Unerwarteter Erfolg rief Konkurrenz auf den Plan
Einzigartig aber nicht der Einzige: Der Golf GTI

HB WOLFSBURG/RÜSSELSHEIM. Ein kleines Auto mit 110 PS und der Bezeichnung GTI: das wäre heute nichts Besonderes. Vor 30 Jahren jedoch wurde der erste Golf GTI zum Stammvater einer Reihe kompakter Modelle mit sportlichem Charakter.

Dass sich die Idee derart durchsetzt, hatte kaum jemand geglaubt. Das Prinzip GTI war zunächst nur eine Art Schnapsidee - ein gewisser Alfons Löwenberg soll es als erster gewagt haben, dem 1974 erschienenen Golf mit einem 100 PS starken Motor Beine zu machen. Das Projekt nahm Form an, als man auf die Idee kam, einen Motor aus dem Audi 80 GTE unter die Fronthaube des Golf zu verpflanzen. Während die Besitzer der durchschnittlichen Opel Rekord und Ford Granada stolz waren, wenn der Tacho 160 anzeigte, war im GTI erst bei mehr als 180 Stundenkilometern Schluss. Trotzdem glaubten auch die Verantwortlichen nicht an einen Erfolg im Massengeschäft.

Bereits 1973 hatte man bei Ford die erste Generation des Escort in ein betont sportliches Fahrzeug verwandelt. Das trug die Bezeichnung Rs2000 und wurde auf Fotos gern in „Kriegsbemalung“ vorgestellt - mit weißem Lack und blauen Streifen. Der Inhalt des Sportpaketes bestand aus einem Zweiliter-Motor mit stattlichen 100 PS.

Daneben kamen weitere Kniffe zum Einsatz: Das Fahrwerk wurde aufgewertet, die Karosserie tiefergelegt. Dazu gab es noch verbreiterte Kotflügel und schicke Felgen. Ford machte bei der zweiten Escort-Generation weiter und bot ab 1975 den nächsten Rs2000 an, diesmal mit 110 PS - ein Jahr vor Einführung des Golf GTI.

Opel hatte ebenfalls vor Volkswagen den Sport entdeckt, und das sogar mit drei sehr ähnlichen Buchstaben gekennzeichnet. Das GT/E prangte schon am Heck der Topversion des 1970 eingeführten Manta A. Der war allerdings schon durch seine Karosserieform als eher sportliches Coupé gekennzeichnet. 1975 hielt das Kürzel auch Einzug in die Kompaktklasse: In jenem Jahr erschien laut Opel in Rüsselsheim der Kadett C GT/E. Unter dessen Haube arbeitete ein 1,9-Liter-Motor mit 105 PS, für die entsprechende Optik sorgte die Kombination der Lackfarben Schwarz und Gelb.

Während Autos wie ein Rs2000 oder der Kadett GT/E schon optisch ihre Sportlichkeit zeigten, hatte man bei BMW einige Jahre zuvor das Thema GTI auf andere Art vorweg genommen. Dort gab es mit der so genannten 02-Baureihe seit 1966 eine kräftige und kompakte Limousine. 1971 schließlich wurde die Baureihe durch das Modell touring ergänzt, das im Grunde dem kommenden Golf recht ähnlich war. Für ordentliche Fahrleistungen sorgten auf Wunsch Motoren mit bis zu 130 PS.

Doch all diese Autos wurden nicht zur Massenware. Der Golf GTI dagegen erschien zur rechten Zeit und vermied Fehler wie eine zu dick aufgetragene Sportlichkeit. Als die ersten Fahrzeuge Mitte 1976 zu den Händlern kamen, waren sie praktisch schon ausverkauft, mittlerweile denken laut Volkswagen 90 Prozent der Europäer bei der Buchstaben-Kombination GTI an den Golf.

Der unerwartete Erfolg rief die Konkurrenz auf den Plan. 1977 kam sogar Citroën auf die Idee, eine sportliche Ausführung der noblen Limousine CX mit der Bezeichnung 2 400 GTi auf den Markt zu bringen. Andere dagegen schmollten und rührten lieber in ihrem eigenen Buchstabensalat. Opel ersetzte GT/E durch GSi. Ford peppte den Fiesta als XR2 und den Escort als XR3 sportlich auf.

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