VW Polo GTI im Test
Auf der Suche nach dem verlorenen Gefühl

Der Golf ist eine Ikone, als GTI sogar eine der ganz besonderen Art. Für manche Autofahrer ist der Kompaktsportler aber über die Jahre viel zu erwachsen geworden, zu schwer, zu teuer. Die lockt der neue Polo GTI.
  • 0

Das Kürzel GTI steht bei Autofahrern für die sportliche Speerspitze gängiger Volumenmodelle, im Volksmund werden sogar häufig Nicht-VW-Modelle so bezeichnet. Obwohl die Schreibweisen der Wettbewerber für deren Leistungs-Träger meist mehr oder weniger stark abweichen. Bei älteren Autofahrern ruft die Buchstabenkombination GTI darüber hinaus nicht selten sogar nostalgische Gefühle hervor, schließlich gilt vielen der erste Golf GTI von 1976 als der einzig wahre. Damals waren dessen 110 PS in einem bürgerlichen Kompaktwagen eine Sensation.

Heute stehen wir vor dem Polo GTI, der nicht nur ebenfalls das sportliche Kürzel trägt, sondern sich von seinen Abmessungen her (knapp 4 Meter Gesamtlänge) viel eher mit dem Ur-GTI vergleichen lässt, als der aktuelle Golf GTI. Ein genauerer Blick offenbart allerdings auch gleich die Unterschiede: Im ersten Golf GTI mussten die 110 PS nur 810 Kilo Leergewicht bewegen. Der seit Februar in Deutschland erhältliche Polo GTI wiegt knapp 1,3 Tonnen, für deren Beschleunigung allerdings auch satte 192 Pferdestärken bereitstehen.

Trotz dieser Unterschiede hofften wir insgeheim, dass uns der Polo in GTI-Ausführung vielleicht ein wenig vom lange verlorenen Gefühl einer spielerischen Leichtigkeit zurückbringen würde. Ein Gefühl, dass der perfekte Straßenrenner Golf GTI einem Alt-GTI-Nostalgiker trotz überzeugender Leistungswerte nicht mehr geben kann.

Es muss nicht unbedingt erwähnt werden, dass unser in rot gekleideter GTI der stärkste Polo aller Zeiten ist – sieht man von Rallye-Derivaten wie dem Polo R WRC (220 PS) mal ab. Es muss allerdings unbedingt erwähnt werden, dass er in diesem Dress und mit den üblichen GTI-Insignien wie speziellen Stoßfängern und dem eigenständigen Kühlergrill, den ausgestellten Türschwellern und den 17-Zoll-Leichtmetallrädern richtig scharf aussieht.

Ein Eindruck, der sich im Innenraum zunächst nicht einstellt. Natürlich gibt es auch hier die zu erwartenden Zutaten: straffe Stoffsitze, eine Pedalerie in Alu-Optik und ein Lederlenkrad mit roten Ziernähten zum Beispiel. Doch es dominiert der nüchterne Cockpit-Aufbau des Serienmodells. Was wir übrigens nicht unbedingt als Nachteil empfunden haben.

Jetzt aber los auf die Straße. Denn Herzstück des Polo GTI ist natürlich sein Motor, der 1,8-Liter-Turbobenziner stammt aus der gleichen Familie, wie der stärkere 2,0-Liter im Golf GTI. Das verheißt nicht nur Gutes, das ist gut. Denn praktisch vom ersten Gasstoß an geht das Aggregat bissig zur Sache.

Was bei einem Blick auf die Daten nicht wundert: Die maximalen 320 Newtonmeter stehen fast über das gesamte im Alltag genutzte Drehzahlbank zur Verfügung, exakt zwischen 1.450 und 4.200 Umdrehungen und knapp darunter oder darüber drückt ebenfalls noch mehr als genug Kraft auf die Kurbelwelle.

Schon nach wenigen Metern freuen wir uns darüber, dass unser Wunsch nach einem Handschaltgetriebe erhört und unser Polo nicht mit dem ebenfalls erhältlichen DSG-Getriebe ausgerüstet wurde. Das spart nicht nur knapp 1.500 Euro, sondern erhöht auch den Fahrspaß. Denn die sechs Gänge lassen sich derart präzise und knackig schalten, dass es eine einzige Freude ist.

Seite 1:

Auf der Suche nach dem verlorenen Gefühl

Seite 2:

Ungestümer Drang nach vorn

Kommentare zu " VW Polo GTI im Test: Auf der Suche nach dem verlorenen Gefühl"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%