Tuning in Zeiten des Klimawandels
Aufmotzen und an die Umwelt denken

Autotuning scheint angesichts des Klimawandels nicht mehr zeitgemäß. Die Tuning-Branche hat aber längst Lösungen parat, mit denen sich die Vorlieben der PS-Fraktion und der Klimaschutz vereinen lassen sollen.

dpa/gms HILTMANNSDORF/KEMPTEN. Aufmotzen und dabei an die Umwelt denken, könnte das Motto lauten. Existenzsorgen wegen der Klimaschutzdebatte machten sich die Unternehmen daher nicht, sagt Hans-Jörg Köninger, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Automobil-Tuner (Vdat) in Hiltmannsdorf in Bayern. Er verweist auf Technologien, mit denen sich die Effizienz der Serienmotoren steigern lässt. „Das Bestreben ist dabei, bei mehr Leistung weniger Sprit zu verbrauchen“, erklärt Köninger. Bei solchem „Öko“- oder „Eco-Tuning“ verbesserten sich die Abgaswerte sogar.

Der VW- und Audi-Tuner Abt aus Kempten etwa nennt die Technologie „intelligent Sport“. Sie ermöglicht für die 2,0 Liter großen TFSI-Aggregate des VW-Konzerns mit werksseitig 147 kW/200 PS eine Leistungssteigerung auf 176 kW/240 PS. Gleichzeitig verringert sich laut Abt der Spritverbrauch im Vergleich zu den Serienmodellen um bis zu vier Liter auf 100 Kilometer - gemessen bei schneller Autobahnfahrt. Auch der CO2-Ausstoß sinke um bis zu 22 Gramm pro Kilometer (g/km). Erreicht werden diese Werte durch Änderungen an der Motorsteuerung und am Seriengetriebe. Kosten einer „iS“-Umrüstung: ab 3 422 Euro.

Auch das Unternehmen SKN Tuning im niedersächsischen Benstorf hat seit einiger Zeit ein „Eco-Tuning“ im Programm. Dabei wird der Motor durch Änderungen am Steuerchip nicht auf größtmögliche Leistung, sondern möglichst geringen Verbrauch getrimmt. Wegen der Klimadebatte und steigender Spritpreise gebe es eine zunehmende Nachfrage, sagt Michael Schiffer von SKN.

Beim „Eco-Tuning 75“ läuft der Motor bis zu einer Gaspedalstellung von 75 Prozent im Sparmodus. Wird das Gaspedal voll durchgetreten, greife dagegen das nur auf Leistungsmaximierung ausgelegte „Power-Tuning“. „Umgerüstete Fahrzeuge erreichen eine Spriteinsparung von sieben bis zwölf Prozent“, sagt Schiffer. Umstellen ließen sich sowohl Benziner als auch Diesel. Erhältlich sei das Programm zu Preisen ab 250 Euro.

Doch Effizienztechnologien sind nur ein erster Schritt. „Die Unternehmen entwickeln Lösungen, die mit nachwachsenden Rohstoffen arbeiten“, sagt Köninger. Ein Ansatz seien „Flex-Fuel“-Technologien zum Nachrüsten für den Betrieb getunter Motoren mit Ethanol. Ethanol wird aus Biomasse gewonnen und ist laut Köninger bei der Verbrennung CO2-neutral. Auch die Hersteller bieten zunehmend entsprechende Serienmodelle an. „Niemand denkt aber bislang an die Nachrüstung bestehender Fahrzeuge.“

Abt wird als nächstes die „iS“-Technologie mit Flüssiggas anbieten, sagt Technikchef Andreas Zeilbeck. Auch Erdgas sei eine mögliche Variante. Fertig entwickelt sei zudem ein Programm für die Umrüstung von Motoren auf Ethanol E85. Langfristig denkt Zeilbeck an Tuning-Programme, die verschiedene Kraftstoffe kombinieren, etwa Normal-, Superbenzin, E85 und Flüssiggas - „nach dem Motto: schütt' rein, was Du willst.“

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