Volkswagen E-Golf im Fahrtest
Neues Auto, bekannte Probleme

Wenn man lokal wirklich emissionslos fahren will, führt kein Weg am Elektroauto vorbei. Dabei zeigen die E-Autos meist schon optisch, dass sie anders sein wollen - oder man nimmt einen Golf.
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Wenn es um das Thema E-Mobilität geht, ist man in Wolfsburg ganz entspannt. Die Techniker haben einen Weg gefunden, Elektroautos nach Bedarf am laufenden Band zu produzieren, was letztlich nichts anderes heißt, als das die strombetriebenen Gölfe oder Ups der Nachfrage entsprechend in die normale Produktion integriert werden. Entsprechend unaufgeregt ist auch der Eindruck, den der E-Golf vor unserer Tür macht. Er ist vor allem – ein Golf.

Und zwar so sehr, dass sich während der Zeit unseres Alltagstests höchstens jemand nach dem Auto umdrehte, weil er sich wegen des fehlenden Fahrgeräuschs wunderte. Regte der vor wenigen Wochen gefahrene BMW i3 ob seiner offenkundig neuartigen Optik und Technik noch jede Menge Passanten zum Stopp und zum Gespräch an, ist der E-Golf eben ein Golf. Wenngleich für mindestens 34.900 Euro ein recht teurer, aber das ist letztlich für den Wolfsburger Bestseller ja keine neue Preisregion.

VW hat es verstanden, die erforderliche Technik so ins Auto zu integrieren, dass alles, was der normale Käufer am Golf schätzt, noch immer vorhanden ist. Das geht sogar so weit, das man zum Starten tatsächlich den Zündschlüssel wie bei einem Benziner drehen muss, obwohl es nun überhaupt nichts zu zünden gäbe und ein schlichtes Anschalten per Knopfdruck genügen würde.

Der Golf ist der König der Kompaktklasse und auch beim Raumangebot führend. In dieser Disziplin ist er dem BMW i3, der eher zu den Kleinwagen zählt, deutlich überlegen, vor allem, wenn es um den Platz hinten oder den Kofferraum geht.

Technisch ist das nicht unbedingt so, wobei man angesichts der fast identischen Listenpreise von gewissen Übereinstimmungen ausgehen könnte. Die sind aber allerhöchstens antriebsbedingt, leistet sich doch der BMW eine teure und leichte Carbon-Karosserie, während der Golf wie gewohnt auf Stahl setzt.

Das dabei gesparte Geld investiert VW in eine größere Batterie: 24,2 Kilowattstunden speichert der E-Golf. Er kommt damit theoretisch 190 Kilometer weit. Als praxisnahen Verbrauch gibt VW 130 bis 190 Kilometer an. Tatsächlich sind die 130 Kilometer an sommerlichen Tagen nicht unrealistisch, vorausgesetzt man nutzt auf Autobahnen die mögliche Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h nicht aus und bleibt im Bereich von 120 km/h. Dafür darf die Klimaanlage laufen, wobei sie sich angesichts von normalen, mitteleuropäischen Außentemperaturen nicht mühen muss.

Auf ebenen Landstraßen ist der Verbrauch naturgemäß am geringsten, die Reichweite entsprechend am größten. Wie bei herkömmlichen Autos ist für den tatsächlichen Energiebedarf der Fuß des Fahrers das entscheidende Kriterium. Wir haben uns auch im E-Golf eines gelassen-zügigen Fahrstils bedient, der einen Durchschnittsverbrauch von 17,5 kWh ergab.

Das waren knapp 2 kWh mehr als der leichtere i3 unter identischen Umständen verbrauchte. Den Normverbrauch des 85 kW/115 PS-Motors gibt VW mit 12,7 kWh an.

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