Verkehrssicherheit
Beleuchtung als Wachmacher: Blau wirkt am besten

Als Ursache von Unfällen in der Nacht oder Dämmerung vermutet die Polizei oft den Sekundenschlaf: Der Fahrer nickt ein und gerät in den Gegenverkehr oder kommt von der Fahrbahn ab. Solche Unfälle soll die Technik vermeiden helfen. Immer mehr Autos erhalten Warner, die Alarm schlagen, bevor dem Fahrer die Augen zufallen. Und Wissenschaftler forschen bereits an einer Innenraumbeleuchtung, die den Fahrer gar nicht müde werden lässt.

dpa/tmn MÜNCHEN/SCHWALBACH. Am Rensselaer Polytechnic Institute im US-Staat New York zeigte sich, dass das Licht blauer Leuchtdioden (Leds) mit spezieller Wellenlänge die Aufmerksamkeit verbessert. Die Forscher fragen sich nun, wie das praktisch umsetzbar ist. Ein Ansatz ist, mit leuchtenden Wachmachern die Sicherheit zu verbessern. Die Forscher erwägen, blaue Leds als Innenraumbeleuchtung einzusetzen. An Raststätten könnten zudem blaue Lichtduschen für schläfrige Fahrer installiert werden.

Blaues Lichts kann laut Thomas Kantermann, Chronobiologe an der Uni München, die innere Uhr stimulieren: "Licht ist einer der wichtigsten Zeitgeber für den Menschen. Wir wissen, dass die innere Uhr ihr Hauptempfinden im blauen Bereich hat." Das rühre daher, dass blaues Licht von der Wellenlänge her dem Tageslicht sehr ähnlich ist.

Theoretisch lasse sich daher mit blauem Licht die Aufmerksamkeit von Autofahrern bei Nachtfahrten erhöhen. "Alles, was die innere Uhr regelt, wirkt sich auch auf die Aufmerksamkeit aus", sagt Kantermann. Doch bei der Umsetzung ergäben sich Probleme. "Es ist nicht damit getan, dass man an eine Raststätte fährt, eine Lichtdusche nimmt, und schon ist man wieder wieder topfit."

So sei die Wirkung davon abhängig, wie empfindlich jemand auf Licht reagiert. Dauer und Intensität seien ebenso wichtig wie der Zeitpunkt, an dem jemand dem LED-Licht ausgesetzt wird. Kantermann warnt daher vor vorschnellen Rückschlüssen auf praktische Anwendungen - zumal die Lichttherapie auch Risiken berge. So sei es möglich, dass nach einer Lichtdusche der Fahrer nach einer kurzen Wachphase umso müder wird. Hinzu kommt, dass die hohe Intensität, mit denen die Lampe strahlen müsste, auf Nachtfahrten im Auto eher hinderlich wäre.

Diese Erfahrung haben auch die Entwickler bei VW gemacht, die vor einiger Zeit mit einer "Vigilanzleuchte" experimentierten. Die Lampe, die himmelblau strahlte, führte laut VW-Sprecher Hartmuth Hoffmann zu Nachteilen beim Hell-Dunkel-Sehen: "Das Licht war für Nachtfahrten zu hell."

Beim Zulieferer VDO Automotive in Schwalbach in Hessen verfolgt man das Forschen zum "Wachmacherlicht". Für die Entwicklung der eigenen Beleuchtungen spiele es aber keine Rolle, sagt Lichtexperte Heinrich Noll. Den Schwerpunkt lege man auf Instrumente, die gut lesbar sind, den Fahrer nicht überanstrengen und nicht mit Infos überfrachten.

Wünschenswert ist laut Noll ein Nachtdesign aus nur zwei Farben. So soll ein ruhiges Farbbild entstehen. Die zweite Farbe ist nur für Warnhinweise da. Der Trend gehe außerdem hin zu ungesättigten Farben: Statt tiefrot oder-blau leuchten Kombiinstrumente immer häufiger in Weißtönen oder Blassgrün, was sie besser ablesbar macht.

Manchmal nützen aber alle Bemühungen wenig - wenn sich etwa bei der Entwicklung die Designer mit ausgefallenen Beleuchtungswünschen durchsetzen. Bei den Herstellern gibt es laut Noll eine Tendenz zu Lichteffekten und Designelementen. "Dies führt zu recht farbenfrohen Instrumenten." Unter Wahrnehmungsgesichtspunkten muss das nicht immer die beste Lösung sein.

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