunden waren; wir kletterten über Baumstämme, schafften Steigungen und Gefällen, dass einem angst und bange hätte werden können. Doch wir fassten zu diesem scheinbar aus der Vergangenheit stammendem Kletterer rasch Zutrauen.

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Bis 2015 bleibt wohl alles beim alten

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