Tuning nach alter Väter Sitte
Dodge Viper SRT-10: Die schnelle US-Schlange

In Deutschland steht Dodge vor allem für preiswerte und bisweilen vorlaute Autos in der Kompakt- und Mittelklasse. Doch in den USA kultiviert die wilde Schwester von Chrysler und Jeep ihr kraftstrotzendes Image mit einem ganz anderen Fahrzeug: der Viper.

dpa-infocom HAMBURG. Die schnelle Schlange aus Detroit, die in homöopathischen Stückzahlen auch über den Atlantik gelangt ist, basiert zwar konstruktiv auf einem Lastwagen. Doch mit einem aufregenden Design, einem gewaltigen Motor und mit brachialen Fahrleistungen hat sich der giftige Renner einen Platz im Feld der Supersportwagen erobert.

Möglich wird das allein durch den imposanten Hubraum: Statt 3,8 Liter wie der Porsche 911, 5,2 Liter wie der Lamborghini Gallardo oder 6,2 Liter wie die ewige Konkurrentin Corvette hat der Motor der Viper rekordverdächtige 8,4 Liter Hubraum, die sich auf zehn Zylinder verteilen. Aus diesem riesigen Raum schöpft der Zehnzylinder auch eine gewaltige Kraft: 612 PS und 760 Newtonmeter machen den Zweisitzer im Modelljahr 2009 zur giftigsten Viper aller Zeiten und kurzfristig auch zum stärksten Sportler der USA - nur die Corvette ZR1 hat mehr Leistung. Aber die ist noch nicht zu kaufen.

Schnell wie eine Natter auf der Jagd

Von Komfort und Laufkultur kann bei einem Truck-Motor im Anabolikarausch allerdings keine Rede mehr sein: Im Standgas laufen Zylinder und Getriebe holprig, erst wenn der V10 auf Touren kommt, fühlt sich die Viper wohl. Doch gemächlich dahingleiten kann man mit diesem Auto nicht. Kaum tritt man aufs Gas, wechselt die Klangkulisse von einem tiefen Brummen in ein heißeres Brüllen, und die Schlange schießt davon wie eine Natter auf der Jagd. Mit ein bisschen Geschick im Spiel zwischen Kupplung und Gas kommt man in 3,7 Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde (km/h). Und Schluss ist erst bei 326 km/h.

Fahrerisches Können ist gefragt

Dabei bewegt sich die Tanknadel freilich fast so schnell wie der Tacho, und das Lenkrad wird bisweilen ein wenig unruhig. Dennoch darf keiner auf elektronische Helfer hoffen: Zwar packen die Bremsen zu wie Schraubstöcke und werden immerhin mit einem ABS geregelt. Doch wer in einem solchen Rennwagen ESP oder Traktionskontrolle erwartet, würde sein Mountainbike wohl auch mit Stützrädern bestellen.

Nix für den Alltag

Aber das Fahren ist nicht nur harte körperliche Arbeit, es ist obendrein auch unbequem. Wo andere Hersteller ihre Sportwagen als Alltagsautos loben, macht Dodge den Kunden keine Illusionen: Die Viper ist ein Rennwagen, bei dem Komfort zur Nebensache wird und die Entwickler mit dem Platz geizen. Also zwängen sich Passagiere mit Hilfe der Schwerkraft in zwei enge Schalensitze, die vom hohen Mitteltunnel getrennt werden, fädeln die Füße in einen schlanken Tunnel und sehen zu, dass sie möglichst schnell das Cabrio-Verdeck öffnen, um den Kopf wieder gerade zu rücken.

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