VW SP-Reihe: Der Scirocco-Urahn aus dem Regenwald

VW SP-Reihe
Der Scirocco-Urahn aus dem Regenwald

Anfang der 70er Jahre war die große Blütezeit des Käfers vorbei, und VW experimentierte mit sportlicheren Modellen. Eine Rarität aus dieser Zeit sind SP-1 und SP-2, die offiziell nie in Deutschland angeboten wurden.
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Im Frühjahr 1971 überraschte Volkswagen mit einem Auto, das damals niemand von den damals noch erzkonservativen, immer noch auf den Käfer fixierten Unternehmen erwartet hätte: den Volkswagen SP. Die beiden Buchstaben standen für Sport und für ein äußerst dynamisch gestaltetes Sportcoupé, niedrig auf der Straße kauernd, große Räder, lange Haube, markante Doppelscheinwerfer – aber auch für eher mäßige Fahrleistungen. Den Besitzern der wenige Jahre später erschienenen ersten Scirocco-Modellreihe dürfte das bekannt vorkommen.

Zwar wurde der SP der Öffentlichkeit in Deutschland vorgestellt, seine Wurzeln liegen aber in Brasilien. Dort übernahm 1968 Rudolf Leiding, zuvor Direktor des VW Motorenwerks in Kassel und Vorstandsvorsitzender von Audi NSU in Neckarsulm, die Leitung von Volkswagen do Brasil. Leiding hatte 1968 von Volkswagen Generaldirektor Heinrich Nordhoff den Auftrag bekommen, das südamerikanische Werk wieder auf die Erfolgsspur zu bringen, - und nahm diese Aufgabe unter der Bedingung an, für den Markt auch eigenständige Modelle realisieren zu können.


So skizzierte Leiding denn auch seine ganz persönliche Idee eines zweisitzigen Sportcoupés, das er von einem jungen Team zur Serienreife bringen lassen wollte. Als Entwicklungspartner dienten damals die Produktionsspezialisten von Karmann-Ghia do Brasil.

Die Vorgabe an die Entwickler war eindeutig: Mit der Verwendung möglichst vieler Serienteile aus dem Baukasten der brasilianischen Modellpalette sollten die Kosten niedrig gehalten werden. Als technische Basis für das neue Coupé, das das sportliche Image der Marke aufpolieren sollte, diente der Volkswagen 1600, die brasilianische Version des Typ 3 mit eigenständiger Karosserie.

Von ihm wurden das Fahrwerk mit vorderer Kurbellenkerachse und Pendelachse hinten sowie der Motor übernommen. Die Doppelscheinwerfer stammten ebenfalls vom 1600er. Während sie dort die Front einer bürgerlichen Limousine zierten, wurden sie beim SP zum prägenden Designmerkmal. Die Stahlkarosserie hingegen war eine weitgehend eigenständige Entwicklung.


Bei Fahrversuchen erwies sich der serienmäßige 1,6-Liter-Boxermotor aus dem Typ 3 mit 54 PS als dem sportlichen Anspruch nicht angemessen. Man beschloss, diese Motorisierung in einer etwas einfacher ausgestatteten Version als Volkswagen SP-1 anzubieten. Um über ein stärkeres Aggregat zu verfügen, wurde der sogenannte Flachmotor auf 1.678 ccm Hubraum aufgebohrt. Er leistete nun 65 PS bei 4.600 Umdrehungen pro Minute und ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von 156 km/h.

Während man den SP-1 nur in sehr geringer Stückzahl baute, wurde der SP-2 von Juni 1972 bis Februar 1976 immerhin über 10.000 Mal gefertigt.

Offiziell nie in Europa angeboten, kam ein einziges Exemplar jedoch auf regulärem Weg nach Deutschland: Rudolf Leiding wurde bereits 1971 wieder zurück nach Wolfsburg gerufen, wo er als neuer Vorstandsvorsitzender die Modelle Passat und Golf auf den Weg brachte. Als Geschenk für seine Ehefrau orderte er nachträglich einen SP-2 nach Wolfsburg. Ihr war das Sportcoupé jedoch im deutschen Straßenbild zu auffällig. Sie verkaufte es nach kurzer Zeit.

Heutzutage befinden sich einige Volkswagen SP-2 in der Hand europäischer Sammler. Volkswagen Classic wird das Sportcoupé auch in diesem Jahr bei einigen klassischen Veranstaltungen wie der Kitzbüheler Alpenrallye im Mai zeigen.

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