VW California
Kurzurlaub im Wohnmobil

Sind Wohnmobile nur etwas für Senioren? In einem einwöchigen Selbstversuch zeigt sich die Tauglichkeit des neuen VW California für den Kurzurlaub einer vierköpfigen Familie. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Es gibt wohl keinen zweiten VW, der mit so viel Liebe zum Detail gestaltet wurde.

Die Kinder, 11 und 13 Jahre alt, waren begeistert. Meine Frau blickte eher skeptisch, als ich mit dem hellgrünen VW California auf den Hof einbog und als Gefährt für eine Alpentour anpries: Runter nach Garmisch, durch das Ötztal und über das Timmelsjoch durch Südtirol bis nach Venedig, schilderte ich den ersten Teil der geplanten Route, während der Nachwuchs das Innere des Wohnmobils erforschte.

„Und in dem Bulli sollen wir schlafen?", unterbrach Monika meine Ausführungen. „Ja klar", entgegnete ich und machte mich gleich an den Bettenbau: Zündung an, zweimal auf einen Drehknopf oberhalb der Frontscheibe gedrückt - und schon hob sich brummend das Schlafgemach aus dem Wagendach. Zwei Meter lang, gut 1,60 breit, zu den Füßen hin stark abfallend, aber immerhin mit Lattenrost. „Und wie komme ich da hoch?" - „Na, mit Klimmzug und einen Fuß auf die Rückenlehne des Fahrersitzes." Für die Kinder war die Liegefläche im Erdgeschoss vorgesehen, die sich mit ein paar Handgriffen aus der Rücksitzbank und einem Ablagebrett über dem Kofferraum formen lässt.

Unser „Hotel California" verfügte über einen zweiflammigen Herd, Spüle, Standheizung, Klimaanlage, eine Markise über und einen Klapptisch in der Schiebetür, dazu zwei Campingstühle in der Heckklappe - alles, was ein Weltenbummler so braucht. „Und Toilette, Dusche?" - „Die finden sich."

Wohnmobile auf Basis des VW-Busses rollen über die Straßen, seit es den Bulli gibt: exakt 60 Jahre. Der California ist jedoch das erste Reisemobil, das VW Nutzfahrzeuge von vorne bis hinten selbst gebaut hat. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Es gibt wohl keinen zweiten VW, der mit so viel Liebe zum Detail gestaltet wurde. Jeder Winkel der 6,4 Quadratmeter Wohnfläche wird für Funktionen oder Ablagen genutzt. Der Antrieb des immerhin 68 000 Euro teuren und 2,5 Tonnen schweren Testwagens meistert steilste Alpenpässe und matschige Feldwege: ein 174-PS-Diesel, bärenstark und mit knapp zehn Liter Verbrauch recht genügsam.

Wie lebt es sich zu viert in einem Kasten mit 8,65 Kubikmeter Rauminhalt? Ganz passabel, schönes Wetter und gegenseitige Rücksichtnahme vorausgesetzt. Andere Ausflügler guckten neidisch, als wir auf einem sonnigen Parkplatz am Fuß der Dolomiten plötzlich Tisch und Stühle hervorzauberten und Brotzeit hielten. Abends drehten wir die Vordersitze um 180 Grad, zogen den Klapptisch hervor und spielten vor dem Zubettgehen eine Runde Kniffel. Und wie schläft es sich? Traum ist auch in der kleinsten Hütte. Unter dem aufgestellten Alu-Dach, auf Lattenrost und Schaumstoffmatratze, umgeben von Zeltstoff, lässt es sich auch bei spätherbstlichen Temperaturen erstaunlich gut aushalten - wenn man nicht unter Platzangst leidet.

Im Erdgeschoss, in das wir nach dem dritten Tag auf Drängen der Kinder wechselten, herrschte zwar ein luftigeres Raumgefühl. Dafür ging es spürbar härter zu - ich brauchte nach der Rückkehr einen Masseur, um die Verspannungen in der Rückenmuskulatur zu beseitigen. Fazit: Der California ist als Reisemobil für eine Familie geeignet - wenn die Tour nicht länger als eine Woche dauert, man keinen hohen Komfort beansprucht und sich vorher über die Lage von Wohnmobil-Stellplätzen mit ordentlicher sanitärer Einrichtung informiert. Die kompakte Abmessung des California ist durchaus von Vorteil: Man kann den Bulli auch für die Fahrt zur Arbeit nutzen und kriegt dann täglich aufs Neue Urlaubsgefühle.

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