VW Touareg im Gebraucht-Check
In Würde gealtertes Wüstenschiff

Zwischen den heutigen großen SUV mag die erste Generation des Touareg nicht mehr auffallen, zu seiner Zeit war er aber etwas Besonderes. Und auch mit einem gebrauchten Exemplar kann man noch glücklich werden.
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Als eine Art Universalgenie brachte VW 2002 mit dem Touareg den ersten Geländewagen der Marke in den Handel: Reisewagen, Familienkutsche, Wohlfühloase, Zugfahrzeug, Sicherheitszelle, Offroader. Die erste Generation des VW Touareg kommt in die Jahre und darüber darf man sich als Gebrauchtwagenkäufer freuen. Denn im Alter wird das Wüstenschiff nicht nur besser, sondern auch unverschämt günstig.

Karosserie und Innenraum: Für einen Mix aus SUV und Geländewagen tritt der Touareg, benannt nach einem afrikanischen Wüstenvolk, fast bescheiden auf, ein bisschen modisch-rundlich zwar, aber schlicht. Mit seinem Halbbruder Porsche Cayenne teil er sich einiges an Technik. Auf 4,75 Länge ist für fünf Personen ausreichend Platz, der Kofferraum ist mit 550 bis 1.540 Litern nicht bemerkenswert üppig, aber ausreichend groß.

Je nach Geschmack und Portemonnaie des Erstbesitzers ist das SUV innen mit Alu oder Edelholz ausgestattet. Die Innenräume sehen meist auch nach zehn Jahren noch ansprechend aus, denn die Verarbeitung ist sehr hochwertig – sollte das Wüstenschiff doch das hochbeinige Pendant zur Oberklasse-Limousine Phaeton sein.

Motoren und Fahrwerk: Ein souveräner Auftritt ist dem Touareg-Fahrer sicher – und zwar in fast jeder Lebenslage. Im Gelände kann der Wolfsburger mehr als andere SUV, Dank Allradantrieb, Geländeuntersetzung, Differenzialsperre und höhenverstellbarem Luftfederfahrwerk (kostete bei den kleinen Motoren extra), bis zu 3,5 Tonnen schwere Anhänger darf er ziehen und ein komfortabler Reisewagen mit bis zu 250 km/h Spitze ist der Touareg auch.

Als Motorisierung ist für das 2,4 Tonnen schwere Fahrzeug einer der starken Diesel zu empfehlen, der V6 hat in seiner höchsten Ausbaustufe 176 kW/240 PS, der R5 128 kW/174 PS – bei letztem sollte man aber darauf achten, dass er einen Rußfilter besitzt (ab 2006 Serie). Nachrüsten ist ansonsten aber möglich, ebenso wie man einen Partikelfilter beim V10-TDI nachrüsten kann. Wer unbedingt einen der Benziner mit acht oder gar zwölf Zylindern fahren will, gräbt im Garten am besten schon mal nach Öl.

Ausstattung und Sicherheit: Natürlich bekam das Dickschiff 2004 die volle Punktzahl von fünf Sternen beim EuroNCAP-Crashtest. Der Schleuderschutz ESP ist von Anfang an serienmäßig an Bord. In der Basisausstattung (Allradantrieb, Klimaanlage, Berganfahrhilfe, Zentralverriegelung) dürfte kaum ein Wagen vom Hof gefahren sein, die meisten erhältlichen Touaregs sind gut bis üppig ausgestattet. Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Tempomat, Lederpolster und Multifunktionslenkrad sind oft gewählte Extras.

Qualität: Mit dem Alter reift das Wüstenschiff zur Bestform: Liegt die Zahl der Touaregs, die mängelfrei durch die HU kommen in jungen Jahren noch unter dem Durchschnitt, ändert sich das etwa ab der zweiten Hauptuntersuchung. Im Alter ab etwa fünf Jahren hat der VW durchgängig weniger Mängel als der Durchschnitt – und das bei deutlich höherer Laufleistung.

Als problematisch notieren die TÜV-Prüfer in den ersten Jahren zum Beispiel Probleme mit der Fußbremse und auch das Licht ist ein eher dunkles Kapitel. Der Ölverlust zieht sich durch alle Baujahre. Darüber hinaus ist der 2,4 Tonnen schwere Touareg für seinen erhöhten Reifenverschleiß bekannt. Dafür loben die TÜV-Prüfer das Fahrwerk als haltbar und mit Rost haben auch die ältesten Touaregs wenig Probleme.

Fazit: Solide VW-Technik plus Oberklasse-Anspruch plus relativ günstige Preise: Wer ein solches Dickschiff sucht, ist mit dem Touareg gut bedient. Mit vielen Kilometern auf dem Tacho ist der große VW der ersten Generation heute geradezu ein Schnäppchen: Ab 200.000 Kilometern aufwärts listen die großen Gebrauchtwagenbörsen voll ausgestattete und auch scheckheftgepflegte Exemplare unter 7.000 Euro. Günstig und gewaltig ist der V10-TDI: Exemplare mit einer Laufleistung von etwa 200.000 Kilometern werden ab etwa 8.000 Euro verschleudert. Die Selbstzünder haben zwar nur eine gelbe Plakette (Euro 3), aber ein Partikelfilter lässt sich hier nachrüsten. Mindestens 12.000 Euro muss man für ein Exemplar mit unter 100.000 Kilometern investieren.

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