Vernetztes Fahren

So revolutioniert die Cloud das Auto

Das Auto galt lange als der „letzte weiße Fleck“ des Internets. Inzwischen zieht die Cloud ins Auto ein. Die deutschen Konzerne arbeiten mit Hochdruck am vernetzten Auto – doch am Ende könnten andere das Rennen machen.
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Monsterchips werden die Augen und das Gehirn selbstfahrender Autos der Zukunft. Sie werden sehen, verstehen und lernen. Quelle: Getty Images

Monsterchips werden die Augen und das Gehirn selbstfahrender Autos der Zukunft. Sie werden sehen, verstehen und lernen.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfZwei große Trends beherrschen in der Autobranche derzeit die Schlagzeilen. Zum einen das Elektroauto, das die Energiewende auf Rädern voranbringen soll. Zum anderen das autonome Fahren – mal als reine Vision eines selbstfahrenden Autos, mal als Stauassistent in bereits heute erhältlichen Luxusautos. Doch außer zahlreichen Schlagzeilen haben diese beiden Trends wenig hervorgebracht. Das Elektroauto bleibt ein wahrer Exot auf den Straßen und die selbstfahrenden Autos sind – Stand 2015 – noch nicht einmal legal. Dabei wird ein dritter Trend oft unterschlagen. Und zwar einer, der bereits real ist: das vernetzte Auto.

Das vernetzte Auto ist mit dem Internet verbunden und kann so Musik streamen, vor Staus und anderen Gefahren warnen oder auch ferngesteuert werden – sei es die Standheizung, der Ladevorgang eines Elektroautos oder dass der Wagen von alleine in die schmale Lücke einparken soll, wenn der Fahrer per App den Befehl gibt. Die Cloud macht’s möglich.

Bereits 2020, so schätzt es zumindest die britische Analyse-Plattform BI Intelligence, werden 75 Prozent der in diesem Jahr weltweit ausgelieferten 92 Millionen Autos grundsätzlich zu einer Internetverbindung fähig sein. Dabei wächst der Markt für vernetzte Autos zehn Mal schneller als der Gesamtmarkt – von Wachstumsraten jenseits der 40 Prozent können Automanager sonst nur träumen. Auch die potenziellen Umsätze sind enorm: Laut einer Prognose der Beratungsgesellschaft Strategy& liegt das digitale Geschäftspotenzial der Autobranche im Jahr 2020 bei 14 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Aktuell sind es lediglich 830 Millionen Euro.

Diese Datenstrategien nützen Ihrem Unternehmen
Smart Data
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In ihrem Buch „Smart Data - Datenstrategien die Kunden wirklich wollen und die Unternehmen wirklich nützen“, das gerade im Redline Verlag erschienen ist (ISBN: 386881583X) warnen die drei Autoren Björn Bloching, Lars Luck und Thomas Ramge vor den Gefahren von Big Data. Statt dessen empfehlen sie einen alternativen Ansatz namens Smart Data, bei dem das Volumen der Daten keine Rolle mehr spielt. Mit dem Fokus auf unternehmensinternen Prozessen erläutern sie ihre Ideen für das Management von Datenprojekten anhand vieler Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Entwicklung datenbasierter Strategien. Ein paar ihrer Ideen für Sie im Überblick!

Von Big Data zu Smart Data
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Weniger ist mehr! Der Hype um Big Data flacht langsam ab. Bei vielen Anwendern in den Unternehmen macht sich zurzeit Ernüchterung und Enttäuschung breit - aus den riesigen Datenmengen wirklich nützliche Erkenntnisse zu ziehen, ist viel mühsamer, als Technologen und IT-Anbieter gerne behaupten. Natürlich müssen Unternehmen heute ihre digitale Kompetenz erhöhen. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Wie nutzen Unternehmen Daten wirklich effizient, ohne sich selbst technisch, personell und finanziell zu überfordern?

Schritt 1: Die richtigen Fragen stellen
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Zunächst raten die Experten dazu zu formulieren, warum Sie überhaupt eine Smart-Data-Strategie benötigen. „Benennen Sie das Businessproblem, das es zu lösen gilt“, so Bloching, Luck und Ramge. Am besten bearbeiten Sie die Fragestellung fernab vom Firmenareal in einem moderierten Kreativ-Workshop mit Mitarbeitern unterschiedlicher Hierarchieebenen und auch mit Leuten aus externen Gruppen, etwa mit Kunden oder Lieferanten, die Expertenwissen zu den einzelnen Gliedern der Wertschöpfungskette mitbringen. Wenn das Problem gefunden ist, stellen Sie vorläufige Hypothesen zu dessen Ursachen auf.

