Wie beim Spritverbrauch getrickst wird Auf Beugen und Brechen

Volkswagen hat beim CO2-Ausstoß einiger seiner Autos dreist betrogen. Aber auch mit ganz legalen Mitteln können Pkw-Hersteller den Verbrauch und die Emissionen ihrer Fahrzeuge im Prüflabor drücken.
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Bei bisherigen Tests stehen Automodelle 20 Minuten auf dem Prüfstand und legen dabei elf Kilometer mit Geschwindigkeiten von 34 bis maximal 120 km/h zurück. Neue Testverfahren sollen die Ergebnisse näher an die Realität bringen.  Quelle: ADAC
ADAC-Prüfstand zur Abgasmessung

Bei bisherigen Tests stehen Automodelle 20 Minuten auf dem Prüfstand und legen dabei elf Kilometer mit Geschwindigkeiten von 34 bis maximal 120 km/h zurück. Neue Testverfahren sollen die Ergebnisse näher an die Realität bringen. 

(Foto: ADAC)

Im Kampf um das letzte Gramm CO2-Einsparung hat Volkswagen bei den Verbrauchsgutachten zahlreicher Modelle betrogen. Dabei gewährt die NEFZ-Prüfnorm den Autohersteller auch so schon jede Menge Spielraum zur Optimierung der Emissionswerte. Und der wird zunehmend stärker ausgenutzt.

Dass Normverbrauch und Alltagsdurst eines Pkw wenig miteinander zu tun haben, weiß jeder Autofahrer. Doch die Kluft nimmt seit Jahren zu.

Lag die Differenz zwischen Herstellerangaben und Realverbrauch 2001 in Deutschland noch bei rund sieben Prozent, sind es mittlerweile 31 Prozent, wie die europäische Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) 2014 ermittelt hat. Die Basisdaten stammten dabei von der Internetseite spritsparmonitor.de, auf der Autofahrer die von ihren Pkw im Alltag erreichten Verbrauchswerte veröffentlichen können.

Die wachsende Differenz zwischen Theorie und Praxis hat mehrere Ursachen. Zum einen die immer umfangreichere Ausstattung von Neuwagen. Optionale Komfort- und verbrauchen Strom und erhöhen das Gewicht, werden bei den offiziellen NEFZ-Fahrzyklus-Tests aber nicht berücksichtigt. Dort wird in der Regel das mager ausgerüstete Basismodell geprüft.

Ein weiterer Grund liegt in der realitätsfernen Ausgestaltung der Prüfstand-Tests, die zu einer falschen Gewichtung von Fahrzeug-Eigenschaften führt. So hat etwa das Start-Stopp-System einen überproportionalen Effekt, da das Auto rund 20 Prozent der Testdauer steht. Im Alltag ist das System in der Regel deutlich weniger im Einsatz.

Wie vergleichsweise gering sein Spritspar-Effekt ist, kann jeder Besitzer eines Bordcomputers überprüfen: Im Leerlauf liegt der Verbrauch des Motors bei 0,5 bis 1,0 Liter – pro Stunde. Gleichzeitig spielen aerodynamische Aspekte für den Normverbrauchswert kaum eine Rolle.

Diese geringe Berücksichtigung des Windwiderstands etwa auch den Boom der SUV befördert, indem diese auf dem Papier einen akzeptablen Verbrauch attestiert bekamen. Doch in der Realität benötigen die fahrenden Schrankwände vor allem im schnellen deutschen Autobahnverkehr zwangsläufig viel mehr Sprit als angegeben.

Besserung könnte in dieser Hinsicht der für 2017 vorgesehene neue WLTP-Prüfzyklus bringen, der sich stärker an dem realen Geschehen auf der Straße orientieren soll. Unter anderem wird länger und schneller gefahren, außerdem soll das Fahrzeuggewicht stärker berücksichtigt werden.

Einen großen Anteil an den zunehmen unrealistischen Normwerten ist jedoch auch auf kreative Tricks der Autohersteller bei der Verbrauchsberechnung zurückzuführen. Sie ziehen unter dem Druck neue CO2- und Schadstoffgrenzwerte alle Register, um den Laborwert zu senken. Dabei gibt es zwei grundsätzliche Arten, zu tricksen.

Zum einen bei der Realfahrt auf offener Strecke, zum anderen bei der anschließenden Laborprüfung durch ein nominell unabhängiges Institut. Die Fahrt im Freien dient vor allem dazu, Roll- und Luftwiderstand zu ermitteln. Diese werden später benötigt, um den Rollenprüfstand im Labor entsprechend zu programmieren.

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1 Kommentar zu "Wie beim Spritverbrauch getrickst wird: Auf Beugen und Brechen"

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  • ........so fatal jetzt für VW.......als Folge der vorausgegangenen Trixerei.......so unverständlich die nicht ausreichend vorgegebenen Bestimmungen für die Autobauer (deutschland....europa u. weltweit)....sollte man sich nicht wundern....wenn einer aus der Reihe tanzt.....und für sich sein ganz eigenes Konzept entwickelt hat (VW).......krähen wenige Hähne danach...für eine Erklärung dieser Handlungsweise .....(eben aus diesem Grund) ......sondern hauen nur mit dem Knüppel auf VW....und dann noch von den Amerikanern entdeckt.....die nicht imstande sind....einen kleinen Dieselmotor zu bauen.....(so liest man in der Fachpresse).....und sie natürlich den Dieselmotor ablehnen und geißeln......und VW selbstverständlich an den Pranger stellen....eine abenteuerliche Entwicklung........Frau/Mann hier ist fassungslos......

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