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Vor 50 Jahren trat der Porsche-Traktor ab: Von der Ackerfurche in den Oldie-Olymp

Lange bevor der 911er zur Sportwagenlegende wurde, waren Porsche auf dem Acker unterwegs – mit einem Schlepper. 50 Jahre nach dem Produktionsende des Traktors stehen die Diesel-Rösser bei Sammlern hoch im Kurs.

Langsamer als es scheint: Mit seinem Porsche-Traktor vom Typ Standard 217, Baujahr 1961, kann Sammler Winfried Urner gerade einmal auf 25 km/h beschleunigen. Foto: Thomas Geiger Quelle: dpa
Langsamer als es scheint: Mit seinem Porsche-Traktor vom Typ Standard 217, Baujahr 1961, kann Sammler Winfried Urner gerade einmal auf 25 km/h beschleunigen. Foto: Thomas GeigerQuelle: dpa

Fulda/StuttgartZwei Zylinder, 15 kW/20 PS und bei Vollgas nicht einmal 25 km/h - gewöhnlichen Porsche-Fans sind solche Fahrleistungen nicht einmal ein Lachen wert. Doch Winfried Urner strahlt übers ganze Gesicht, wenn sich der 1,4 Liter große Diesel mit gemütlichem Tuckern Gehör verschafft. Auch der Zweizylinder des Sammlers aus Osthessen ist ein echter Porsche. Es ist ein feuerroter Schlepper, den die Schwaben in der Nachkriegszeit auf den Acker brachten - lange bevor sie mit dem 911 zum legendären Sportwagenhersteller wurden. Vor 50 Jahren lief bei der Porsche Diesel GmbH in Friedrichshafen der letzte dieser Traktoren vom Band.

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Das Produktionsende markierte bei Porsche eine Zäsur. Denn kurz nach dem Ende das Traktors stellte der Hersteller im September 1963 die Erstauflage seiner Sportwagenikone auf der Internationalen Automobilausstellung vor. «Porsche wollte sich auf die Sportwagen konzentrieren und hat die Traktoren dafür drangegeben», urteilt Sammler Urner.

Die Geschichte des Porsche Traktors begann vor dem Zweiten Weltkrieg. Firmengründer Ferdinand Porsche bekam von der NS-Regierung nicht nur den Auftrag, einen Volkswagen zu entwickeln. Auch einen Volksschlepper für weniger als 1.000 Mark sollte er bauen. Während der Volkswagen als Käfer allerdings noch vor Kriegsbeginn fertig wurde, gab es vom Schlepper nur ein paar Prototypen. Seine Produktion begann erst 1950 beim württembergischen Porsche-Nachbarn Allgaier.

Dieser «Allgaier-Schlepper System Porsche» schlug auf dem Acker sofort ein. Er leistete 18 PS und bestach vor allem durch seine neuartige Haube, während die Konkurrenz den Motor noch offen kutschierte. Außerdem war er deutlich billiger als ein Konkurrenzmodell etwa von Lanz und kostete mit 4.450 Mark nur 50 Mark mehr als ein einfacher Käfer.

Abschied vom Feld: 1963, im Jahr des 911er-Debüts, stellte Porsche seinen Schlepper ein. Foto: Thomas Geiger Quelle: dpa
Abschied vom Feld: 1963, im Jahr des 911er-Debüts, stellte Porsche seinen Schlepper ein. Foto: Thomas GeigerQuelle: dpa

Wegen solcher Qaulitäten baute Porsche die Palette zügig aus. Gemeinsam mit Mannesmann gründeten die Schwaben in Friedrichshafen die Porsche Diesel Motorenbau GmbH und fertigten dort vier Typen mit einem bis vier Zylindern: den kleinen Junior, die Modelle Standard und Super sowie den großen Master. Und sie exportierten in alle Welt. Selbst in Amerika war Porsche erst einmal auf dem Bauernhof bekannt, bevor die Autos der Marke auch die Boxengasse eroberten.

Doch der Reiz des Rasens war offenbar größer als die Rendite auf dem Rapsfeld: Vor genau 50 Jahren, im Juli 1963, stellte Porsche die Produktion ein. Rund 120.000 Traktoren rollten zwischen 1950 und dem Fertigungsende vom Band - mehr als doppelt so viele wie Sportwagen aus Zuffenhausen in diesem Zeitraum. Laut Schätzungen des Porsche-Diesel Club Europa (PDCE) haben davon etwa die Hälfte überlebt: «Allein wir haben 900 Mitglieder mit etwa 5.000 Fahrzeugen», sagt Club-Präsident Harald Stegen in Bremen.

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