Weniger Vibrationen
An der Zukunft des Wankelmotors wird immer noch geschraubt

Wenn es um Automotoren geht, dann wird gern in Kategorien wie Zylindern gesprochen. Zeitweise allerdings schien es gar nicht selbstverständlich, dass das Prinzip des Hubkolbenmotors auf unabsehbare Zeit das einzige bleiben würde. Vor 50 Jahren tauchte mit dem Wankelmotor ein Konkurrent auf.

dpa/tmn NECKARSULM/LEVERKUSEN. Man schrieb das Jahr 1957, als beim Autohersteller NSU in Neckarsulm - der später mit Audi fusionierte - das als Wankelmotor berühmt geworden Motorenprinzip seine ersten Prüfstandsläufe absolvierte. Der gelernte Verlagskaufmann Felix Wankel soll aber schon 1924 erste Überlegungen angestellt haben, einen Motor zu bauen, der ohne die vielen sich hin und her bewegenden Teile auskommt.

Als dann viele Jahre später der Wankelmotor wirklich seine ersten Prüfungen überstanden hatte, lasen sich die Vorzüge denn auch vielversprechend. Der Motor hat vergleichsweise wenige bewegliche Teile, er ist recht kompakt und braucht daher auch nur wenig Platz. Der drehende Kolben sorgt auch dafür, dass der Wankelmotor wesentlich weicher und mit weniger Vibrationen läuft als ein herkömmlicher Motor, in dem sich die Kolben ständig von oben nach unten bewegen.

Im Prinzip arbeitet auch der Wankelmotor nach dem bekannten Viertaktprinzip. Allerdings sieht die Technik völlig anders aus: Im Inneren findet sich beim Rotationskolbenmotor ein dreieckig geformter Kolben, der hier auch Rotor oder Läufer genannt wird, heißt es bei Mazda in Leverkusen. Die japanische Marke baut heute als einzige noch Fahrzeuge mit Wankelmotoren. Der Kolben rotiert in einem ovalen Gehäuse, seine drei Ecken liegen ständig an der Gehäusewand an. In den Hohlräumen dazwischen können die Arbeitstakte stattfinden.

Im Jahr 1964 brachte NSU laut Audi in Ingolstadt das erste Serienfahrzeug mit Wankelantrieb auf den Markt, den Wankel Spider. 1967 folgte dann das Highlight der Wankel-Ära mit dem technisch wie optisch modernen NSU Ro 80. Zu dieser Zeit hatte bereits eine Art Wankel-Hysterie eingesetzt - Hersteller aus aller Welt besorgten sich Lizenzen zum Bau von Wankelmotoren. Berühmt geworden ist der C 111 von Mercedes, der es auf 260 Stundenkilometer brachte.

Zu einem Serienmodell wurde dieser Sportwagen wie so viele andere Wankel-Versuchfahrzeuge jedoch nicht: „1971 läuft die Wankel-Entwicklung wegen der grundsätzlichen, auch bis heute von niemandem gelösten technischen Probleme aus“, heißt es bei Daimler-Chrysler in Stuttgart. „Der Wankelmotor hat in der Theorie gute Eigenschaften - in der Praxis hat er jedoch einen Treibstoffverbrauch, der nicht mehr in unsere Zeit passt“, sagt Automobilforscher Ferdinand Dudenhöffer.

Und doch gibt es Techniker, die weiter an den Wankel glauben - vor allem in Hinblick auf aktuelle Techniken wie Hybrid- oder Wasserstoffantrieb. So hat Mazda Anfang 2006 das Modell RX-8 in Japan in kleiner Stückzahl mit einem Kreiskolbenmotor auf die Straßen gebracht, der sowohl Benzin als auch Wasserstoff nutzen kann. Gerade in Hinblick auf den Wasserstoff biete der Kreiskolben mit seinen räumlich getrennten Bereichen für die Einlass-, Verbrennungs- und Auslasstakt beste Voraussetzungen.

Auch in Deutschland wird weiter am Wankel gearbeitet - vor allem bei Wankel Supertec in Cottbus. Dort wurde der Wankel zu einem Diesel mit Common-Rail-Einspritzung. „Im Jahr 2008 müsste die Serienversion fertig sein“, erklärt Ernst Sigmund, Vorsitzender des Beirates. Gedacht sind die Aggregate als leichte Industriemotoren, später sollen sie auch in Flugzeugen eingesetzt werden. Und vielleicht kehrt der Wankelmotor dann auch in größerer Zahl auf die Straße zurück.

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