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Vor 30 Jahren erschien der VW Polo

Corsa? Kennt man, genau wie Fiesta. Beides sind bekannte kleine Autos deutscher Hersteller. Doch wenn es um den Inbegriff des deutschen Kleinwagens geht, fällt in der Regel ein anderer Name: Polo.

dpa/gms WOLFSBURG. Corsa? Kennt man, genau wie Fiesta. Beides sind bekannte kleine Autos deutscher Hersteller. Doch wenn es um den Inbegriff des deutschen Kleinwagens geht, fällt in der Regel ein anderer Name: Polo.

Das VW-Modell hat es in 30 Jahren zu großer Bekanntheit gebracht - und das, obwohl alles im Grunde mit einem Etikettenschwindel anfing. Denn die Konstruktion des ersten Polo stammte von Audi und war unter anderem Namen schon unterwegs.

Es war die Zeit, in der man bei Audi in Ingolstadt noch kein A in der Typbezeichnung hatte, sondern die Fahrzeuge je nach Größe 80 oder 100 nannte. Allerdings fehlte in der Reihe noch etwas Kleines. Und so machte sich Audi an die Entwicklung eines Kleinwagens, der die Bezeichnung 50 tragen sollte. Das Auto war zwar nur 3,5 Meter lang, doch die Ausstattung wirkte durchaus erwachsen.

1974 erschien der Mini-Audi auf dem Markt. Doch schon früh stand fest, dass die Konzernmutter VW von der Konstruktion profitieren wollte. Die Mühen der Wolfsburger bei der Anpassung des Wagens beschränkten sich in erster Linie auf das Ausräumen des Vorhandenen: Von der üppigen Ausstattung des Audi 50 blieb im Ur-Polo wenig.

Auch die verbreitete Basismotorisierung ließ längere Ausflüge in entspannter Atmosphäre kaum zu. Gerade einmal 29 kW/40 PS standen in den 900 Kubikzentimetern des kleinen Vierzylinders zur Verfügung. Damit soll nach längerem Anlauf eine Höchstgeschwindigkeit von 132 Stundenkilometern (km/h) möglich gewesen sein. Wer sich damit nicht anfreunden mochte, dem bot sich als Alternative ein 1,1-Liter-Motor mit 37 kW/50 PS. Noch einmal zehn PS mehr gab es 1977 - aber nicht gleich im Schrägheck, sondern in einem Derby genannten Stufenheck.

Der teurere Audi spielte zunehmend eine Statistenrolle und verschwand 1978 schließlich ganz vom Markt. Der Polo dagegen feierte schnell Erfolge: Bereits im Jahr 1979 meldete Volkswagen das 500 000. Exemplar. Also wurde die Sache 1981 mit der zweiten Polo-Generation fortgesetzt. Die war allerdings in erster Linie optisch neu, unter dem Blech und am Fahrwerk blieb das meiste beim Alten.

Mancher Kunde hätte sich auch gewünscht, die Designer hätten die Finger vom Polo gelassen. Statt des knuffigen Schräghecks als Standardmodell kam der Polo nun als eine Art Kombi daher: Das Dach zog sich gleichmäßig bis zum Heck, wo es dann über einer steilen Heckklappe endete. Alles in allem erinnerte die neue Polo-Generation formal stark an einen zu heiß gebadeten Leichenwagen.

Es dauerte dann auch nicht lange, bis VW die Schrägheckform wieder belebte. Sie stand fortan jedoch nicht als Standardmodell in den Schauräumen. Vielmehr trug die Karosserievariante jetzt die Bezeichnung Coupé und sollte eine sportlichere Ausführung des Polo darstellen. Um die Sportlichkeit zu unterstreichen, gab es das Auto auch als GT mit 55 kW/75 PS starkem Motor und sportlicher Aufmachung.

Auch diese Generation wurde ein Erfolg. Bereits 1983 feierte VW eine Million Polo und schuf im Jahr darauf das eigentliche Erfolgsmodell dieser Jahre: den Polo Fox. Allem Anschein nach hatten sich die Polo-Macher wieder an die Anfänge erinnert und rissen alles an Ausstattung heraus, was sich entbehren ließ. Vor allem dürfte der Preis das Sondermodell zum Bestseller gemacht haben: Der Fox kostete 1 000 Mark weniger als das Basismodell. Mit 11 490 Mark hatte aber auch er den einst 7 500 Mark teuren Ur-Polo weit hinter sich gelassen.

1986 folgte der absolute Über-Polo dieser Generation. Im Coupé GT G40 hatten die Techniker einen G-Lader genannten Kompressor montiert. Das 85 kW/115 PS starke G40-Aggregat trieb das Coupé auf knapp 200 km/h. Für die Masse der Käufer war der teure Renn-Polo uninteressant. Sie schauten vielmehr auf den im selben Jahr eingeführten Polo-Diesel mit 33 kW/45 PS und einem Verbrauch von nur sechs Litern.

Die zweite Generation des Polo blieb mit allerlei Verbesserungen und Facelifts bis in die neunziger Jahre im Programm und überschritt dabei die Marke von drei Mill. gebauter Wagen. Erst 1994 wurden die technischen Grundzüge der ersten Generation mit Erscheinen des Polo drei endgültig beseitigt. Bis heute hat sich der karge Kleinwagen von einst zu einem immer luxuriöseren Gefährt entwickelt. Worauf VW nun mit einem neuen Billig-Auto antwortet, dessen Name Fox wohl nicht nur zufällig an den Erfolgs-Polo der achtziger Jahre erinnert.

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