Verkehrssicherheit
Hightech verhindert Unfälle

Geht es nach den Zulieferern, sollen Assistenzsysteme im Auto das Fahren schon bald sicherer machen - ein Drittel weniger Unfalltote erhofen sich Experten. Doch noch steht die Entwicklung am Anfang - und vor allem die älteren Autofahrer machen der Branche zu schaffen.
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STUTTGART/FRANKFURT. Die Aufgabe stößt im wahrsten Sinne des Wortes an eine Hemmschwelle: Der Fahrer soll in einem umgebauten 5er-Test-BMW auf ein Hindernis in Gestalt eines weißen Würfels zuhalten - das Bremspedal ist tabu. Das dazu nötige Vertrauen bringt keiner auf, zumindest nicht beim ersten Mal. Erst nachdem der Computer im Auto, der mittels Radar und Kamera Objekte erkennen und unterscheiden kann, den Wagen wirklich mehrmals kurz vor dem Aufprall automatisch zum Stehen bringt, wächst das Zutrauen des Testfahrers in das neue Fahrerassistenzsystem, das mehr Sicherheit in künftige Serienfahrzeuge bringen soll.

Im Frankfurter Stadtteil Rödelheim betreibt der Automobilzulieferer Continental eine rund eineinhalb Kilometer lange Teststrecke. Umrahmt von den realen Autobahnen A5 und A66 testen die Ingenieure auf dem streng abgeschirmten Gelände die erhofften Umsatzträger von morgen. "Wir investieren seit zehn Jahren hohe Summen in die Erforschung von Fahrerassistenzsystemen und legen damit erst einmal vor", sagt Ralf Cramer, Chef der Division Chassis & Safety von Conti. Die Zulieferer müssen zuerst die Hersteller vom Nutzen ihrer Entwicklungen überzeugen - und der Kunde am Ende bereit sein, für das Mehr an Sicherheit auch zu bezahlen. Beides ist nicht ganz einfach.

Die ersten Vorboten der automatisierten Autowelt sind im Einsatz, vor allem Abstandshalter und Hinderniswarner bei Nacht und Nebel. Im neuen Volvo XC60 beispielsweise sorgt ein Bremsassistent bereits für mehr Sicherheit im Stadtverkehr. Das System reagiert bis zu einer Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde automatisch, sollte ein Auffahrunfall drohen. "Vision Zero" nennen die Conti-Entwickler ihren Traum vom unfallfreien Fahren. Die technische Hilfe soll die Freiheit des Fahrers nicht einschränken, sondern ihn entlasten. Zur Veranschaulichung verweist Conti-Entwickler Michael Darms auf ein System namens Adaptive Cruise Control. "Damit kann ich komfortabel den Sicherheitsabstand einhalten und in der Konsequenz entspannter fahren."

Ab 2012 wollen die Zulieferer dem Fahrer durch neue Assistenzsysteme deutlich mehr Komfort und Sicherheit bieten. Und das nicht nur in traditionell innovationsreichen Luxuslimousinen wie der S-Klasse von Mercedes. "Das Ziel ist Sicherheit für alle und keine Zwei-Klassen-Gesellschaft", sagt Cramer. 400 Conti-Ingenieure arbeiten am Standort Lindau an der Demokratisierung des unfallfreien Fahrens.

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