„Unser Unternehmen wächst nicht“
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Im Fall des Problems „Unser Unternehmen wächst nicht“ könnte eine solche Hypothese lauten: „Wir adressieren regional die falschen Märkte.“ Dann überlegen Sie, wie Sie durch Daten zu besseren Lösungen gelangen könnten. Daraus ergeben sich Projekte bzw. Maßnahmen, die im Workshop oder durch das Topmanagement im Hinblick auf ihr Potenzial priorisiert werden. Blocking, Luck und Ramge: „Bedenken Sie: Die Maßnahmen mit der wahrscheinlich größten Wirkung sind nicht unbedingt die, die am spektakulärsten klingen.“

Schritt 2: Die richtigen Daten nutzen
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„Sie müssen nicht unendlich viele, sondern bloß die richtigen Daten sammeln“, schreiben Bloching, Luck und Ramge. Diese sollten dann so heterogen wie möglich sein. Listen Sie bereits vorhandene Datenquellen auf. Schätzen Sie den Aufwand ab, fehlende Daten zu erheben, zu tauschen oder zu kaufen. Verzweifeln Sie nicht, wenn ein geplanter Datenzukauf zu teuer ist. Denken Sie in diesem Fall über Datenpartnerschaften mit anderen Unternehmen nach – oder versuchen Sie, aus den vorhandenen Daten das Beste zu machen. Der Wert unstrukturierter Daten wie etwa aus Social Media wird oft über-, jener von Kundendaten in den eigenen Datenbanken häufig unterschätzt. Sie brauchen eventuell auch kein teures IT-Tool; eine gut gemachte Excel-Analyse könnte ausreichen.

Schritt 3: Den Kunden verstehen
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Eruieren Sie die bestehenden Kundensegmentierungen im Unternehmen. Oft werden in den unterschiedlichen Abteilungen zu viele parallele Segmentierungen genutzt, sodass Marketingmaßnahmen sich gegenseitig behindern. Ein Team aus Vertriebsmitarbeitern kann schon mit kleinen Datenpools von einigen Hundert Kaufhistorien eine smarte Segmentierung erarbeiten. Nutzen Sie als Basis dafür solche Daten, die auch künftig kontinuierlich bereitstehen werden, damit Sie die Analyse regelmäßig updaten können. Befragen Sie auch Kunden, die eben gerade nicht bei Ihnen gekauft haben. Am Ende der Analyse stehen Kundengruppen mit klar definiertem Konsumverhalten. Achten Sie bei der Segmentierung auf Eigenschaften, anhand derer die Vertriebler später zumindest 70 Prozent der Kunden eindeutig einem Segment zuordnen können.

Schritt 4: Die eigene USP herausarbeiten
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Nun ist es Zeit, an der Unique Selling Proposition (USP) zu arbeiten und die notwendigen Änderungen am Angebot – etwa Aktionsrabatte, Sortiments- oder Produktanpassungen – zu konzipieren, damit Kunden aus bestimmten Kundensegmenten öfter bei Ihnen kaufen. Diese Veränderungen sollten machbar sein. Beginnen Sie mit solchen, die den höchsten Nutzen versprechen. Testen Sie sie an Kontrollgruppen, sodass Sie lernen und die Erkenntnisse
beim nächsten Smart-Data-Zyklus einbringen können.

Einzig: Die Kunden bleiben skeptisch. Wolfgang Bernhart, Partner bei der Beratungsgesellschaft Roland Berger, kennt die Gründe für diese Zurückhaltung: „Was heute in den Fahrzeugen verbaut wird, ist oft nicht kundenadäquat“, sagt Bernhart. „Wenn ich zum Beispiel einen Werkstatttermin ausmachen will, dann mache ich das nicht mit einer App aus dem Fahrzeug heraus, sondern telefonisch oder vom Rechner aus über das Internet. Solche Apps gehen am Bedarf vorbei.“

Wie groß die Zurückhaltung ist, zeigt die Prognose von BI Intelligence. In fünf Jahren werden insgesamt 220 Millionen vernetzte Autos unterwegs sein. „Wir erwarten aber, dass die Kunden die vernetzten Dienste in nur 88 Millionen Autos aktivieren werden“, heißt es in dem Bericht.

Mit dem Mehrwert soll die Nachfrage wachsen
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1 Kommentare zu "Vernetztes Fahren: So revolutioniert die Cloud das Auto"

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  • Es gibt sehr sinnvolle Dienste im vernetzten Auto: Das RTTI zB. wie im Artikel beschrieben hilft jedem Vielfahrer oder Pendler täglich. Auch andere Dienste, zB. den Stauassistenten, der auch bis 60km/h lenkt, kann ich mir persönlich vorstellen. Der Spaß hört allerdings sofort auf, sobald die Daten nicht mehr sicher sind. Das heißt für mich, daß die Daten mir gehören und nicht der Versicherung oder der Polizei. Ich werde mich nicht fernsteuern lassen. Wenn das mal kommen sollte, werde ich nur noch Youngtimer fahren.

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