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Tumminellis Designkritik: Daihatsu Trevis: Der wahre Mini

Beim ersten Blick erkennt man, dass Daihatsus Trevis ein Plagiat vom BMWs Mini ist. Bei genauerer Betrachtung muss man zugeben, dass er wohl der eigentliche Mini-Nachfolger ist.

von Paolo Tumminelli
Die wichtigsten Kritikpunkt zum Daihatsu Trevis im Überblick. Grafik: Handelsblatt
Die wichtigsten Kritikpunkt zum Daihatsu Trevis im Überblick. Grafik: Handelsblatt

Japaner kopieren gerne. Na und? Tun wir Europäer das nicht? Die Bayern nutzten 2001 die legendäre und eingeschlafene Ikonenmarke Mini als Plattform für einen völlig neuen Kompaktwagen. Eine richtige Entscheidung, denn keine Marke in diesem Segment war emotional stärker aufgeladen. Gut war es auch, dem künftigen Auto Kompaktklassen-Charakter zu verleihen: Bulliger und erwachsener sollte es werden. Viele liebten den Look des Mini, fanden das Originalfahrzeug allerdings zu klein, langsam und unbequem. Aus dem Briefing wurde ein anderes Auto mit einer anderen Positionierung, das sehr erfolgreich eine andere – mindestens zur Hälfte männliche – Zielgruppe anspricht als sein Vorbild.

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Sir Alec Issigonis hatte den 1959er-Mini als Raumwunder konzipiert: der kleine Motor kompakt vorne untergebracht, die kleinstmöglichen Räder weit in die Ecke geschoben, damit 80 Prozent des Platzes für die Insassen und deren Gepäck frei wird, dazu eine raffinierte, aber geradezu spartanisch-minimalistische Konstruktion. Die unbequemen und harten Sitze entschuldigte Issigonis mit Sicherheitsgründen: Schließlich solle man beim Fahren nicht einschlafen!

Dass das kurze und breite, tief gelegte Auto nicht nur in der Stadt wendig war, sondern auch auf der Rennstrecke wie ein Gokart fuhr, ist eine Entdeckung John Coopers, dem die Montecarlo- und sonstige Rennerfolge zu verdanken sind. BMWs Mini beruft sich gerne auf diese Tradition und ist mehr Macho-Flitzer als ein intelligenter Alleskönner. Er ist zwar süß, sexy und macht süchtig. Genauer betrachtet – und trotz korrekter Markenzugehörigkeit –, ist er allerdings kein echter Mini. Das ist bei Daihatsus Trevis nicht anders. Er basiert auf dem Cuore-Modell, das ästhetisch dem Mini-Look angepasst wurde.

Aber wie unecht ist der Trevis? Ein klarer Minuspunkt ist die Marke: Man will dieses Gesicht nicht mit einem japanischen Label verbinden. Dann fällt etwas anderes auf. Unvoreingenommen gesehen, wirkt das Auto sympathisch und persönlich.

Man sieht das bekannte Gesicht in Zusammenhang mit den kleinen, in die Ecken geschobenen Rädern. Man betrachtet die gewollte Disharmonie zwischen kurzer Motorhaube und dem klobigen, aber geräumigen Körper. Man findet in den sanften, simplen Linien eine gewisse, vergessene Einfachheit wieder.

Im Trevis entdeckt man den Mini von Issigonis und stellt gleichzeitig mit Erleichterung fest, dass dieser – 50 Jahre seit seiner Erfindung – zum globalen Gemeingut geworden ist. Jeder hätte es machen können, Daihatsu hat es gewagt.

Paolo Tumminelli ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.

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