Virtuelle Autoentwicklung
Rechner-Simulation statt Rüttelstrecke

Zeit, Wetter und Straßenbeläge, –in den virtuellen Welten der Computersimulation haben die Entwickler von Autos eigentlich alles im Griff. Doch auf Tests im Hier und Heute wollen sie nicht komplett verzichten. Aus gutem Grund.
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dpa/tmn MÜNCHEN. Jürgen Engelmann steht dick eingepackt in der klirrenden Kälte. Der Ingenieur arbeitet in der Entwicklung von BMW in München und ist Leiter des neuen Energie- und Umwelttechnischen Versuchszentrums, das die Bayern in diesem Sommer eröffnet haben. Und dort ist es mitunter ganz schön frostig.

In der rund 130 Mill. Euro teuren Anlage können die Entwickler nahezu jede Witterung erzeugen. "Aufwendige Testfahrten in den hintersten Winkeln der Welt werden so wesentlich seltener nötig", sagt Engelmann. Er blickt auf die fünf Prüfstände, mit denen sein Team Wind und Wetter und verschiedene Luftdrücke simulieren kann. "Wir verkaufen unsere Autos weltweit, also muss jedes Fahrzeug in jeder Klimazone optimal funktionieren", sagt Hausherr und Entwicklungsvorstand Klaus Draeger.

Mit dem neuen Simulationszentrum folgt BMW einem Trend, den man bei vielen Herstellern beobachten kann: Sie testen ihre neuen Modelle in virtuellen Welten. "Dafür gibt es viele gute Gründe", sagt Mercedes-Sprecher Ralf Stadelmaier: "Prototypen sind extrem teuer, die Zeit während der Entwicklung ist knapp und obendrein wollen wir uns bei der Arbeit möglichst nicht über die Schulter schauen lassen."

Statt die geheimen Autos von morgen rund um den Globus zu fliegen und sie unter den neugierigen Augen von Konkurrenten oder PS-Paparazzi auf Herz und Nieren zu testen, setzen die Hersteller lieber auf Simulation. "Dadurch gewinnt der Entwicklungsprozess an Effizienz", erläutert BMW-Vorstand Draeger. Auch würden weniger Prototypen benötigt.

Neben den logistischen, zeitlichen und damit finanziellen Gründen sprechen auch technische Argumente für den zunehmenden Anteil von Simulationen: "Wir brauchen bei der Entwicklung jederzeit reproduzierbare Ergebnisse und deshalb immer die gleichen Rahmenbedingungen", erläutert Markus Matthes, Leiter der Fahrzeugentwicklung bei Opel in Rüsselsheim. "Wenn in Arjeplog der Schnee höher liegt oder es im Death Valley mal kälter ist, können wir die Messergebnisse nicht mehr eins zu eins vergleichen und bekommen so ein höheres Fehlerrisiko." In der Klimakammer dagegen herrscht auf Knopfdruck immer das gleiche Wetter.

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