Trend setzte bereits vergangenes Jahr ein
Umweltfreundlich und begehrt: Gebrauchte Spritsparmodelle

Sie waren ihrer Zeit voraus, hatten aber ein Imageproblem: Spritsparmodelle wie der VW Lupo 3L führten unangefochten die Umweltlisten an, galten aber bei Autokäufern als spießige Öko-Kutschen.

dpa/tmn OSTFILDERN/LANDSBERG. Die Hersteller nahmen die Fahrzeuge mangels Nachfrage wieder vom Markt. Im Zug der Klimadebatte werden die einst verschmähten Autos nun wieder interessant. „Generell kann man sagen, dass sich die Nachfrage nach verbrauchsgünstigen Gebrauchtfahrzeugen besser entwickelt“, sagt Jürgen Schönleber vom Marktforschungsunternehmen Deutsche Automobil Treuhand (DAT) in Ostfildern. Diesem Trend folge auch die Nachfrage nach gebrauchten Dreiliterautos wie dem Lupo 3L oder dem Dreiliter-A2. „Kraftstoff sparende Fahrzeuge sind heute angesagt.“

Zwar habe dieser Trend bereits im vergangenen Jahr eingesetzt, als die Spritpreise in Deutschland kräftig anzogen. Schönleber schreibt der Diskussion über Klimaschutz aber eine trendverstärkende Wirkung zu: „Ich gehe davon aus, dass sich das mittelfristig niederschlagen wird.“ Auch Kurt Kolb vom Marktanalysten Bähr & Fess Forecasts in Saarbrücken hält diese Entwicklung für möglich. So könne die Klimadiskussion einen Impuls für spritsparende Gebrauchte geben. Eine steigende Nachfrage treibe dann den Preis in die Höhe. Da die Dreiliterautos von VW und Audi nur in kleinen Stückzahlen gebaut wurden und daher das Angebot auf dem Gebrauchtmarkt gering ist, wirkten sich Nachfrageänderungen viel leichter auf den Preis aus.

Insgesamt 28 000 Exemplare des Lupo 1.2 TDI 3L rollten von 1999 bis 2005 in Wolfsburg vom Band, sagt VW-Sprecher Christian Haacke. Bei Produktionseinstellung kostete der Kleinwagen, der mit seinem 45 kW/61 PS starken 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbodiesel auf einen Verbrauch von 3,0 Litern (CO2-Ausstoß: 81 Gramm pro Kilometer) kam, 15 225 Euro. Vom Audi A2 1.2 (3L) wurden von 2001 bis 2005 nach Angaben von Audi-Sprecher Josef Schloßmacher in Ingolstadt 6 450 Stück montiert. Der „Aerodynamik-Weltmeister“ besaß die gleiche VW-Technik, kam aber wegen seiner windschlüpfrigeren Karosserie auf einen Verbrauch von nur 2,99 Liter (CO2-Ausstoß: 79 g/km). Zuletzt stand der Dreiliter-A2 mit 19 000 Euro in der Preisliste.

Gravierende Unterschiede im Preisniveau gebrauchter Lupo 3L oder Dreiliter-A2 zu anderen sparsamen Gebrauchtwagen können die Marktbeobachter von Eurotax Schwacke in Maintal derzeit zwar noch nicht feststellen. Die Modelle seien nicht teurer als etwa die anderen Dieselvarianten der Baureihen. „Das heißt aber nicht, dass sich das nicht ändert“, sagt Roland Stach, Leiter der Marktredaktion.

Grundsätzlich spreche nichts dagegen, sich heute ein gebrauchtes Dreiliterauto zuzulegen - auch wenn sich die Fahrzeugtechnik mittlerweile weiterentwickelt hat, so der Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Berlin. „Es ist allemal besser, sich ein gebrauchtes Fahrzeug mit guten Klimaeigenschaften anzuschaffen, als ein Neufahrzeug, das schlechtere besitzt“, sagt VCD-Sprecherin Almut Gaude. Allerdings könnte es sein, dass die Fahrzeuge durch eine steigende Nachfrage „Kultstatus“ erlangen und noch teurer werden, sagt Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD.

Nicht umhin kommen Kaufinteressenten um einen gründlichen Check. Beide Dreiliterautos hatten ihre Macken, so die Erfahrung der Adac-Pannenhelfer. Vor allem das automatisierte Getriebe habe häufig Schwierigkeiten gemacht, sagt Helmut Klein vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg (Bayern): „Es hat mit den Fahrzeugen wegen Getriebeproblemen relativ viele Liegenbleiber gegeben.“

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