Toyota Aygo
Ganz schön maskulin

Toyota erneuert nach fast zehn Jahren seinen quirligen City-Floh Aygo und setzt mit seiner auffälligen X-Front auf expressive Optik, um sich von den Schwestermodellen aus dem Hause PSA abzusetzen. Erste Fahreindrücke.
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Wie viel Auto braucht der Mensch? Offenbar nicht viel, wie anders ließe sich erklären, dass Toyota über 700.000 Exemplare von seinem Kleinsten, dem kaum 3,50 m langen Aygo absetzen konnte? Eine Weile hat es gedauert, fast ein ganzes Jahrzehnt, bis die Neuauflage an den Start rollen sollte – jetzt ist sie da.

Auch die 2014er-Generation des Aygo kommt wieder als Trio, PSA steuert den Citroën C1 sowie den 108 aus dem Hause Peugeot dazu. Die Japaner gehen selbstbewusst ins Rennen und verzichten gleich auf den 1,2-Liter-Dreizylinder mit 60 kW/82 PS; stattdessen montieren sie lediglich ihr 200 Kubikzentimeter kleineres Maschinchen mit 51 kW/69 PS. Der ebenfalls mit drei Töpfen ausgerüstete Otto soll je nach Version nur 3,8 Liter Benzin benötigen, was 88 g CO2 je km entspricht.

Der Spareffekt entsteht durch Leichtlaufreifen und eine längere Übersetzung in den letzten beiden Gängen. Die ersten drei Gänge dagegen verfügen in jeder Version über den gleichen Übersetzungswert, so dass in der City kein übermäßiges Phlegma aufkommt.

Die Version mit automatisiertem Schaltgetriebe ist analog zum „Eco“ ebenfalls länger übersetzt. Mit mindestens 9.950 Euro bleibt Toyota zur Markteinführung am 19. Juli immerhin unter der psychologisch wichtigen 10.000er-Marke, geht aber etwas teurer an den Start als beispielsweise Citroën (8.890 Euro).

Aber wer möchte schon ein Auto ohne Klimaanlage und Radio? Weit über die Hälfte der Kunden – so erwarten es die Verantwortlichen – werden sich für höhere Ausstattungslinien wie zum Beispiel „x-Play Touch“ (ab 12.000 Euro) entscheiden. Dann gibt es zahlreiche Multimedia-Funktionen sowie eine Rückfahrkamera.

Die Navigation arbeitet jedoch nur, wenn das System über ein Smartphone an das Internet gekoppelt wird, ansonsten muss man weitere 350 Euro für das so genannte x-nav, ein Navigationsmodul, ausgeben, das über den Zubehör erhältlich ist. Wer will, kann seinen Aygo richtig luxuriös ausstaffieren, selbst Lederpolster (1.200 Euro) sind möglich.

Zur Lifestyle-Fuhre avanciert der 3,46 m lange Stadtfloh jedoch schon vorher, vor allem mit der richtigen Farbe. Am besten in dem vom Werk angebotenen schrillen Orange – dann noch schwarze Alus montieren, und die Blicke der Passanten sind dem Japaner garantiert.

Die Optik ist übrigens einer der entscheidenden Faktoren, die den Aygo von seinen französischen Wettbewerbern unterscheiden. Die markante Front in X-Form verleiht ihm einen fast schon aggressiven Auftritt und lässt ihn ganz schön maskulin daherkommen.

Da macht es fast nichts aus, dass der charakteristisch klingende Dreizylinder diesen Eindruck eher konterkariert. Mit fast 70 Pferchen unter der Haube ist man zwar nicht schlecht unterwegs in urbanen Gegenden, doch der „Fun to Drive“-Faktor, wie Chefingenieur David Tarai nicht müde wird zu betonen, resultiert weniger aus dem Antrieb als aus der Gesamterscheinung.

Immerhin soll das leicht überarbeitete Klein-Kraftwerk sparsamer sein dank verbessertem Thermo-Management und einer höheren Verdichtung. Von der jetzt eher direkt ausgelegten Lenkung verspricht sich das Konstrukteur-Team einen sportlicheren Touch. Jedenfalls haben es die Techniker geschafft, das Lenkrad einen Hauch von Fahrbahnkontakt vermitteln und die elektrische Servounterstützung kein synthetisches Gefühl erzeugen zu lassen. Sogar den Schalthebel hat man überarbeitet, damit er der Hand mehr schmeichelt – Operation durchaus gelungen.

Nur leichter geworden ist der neue Aygo mit mindestens 915 kg nicht, der Vorgänger wog sogar unter 900 - vielleicht aber steifer dank eines verbesserten Materialmixes im Rohbau. Fahrten über schlechte Straßen jedenfalls stoßen den Passagieren nicht übel auf, von übermäßigen Torsionsbewegungen keine Spur. Auch die Innenraum-Verarbeitung geht in Ordnung für ein Fahrzeug dieser Kategorie.

Insbesondere junge Paare und Singles hat Toyota mit dem Aygo im Visier, das dürfte sich zum Vorgänger kaum geändert haben. Doch auch die wollen ein bisschen Allroundfähigkeit trotz eher schmalen Budgets. Richtig viel transportieren kann der Japaner aber nicht, das liegt auf der Hand. Dennoch erhöhte man das Kofferraumvolumen um 29 auf 168 Liter.

Wer doch einmal größere Gegenstände von A nach B befördern möchte, muss die zierlichen Rücksitze umlegen. Apropos zierlich: Während man vorne ein recht gutes Raumgefühl genießt, empfehlen sich die beiden Fondplätze eher für kürzere Reisen. Die Kniefreiheit ist naturgemäß begrenzt (der Radstand beträgt wie beim alten Modell 2,34 m), das bekommen selbst Personen bis 1,75 m Körpergröße zu spüren.

Analog zum Vorgänger wird auch die neue Generation im tschechischen Kolin vom Band laufen und ab diesem Sommer zur Verfügung stehen. Wer möchte, bekommt für den Kleinen übrigens auch Features wie Klimaautomatik, Lichtsensor, Parkpiepser, schlüsselloses Schließsystem sowie Sitzheizung, um aus dem Städter im Miniaturformat ein richtig erwachsenes Auto zu zaubern, das dann allerdings auch schnell um die 15.000 Euro kosten kann.

Technische Daten:

Drei/fünftüriger, viersitziger Kleinstwagen, Länge: 3,46 Meter, Breite: 1,62 Meter, Höhe: 1,46 Meter, Radstand: 2,34 Meter. Motor: 1,0-l-Dreizylinder-Benziner, 51 kW/69 PS, maximales Drehmoment: 95 Nm bei 4.300 U/min, Vmax 160 km/h, Beschleunigung: 0 - 100 km/h in 14,3 Sek., Durchschnittsverbrauch: 3,8 l/100 km, CO2-Ausstoß: 88 g/km, Effizienzklasse A, Preis: ab 9.950 Euro.

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