Triumph Scrambler
Unterwegs wie einst Steve McQueen

An der Spitze der Retrowelle bei Motorrädern rollt die Triumph Scrambler. Sie kombiniert den Stil der 1960er Jahre gekonnt mit zeitgemäßer Technik.
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So modern die stilsicher gezeichnete Triumph Scrambler technisch auch ist, geht sie bei vielen Betrachtern als "Oldtimer" durch. An der Tankstelle oder vor der Eisdiele fragen Passanten gerne nach dem Alter des Motorrads und liefern so den besten Beweis dafür, wie gekonnt der englische Hersteller den Zeitsprung gemeistert hat.

Verwandt ist die Scrambler mit den übrigen Zweizylinder-Modellen von Triumph. Ihr Motor kommt mit einer Auspuffanlage mit gekreuzten Krümmern und hoch liegenden Endtöpfen daher. Das entspricht ganz dem Stil der damaligen Zeit, als Geländefahrer ihre Motorräder mit grobstolligen Reifen, geländetauglichen Federelementen und nach oben verlegten Schalldämpfern ausgestattet hatten. Berühmtheit erlangte ein so modifiziertes Vorbild der Scrambler durch den Einsatz von dem Hollywood-Schauspieler und Hobby-Rennfahrer Steve McQueen bei der Internationalen Sechstagefahrt 1964 in der DDR.

Der Parallel-Zweizylindermotor mit 865 ccm Hubraum, Vierventiltechnik sowie elektronischer Kraftstoffeinspritzung bewegt sich auf der Höhe der Zeit. Seine Spitzenleistung von 43 kW/58 PS liefert er bei 6 800/min ab, während das maximale Drehmoment von 68 Nm bei 4 750/min anliegt. Für entspanntes Fahren reicht das völlig aus, zumal der Twin bereits bei 2 000/min Touren ordentlich beschleunigt. Entsprechend rasch hat der Fahrer sich im sauber arbeitenden Getriebe bis in die letzte der fünf Gangstufen vorgearbeitet. Darüber hinaus wäre ein sechster Gang wünschenswert. Für Inhaber der neuen Führerscheinklasse A2 ist das Modell ab Werk in einer auf 35 kW/48 PS gedrosselten Version erhältlich.

Der Verbrauch liegt mit 5,4 Litern völlig im akzeptablen Bereich, wobei die Reichweite dank des 16 Liter großen, nicht abschließbaren Tanks, knapp 300 Kilometer beträgt. Angesichts der aufrechten und deshalb wenig aerodynamischen Sitzposition und der Stollenreifen ist das kein schlechter Wert.

Der pure Stil der Scrambler hat aber auch Schattenseiten. So versteckt sich der hübsche Motor scheu hinter der Auspuffanlage. Der breite Lenker und der nicht vorhandene Windschutz beschränken die Reisegeschwindigkeit enorm ein, denn spätestens ab 140 km/h sitzt der Fahrer in einem regelrechten Orkan. Das stört vor allem, wenn der Biker stilecht mit Halbschalenhelm unterwegs ist. Wer flotte Autobahnetappen mag, der sollte sich nach einem anderen Gefährt umschauen: Die eingetragene Höchstgeschwindigkeit von 168 km/h ist lediglich eine statistische Randnotiz. Die beiden Scheibenbremsen sorgen für ausreichend Verzögerung. Triumph bietet kein ABS für die Maschine an.

Die Sitzposition auf der 82,5 Zentimeter hohen Sitzbank sorgt für einen guten Überblick im Verkehrsgeschehen. Außerdem erlaubt sie ein spielerisches Handling, das gerade auf kleineren Nebenstraßen mit schlechtem Asphalt von Vorteil ist. Und auch der zügigen Fahrt über Schotterpisten zeigt sich die 230 Kilo wiegende Maschine gewachsen, obwohl moderne Enduros für das Gelände wesentlich besser geeignet sind.

Aber die Britin will ja auch gar nicht mehr im Off-Road-Wettbewerb mitmischen, auch wenn die moderaten Stollenreifen oder Zubehördetails wie der Motorschutz dies vermuten lassen. Stattdessen bietet sie einfach nur eine Menge unkomplizierten Fahrspaß. Die Scrambler macht ihren Fahrer gelassen oder sogar "cool" – aber das wusste ja schon Steve McQueen.

Technische Daten Triumph Scrambler:

luftgekühlter 270º Zweizylinder-Viertaktmotor, vier Ventile pro Zylinder, 865 ccm Hubraum, Leistung: 43 kW/58 PS bei 6.800 U/min, max. Drehmoment: 68 Nm bei 4.750 U/min, el. Einspritzanlage, fünf Gänge, Sitzhöhe: 82,5 Zentimeter, Tankinhalt: 16 Liter, Reifen vorn 100/90-19, hinten 130/80-17, Gewicht fahrfertig: 230 Kilogramm, Zuladung: 200 Kilogramm, Höchstgeschwindigkeit: 168 km/h, Verbrauch: 5,4 Liter auf 100 Kilometer, Preis: 8.990 Euro.

Kommentare zu " Triumph Scrambler: Unterwegs wie einst Steve McQueen"

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  • Shut up and take my money! :-)

  • Andere Hersteller meiden dagegen RETRO, als hätte es Pestansätze.
    HONDA versucht auch sich von der RETRO Verliebtheit etlicher Kunden einen "Marktanteil" zu schern:
    http://www.honda.de/news/mcnews_cb1100_ist_motorrad_des_jahres_2013_13-03-2013.php

    Andere Designer wollen dagegen nur immer MODERN denken und sich im Neuen zu definieren. Es geht aber nicht darum, sich "Denkmäler als Produkt" zu setzen, sondern auch darum Marktbedüfnisse zu bedienen. In "Bedienen" liegt auch das Wort "Dienen". Den Dienst am Kunden "verdrängen" jedoch etliche Designer und leben eher einen Art "Selbstverwirklichungstrip".

    RETRO ist sicher nicht alles, aber ein Kundenbereich mag halt RETRO - aus welchen Gründen auch immer. Wirtschaftlich ist es sinnvoll auf Kunden zuzugehen.

    Auf moderne Kunden, auf Kunden, die sich in der Markenbotschaft wiederfinden wollen, aber auch auf RETRO-Kunden.

    TRIUMPH geht jetzt (wieder) einen Schritt auf die RETRO-Begeisterug mancher Kunden zu.

  • Das erste aktuelle Motorrad seit langem, das ich gerne haben würde. Hut ab, Triumph - gefällt mir sehr. Alles, was aktuell Naked-Bike heißt, ist mir immer noch zu zackig, zu viel Schrauben, keine Harmonie in der Linie.

    Die Triumph spielt für mich in der gleichen Liga, wie der Alfa 4c - auch hier wurde moderne Technik zur Verbesserung des Fahrzeugs eingesetzt (Leichtbau) und beim Design hat jede einzelne Linie ihre Berechtigung. Bei den aktuellen Mercedes' zum Beispiel hat man den Eindruck, jede Sicke diene nur der Austeifung des viel zu dünnen Blechs.

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