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Vor 75 Jahren erschien der erste BMW 3 15

Im Jahr 1929 sprach man über die Weltumfahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin“. Fast nebensächlich erscheint es, dass in Berlin ein neuer Kleinwagen vorgestellt wurde: Das Spar-Mobil mit der Bezeichnung 3/15 machte BMW zum Autohersteller.

dpa/gms MÜNCHEN/EISENACH. Im Jahr 1929 sprach man über die Weltumfahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin“. Fast nebensächlich erscheint es, dass in Berlin ein neuer Kleinwagen vorgestellt wurde: Das Spar-Mobil mit der Bezeichnung 3/15 machte BMW zum Autohersteller.

Das Unternehmen aus München hatte sich bereits einen Namen als Hersteller von Flugzeugmotoren und Motorrädern gemacht. Von einem Automobil mit dem bekannten BMW-Logo gab es aber kaum eine Spur. Erst Ende der zwanziger Jahre wurde BMW auf einen Autohersteller in Eisenach aufmerksam. 1926 waren die Verantwortlichen dieser Firma namens Dixi auf eine Idee gekommen, die wenige Jahre später die Basis für den Autohersteller BMW bilden sollte.

Man hatte bei Dixi erkannt, dass ein preisgünstiger Kleinwagen der richtige Weg sein könnte - nur hatte man nicht das Geld, ein Fahrzeug völlig neu zu entwickeln. Doch es gab da ein Auto, das bereits jenen Erfolg hatte, von dem die Eisenacher träumten. In Großbritannien hatte die Firma Austin Motor 1922 den Austin Seven auf den Markt gebracht, der sich bestens verkaufte.

Also nahmen die deutschen Autobauer Kontakt zu Sir Herbert Austin auf und bemühten sich erfolgreich um einen Vertrag zur Lizenzproduktion des Kleinwagens in Eisenach. Die Konstruktion des Austin wurde für den deutschen Markt noch einmal überarbeitet - und schon im Dezember 1927 wurden die ersten Dixi 3/15 ausgeliefert.

Das Geschäft lief gut an. Doch dann kamen andere Probleme. Die Eisenacher Autofabrik gehörte zur Gothaer Waggonfabrik, in deren Kassen es nicht gut aussah. Die Notlösung: Verkauf der Autoabteilung. Und so wurde im November 1928 ein Vertrag über den Verkauf der Fahrzeugfabrik an BMW aufgesetzt, so die Autoren Rainer Simons und Walter Zeichner in dem Buch „Die Entwicklungsgeschichte der BMW-Automobile“ (BMW Mobile Tradition, Isbn 3-932 169-35-2).

Zunächst bauten die neuen Herren noch den alten Dixi 3/15 weiter. Doch der sollte schnell weiter entwickelt werden. Das Hauptaugenmerk galt der Karosserie des Dixi, die aus Sperrholz, Blech und Kunstleder bestand. BMW dagegen wollte eine echte Ganzstahlkarosserie.

Als wäre es nicht genug, Lizenzgebühren an Austin zu zahlen, nahm BMW nun noch Kontakt mit der Firma Rosengart in Frankreich auf. Die baute ebenfalls einen Lizenz-Austin, und zwar mit Ganzstahlkarosserie. Also bezahlte BMW auch noch Rosengart, um eine Karosserie nach diesem Vorbild bauen zu dürfen. Doch Einrichtung einer eigenen Produktionslinie für die Karosserie schien zu teuer. Also beauftragte man damit die Firma Ambi-Budd in Berlin. Die Premiere der BMW-Limousine fand schließlich am 9. Juli in der Hauptstadt statt.

Was die ersten Bewunderer sahen, war ein Auto, das sich nicht nur im Hinblick auf die Karosserie vom alten Dixi entfernt hatte. Statt nur an zwei gab es jetzt an allen vier Rädern Bremsen. Der Benzinhahn konnte nun vom Innenraum geöffnet werden - Dixi-Fahrer mussten dafür noch in den Motorraum greifen. Stolz war man vor allem auf den Innenraum: Denn bei gerade einmal 3,25 Metern Länge hatte der BMW Platz für zwei Erwachsene und zwei bis drei Kinder.

In Sachen Motor blieb es bei einem kleinen Vierzylinder mit 743 Kubikzentimetern Hubraum. Der war auch für die Namensgebung verantwortlich. Zum einen leistete er 15 PS. Die drei ergab sich aus einer komplizierten Berechnung der damals üblichen Steuer-PS. Beim BMW gab die Berechnung über Hubraum und Zylinderzahl den Wert 2,84 - aufgerundet eben 3.

Der günstige Kleinwagen (Limousine ab 2 500 Reichsmark) wurde gut aufgenommen - allerdings führte in den Folgejahren die Weltwirtschaftskrise dazu, dass sich immer weniger Menschen ein Auto kaufen konnten. BMW überlebte die schwierige Zeit. Und nachdem es vom 3/15 eine ganze Reihe an Modellvarianten gegeben hatte, löste man 1932 den Lizenzvertrag mit Austin, um ein wirklich eigenständiger Autohersteller zu werden.

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