Umweltministerium sagt Nein zur weiteren Begünstigung
Flüssiggas im Autotank - Alternative zum Benzin?

Die große Nachfrage nach Rohöl auf den Weltmärkten und hohe Steuern haben die Benzinpreise in den vergangenen Jahren auf Rekordniveau steigen lassen. Die Verbraucher an den Tankstellen sind ratlos.

HB MÜNSTER. Alternative Treibstoffe rücken ins Blickfeld. Selbst Autogas, einst als Revolution gefeiert und in den 80er Jahren praktisch vom Markt verschwunden, rückt wieder in den Fokus. Autogas ist etwa halb so teuer wie Benzin. 2005 stieg der Absatz nach Berechnungen des Deutschen Verbandes Flüssiggas um 90 Prozent.

An diesem Mittwoch soll der Finanzausschuss des Deutschen Bundestages entscheiden, ob das als Abfallprodukt bei der Erdgasförderung und bei der Erdölraffinierung entstehende Propan- Butan-Gemisch - ähnlich wie Erdgas - auch nach 2009 noch steuerlich gefördert werden soll. Derzeit liegt der Steueranteil sowohl bei Erdgas als auch bei Autogas bei 9,7 Cent pro Liter. Benzin wird dagegen mit etwa 65 Cent pro Liter besteuert. Experten sehen den Ausgang der Abstimmung als entscheidende Weichenstellung dafür, ob Autogas künftig als Wirtschaftsfaktor weiter an Stellenwert gewinnt oder in der Bedeutungslosigkeit versinkt.

Das Bundesumweltministerium sagt Nein zur weiteren Begünstigung von Autogas. Der Brennstoff würde die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, speziell auch vom Erdöl, manifestieren. Und auch die Einsparung von Kohlendioxid sei geringer als bei Erdgas, heißt es in einem Papier des Ministeriums. Erdgas könne den Kohlendioxid- Ausstoß - maßgeblich für den Treibhauseffekt - im Vergleich zu Benzinmotoren um 25 Prozent reduzieren. Autogas nur um neun Prozent. Außerdem sei Erdgas deutlich sicherer, falls es einmal zu einem Leck kommen sollte.

Die Industrie ist völlig anderer Meinung. Autogas sei nicht nur umweltfreundlicher als Erdgas, sagt Wolfgang Fritsch-Albert, Vorstandsvorsitzender der Westfalen AG in Münster. Autogas sei Erdgas auch technisch deutlich überlegen. Die Nachrüstung sei mit rund 2000 bis 2500 Euro um die Hälfte billiger als bei Erdgas.

Die Reichweite mit einer Tankfüllung sei deutlich höher. Und das Tankstellennetz sei mit 1300 Stationen in Deutschland bei Autogas doppelt so dicht geknüpft. 80 000 mit Autogas betriebenen Fahrzeugen in Deutschland stehe nur etwa die Hälfte Autos gegenüber, die Erdgas verbrennen. Die Umrüstung lohnt sich im Geldbeutel. Nach Berechnungen des ADAC müssen Autofahrer - je nach Fahrzeugtyp - nur 30 000 bis 50 000 Kilometer fahren, um die Kosten wieder reinzuholen.

Die Westfalen AG ist einer der Marktführer für Autogas in Deutschland. Ihre Tochterfirma Westfalengas versorgt schon jetzt 160 öffentliche Tankstelle mit Flüssiggas. Weitere 170 Stationen sollen bis Jahresende in Betrieb gehen. Bis 2020 will Wolfgang Fritsch- Albert sogar 1000 Tankstellen beliefern und damit einen Marktanteil in Deutschland von 20 Prozent erreichen. Eine Million Fahrzeug könnten dann in Deutschland mit Autogas fahren. Die Umsätze der Westfalen AG mit dem Treibstoff würden von jetzt 15 auf dann 400 Millionen Euro wachsen.

Fritsch-Albert verspricht dafür, Investitionen in Höhe von 45 Millionen Euro und jede Menge Arbeitsplätze - auch bei Umrüstbetrieben. „Das geht aber nur, wenn die Steuerbegünstigung bleibt“, sagt er. In anderen europäischen Ländern, etwa den Niederlanden oder Italien, ist Autogas längst so etabliert wie Benzin. In Österreich dagegen ist es eher bedeutungslos. Eine Steuererhöhung hatte Autogas in der Beliebtheit der Kunden drastisch sinken lassen.

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