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Vor 25 Jahren ging der Bitter SC an den Start

Ungewöhnliche Menschen haben manchmal ungewöhnliche Ideen, die wiederum zu ungewöhnlichen Resultaten führen. Erich Bitter ist ein Beispiel und die Autos mit Namen Bitter sind die Ergebnisse.

dpa/gms SCHWELM. Ungewöhnliche Menschen haben manchmal ungewöhnliche Ideen, die wiederum zu ungewöhnlichen Resultaten führen. Erich Bitter ist ein Beispiel und die Autos mit Namen Bitter sind die Ergebnisse.

Viele Jahre galten sie als einzige Exoten der deutschen Autowelt. Sie vereinten den Chic italienischer Sportwagen mit deutscher Ingenieurskunst. Als vor 25 Jahren der Bitter SC seinen ersten Auftritt hatte, war dies für Autoliebhaber daher ein Ereignis.

Es ist ein riskanter Plan, in Deutschland auf eigene Faust ein luxuröses Auto zu bauen, schließlich wartet Konkurrenz wie Porsche, BMW oder Mercedes vor der Haustür. Doch Erich Bitter war nie ein Mann, der Risiken scheute. In den sechziger Jahren machte er sich einen Namen als Anbieter von Rennfahrer-Ausstattung. Er importierte auch einen Sportwagen des italienischen Herstellers Intermeccanica.

Bei diesem Auto brachte Bitter bereits eigene Ideen ein. Doch zum Autoproduzenten wurde er erst nach der Begegnung mit einer Studie von Opel: Dort hatte man auf Basis der Oberklasse-Limousine Diplomat ein Coupé entwickelt, das aber keine Chancen auf Serienfertigung hatte. Bitter jedoch machte sich daran, ein solches Auto zur Serienreife zu bringen. 1971 begann die Entwicklung, 1974 stand der Bitter CD dann auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt/Main.

Äußerlich brauchte sich der CD vor italienischen Traumautos nicht zu verstecken. Unter dem Blech dagegen verbarg sich das eigentliche Geheimnis: „Die Karosserie baute auf der Bodengruppe des Diplomat B von Opel auf“, sagt Martin Wilhelm vom Bitter-Club in Kamen. Auch der Motor wurde von der Großserienbasis übernommen. Immerhin werkelte dort ein amerikanischer V8-Motor mit 5,4 Litern Hubraum und 230 PS.

Die Kombination aus Großserientechnik und italienischen Formen machte den Bitter CD schnell bekannt. Und trotz eines Basispreises von damals atemberaubenden 70 000 Mark griff vor allem die bundesdeutsche Schickeria gerne zu. Ungeachtet der Produktionszahl von nur 395 Bitter CD war das Projekt für Bitter ein Erfolg.

Also entwickelte man 1977 am damaligen Sitz der Firma in Schwelm (Nordrhein-Westfalen) einen Nachfolger: Das Erbe des CD sollte der SC antreten. Diesmal musste das Opel-Topmodell Senator als Unterbau herhalten. Wie sein Vorgänger verließ sich der 1980 vorgestellte SC auf die bewährte Mischung aus Opel-Technik und edler Anmutung.

Während sich der SC im Vergleich zum CD in nahezu jeder Hinsicht weiterentwickelt hatte, sahen manche die Motoriserung als Rückschritt an. Denn der blasse 3,0-Liter-Sechszylinder von Opel weckte manch wehmütige Erinnerung an den blubbernden V8 aus dem Vorgänger.

Trotz allem wurde der SC ein Erfolg, in erste Linie in den USA. Dort fand rund die Hälfte der 461 zwischen 1981 und 1989 gebauten Exemplare einen Käufer. 1984 erweiterte Bitter sein Programm: Neben dem Coupé wurde fortan auch ein viersitziges Cabrio angeboten.

Ein echter Exot sollte aber der Viertürer mit dem Namen Sedan bleiben. „Die Idee dazu stammte von Hoteliers, die damit ihre Gäste abholen wollten“, erläutert Martin Wilhelm. Vier Exemplare der luxuriösen Limousine fanden den Weg auf die Straße.

Die Erfolgsgeschichte sollte nicht ewig dauern. 1986 bekam Bitter den Auftrag, für den japanischen Hersteller Isuzu ein Cabriolet zu entwickeln. Als Isuzu das Auto dann doch nicht brauchte, wollte Bitter es als Type drei selber bauen. Doch das Projekt ließ sich nicht realisieren. Aber der heute über 70-jährige Erich Bitter ist eben ein ungewöhnlicher Mensch mit ungewöhnlichen Ideen und jemand der nicht aufgibt: 2006 soll das neue Coupé Bitter CD 02 gebaut werden.

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